HEILPFLANZEN
Viola tricolor - Feldstiefmütterchen
Feldstiefmütterchen (syn. wildes Stiefmütterchen, Ackerveilchen, Dreifaltigkeitsblume, Dreifarbiges Veilchen, Freisamkraut, Fronsamkraut, Jesus-Blümchen, Sinnviole, Stiefmütterchen, Tag-und-Nachtveigerl)
Viola tricolor - Feldstiefmütterchen
Viola tricolor - Feldstiefmütterchen
Viola tricolor - Feldstiefmütterchen
VORKOMMEN
Heimisch im gemässigten Eurasien, nördlich bis Island, Nordskandinavien, Finnisch-Lappland und Sibirien, östlich bis zum Altai und Tarbagatai, südlich bis zum Mittelmeer und Vorderindien. Das Ackerveilchen wird in Holland und Frankreich kultiviert.
MERKMALE
Das Wilde Stiefmütterchen ist eine einjährige bis mehrjährige krautige Pflanze die Wuchshöhen von 10-40 Zentimeter erreicht. Diese Halbrosettenpflanze bildet keine unterirdischen Ausläufer. Die Blüten beim wilden Stiefmütterchen sind gewöhnlich die oberen zwei Kronblätter blauviolett, das untere gelb und die beiden seitlichen weiss oder auch blauviolett - also blüht es dreifarbig („tricolor“). Allerdings können auch bei dem nahe verwandten Acker-Stiefmütterchen (Viola arvensis) die oberen Kronblätter violett überlaufen sein. Die Blütezeit reicht von April bis September.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Violae tricoloris herba (syn. Herba Jaceae, Herba Trinitatis, Herba Violae, Herba Violae tricoloris);

Feldstiefmütterchenkraut (syn. Dreifaltigkeitskraut, Dreifaltigkeitstee, Freisamkraut, Freisamtee), das zur Blütezeit gesammelte und getrocknete Kraut.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
ViolaxanthinFlavonoide (0,41 %), besonders Quercetin- und Luteolinglykoside, Carotinoide mit Violaxanthin als Hauptkomponente, Anthocyane mit dem Pigment Violanin, Phenolcarbonsäuren wie Salicyl­säure­methyl­ester, Violutosid (Salicylsäuremethylesterglucaribinosid), cis- und trans-Cumarsäure, Gentisinsäure und Protocatechusäure sowie Schleimstoffe (ca. 9,5 %). Im Gegensatz zu älteren Literaturmitteilungen sicher keine Saponine sondern hämolytisch aktive Peptide.
PHARMAKOLOGIE
Die Flavonoide und Methylsalicylate zeigen entzündungshemmende und sekretolytische Wirkungen. Diese Substanzen machen die traditionelle Anwendung von Viola tricolor plausibel. Die Wirksamkeit dieser Behandlung muss durch klinische Studien belegt werden.
ANWENDUNG
Volkstümlich äusserlich bei leichten seborrhoischen Hauterkrankungen, bei nassen und trockenen Exanthemen sowie Milchschorf der Kinder. Innerlich wird Stiefmüt­ter­chen­kraut als leichtes Abführmittel bei Verstopfungen, als Adjuvans auch bei allen Erkran­kun­gen, bei denen eine Förderung des Stoffwechsels angezeigt erscheint, wie Rheuma, Gicht, Arteriosklerose und Blutkrankheiten angewendet. In der älteren Volksmedizin verwendete man die Droge bei Katarrhen der Luftwege, Halsentzündungen, Keuch­hus­ten und fiebrigen Erkältungen.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Tee: 1.5 g getrocknetes Kraut auf 150 ml Wasser, bis zu dreimal täglich.

Wässriger Aufguss für Umschläge: Ein Teelöffel (etwa 2 g) zerkleinertes, getrocknetes Stiefmütterchenkraut wird mit ca. 150 ml siedendem Wasser übergossen und nach 10 Minuten abgeseiht. Mehrmals täglich mit dem abgekühlten Aufguss Umschläge machen.
HOMÖOPATHIE
Viola tricolor HAB 1; Stiefmütterchen, die frischen, oberirdischen Teile blühender Pflanzen.

Anwendungsgebiete: Erkrankungen der Haut, der Nieren und ableitenden Harnwege.
SONSTIGES
Die Bezeichnung Stiefmütterchen, die erst im 18. Jh. geprägt wurde, geht offenbar auf den Volksmund zurück. Danach bilden die beiden obersten Blütenblätter zwei Stühle, die die Stiefmutter für sich in Anspruch nimmt, auf den beiden seitlichen sitzen die eigenen Töchter, während sich die Stieftöchter mit dem untersten begnügen müssen.
Letzte Änderung: 22.01.2012 / © W. Arnold
 
Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004.
A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2.
Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.
M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002.
H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9.
Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988.


Wikipedia

EKG: Wildes Stiefmütterchen (PDF, 171 KB)
Berliner Heilpraktiker Nachrichten


Viola tricolor - Feldstiefmütterchen
Viola tricolor - Feldstiefmütterchen


  Ordnung
Familie
Gattung
Art
Malpighiales
Violaceae
Viola

Wildes Stiefmütterchen
  Wiss. Bez.
Viola tricolor


Unerwünschte Wirkungen sind keine bekannt.


Viola tricolor ist ein typischer Begleiter des Roggens.


Tradit. Medizin
Kommission E: positive Bewertung (äusserlich)