HEILPFLANZEN
Valeriana officinalis - Baldrian
Baldrian (syn. Arzneibaldrian, Balderbracken, Balderjan, Bullerjan, Gebräuchlicher Baldrian, Gemeiner Baldrian, Katzenbaldrian, Katzenkraut, Stinkbaltes).

Sammelart, die sich durch grosse Mannigfaltigkeit an Formen, Varietäten und Unterarten auszeichnet;
Valeriana officinalis - Baldrian
Valeriana officinalis - Baldrian
Valeriana officinalis - Baldrian
Valeriana officinalis - Baldrian
VORKOMMEN
Valeriana officinalis kommt in Europa und in den klimatisch gemässigten Zonen Asiens vor. Er bevorzugt feuchte, sumpfige Standorte, Wassergräben und feuchte Wiesen. Er gedeiht aber auch an trockenen, schattigen oder sonnigen Orten; man hat Wildformen bis 2400 m Höhe gefunden. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich heute über Kaukasien, Sibirien, Zentralasien, die Mandschurei bis Japan; im nordöstlichen Amerika eingebürgert.
MERKMALE
Echter Baldrian ist eine mehrjährige krautige Pflanze von 1 bis 2 m Höhe, die Rhizome als Überdauerungsorgane ausbildet. Sie hat sattgrüne, gefiederte Blätter von etwa 20 cm Länge, die unteren gestielt, die oberen sitzend. Die Fiedern sind oval oder lanzettlich, ganzrandig oder ungleich gesägt. In dichten, endständigen, (schirm)rispigen Blütenständen öffnen sich kleine hellrosafarbene, süsslich duftende Blüten von 4 bis 5 mm Durchmesser. Die Blütezeit reicht von Mai bis Juli.[
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Valerianae radix (syn. Radix Valerianae, Valerianae rhizoma, Rhizoma Valerianae);

Baldrianwurzel (syn. Augenwurzel, Balderbackenwurzel, Katzenwurzel, Katzenwürzel), die unterhalb 40 °C sorgfältig getrockneten unterirdischen Organe.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Äther. Öl (0,3-0,8 %) mit Monoterpenen, besonders Borneol, Bornylacetat, Bornyl­isovalerat, Camphen, Campher, Carvylacetat, 1,8-Cineol, p-Cymen, Fenchen, Myrcen, Myrtenol sowie Sesquiterpenen, unter anderem β-Bisabolen, γ-Cadinen, β-Elymen, Faurinon, Valeranon, Valerenal, Valerenol, Valerenylisovalerat sowie den schwer flüchtigen Sesquiterpensäuren Acetoxyvalerensäure, Hydroxyvalerensäure und Valerensäure. Weitere Bestandteile sind Phenolcarbonsäuren, unter anderem Chlorogensäure und Kaffeesäure, sowie trans-Hesperidinsäure (= Isoferulasäure), Valepotriate (0,5-2 % bei schonend getrockneter Droge) mit Valtrat (50-80 %) als Hauptkomponente, IVDH-Valtrat und Acevaltrat sowie ihre stabilen Abbauprodukte Baldrinal und Homobaldrinal; Alkaloide (0,01-0,05 %), unter anderem Valerianin und α-Methylpyrrylketon.

Valtrat
Valerensäure

Die cyclische Acetalstruktur, die Estergruppen und der Oxiranring bedingen, dass die genuinen Valepotriate ausserordentlich labil sind. Hohe Trocknungstemperaturen führen zu einem raschen Abbau der Valepotriate. Länger gelagerte bzw. unsachgemäss getrocknete Baldrianwurzeln sind praktisch frei von Valepotriaten. So zeigen gefriergetrocknete Baldrianwurzeln einen um 45 % höheren Valepotriatgehalt als warmluftgetrocknete Droge. In gepulverter Droge zersetzen sich die Valepotriate nicht nur bei Aufbewahrung in feuchter, sondern auch in sehr trockener Atmosphäre. Die günstige Trocknungstemperatur liegt bei 32 bis 35 °C für ca. 50 h.
PHARMAKOLOGIE
Baldrianextrakte interagieren hauptsächlich mit den GABA- und Benzodiazepin-Rezeptoren, wie auch mit anderen Neurorezeptoren. Valepotriate (vorwiegend Valtrat oder Dihydrovaltrat) sind als krampflösende Mittel bekannt. Klinische Studien legen nahe, dass Baldrian bei Einnahme über mehrere Wochen Schlafstörungen und geringfügige nervöse Zustände wirksam lindert.
ANWENDUNG
Als nicht-suchtauslösender Tranquilizer ist die Droge eines der wichtigsten pflanzlichen Beruhigungsmittel und Bestandteil zahlreicher Fertigarzneimittel. Anwendung insbesondere bei Rast- und Schlaflosigkeit, leichten nervösen Störungen, bei Menopausensymptomen und den mit prämenstruellem Syndrom einhergehenden Angstgefühlen. Traditionell auch zur unterstützenden Behandlung von Magendarm-schmerzen und spastischer Kolitis.
HOMÖOPATHIE
Valeriana officinalis HAB 1; Baldrian, die bei maximal 40 °C sorgfältig getrockneten, unterirdischen Pflanzenteile.

Anwendungsgebiet: Erkrankungen des Zentralnervensystems, des Herzens, des Magen-Darm-Traktes sowie des Stütz- und Bewegungsapparates.
SONSTIGES
BaldrianDer Gattungsname Valeriana ist die mittelalterliche Bezeichnung für Baldrian, die wahrscheinlich vom lateinischen valere (kräftig, wert sein) abgeleitet ist. Ob der deutsche Name Baldrian mit dem Lichtgott Baldur in Verbindung gebracht werden kann, ist umstritten. Bei den griechischen und römischen Ärzten des Altertums war der Baldrian unter dem Namen Phu bekannt und wurde bes. als menstru­ationsförderndes und harntreibendes Mittel eingesetzt. Spätere Indikationen waren auch die als Anthelmintikum, Aphrodisiakum und letztlich auch als Mittel gegen Pest, wie z.B. aus einem alten angelsächsischen Spruch "Trinkt Baldrian und ihr kommt alle davon" hervorgeht. Wohl wegen seines unangenehmen Geruches galt der Baldrian im Volksglauben lange Zeit auch als zauberabwehrendes Mittel. Die heutige Nutzung als Beruhigungsmittel wurde erst in neuerer Zeit erkannt.
Letzte Änderung: 16.01.2010 / © W. Arnold

 

 
Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004.
A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2.
Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.
M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002.
H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9.
Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988.


PLANZENHEILMITTEL MIT WIRKUNG AUF DAS SEELENLEBEN
PhytoDoc - Baldrian (PDF, 469 KB)
Baldrian als pflanzliches Sedativum; pharmaJournal 19 | 9.2009 (PDF, 106 KB)


Valeriana officinalis - Baldrian
Valeriana officinalis - Baldrian
Valeriana officinalis - Baldrian
Valeriana officinalis - Baldrian


  Ordnung
Familie
Gattung
Art
Dipsacales
Valerianaceae
Valeriana
Echter Baldrian
  Wiss. Bez. Valeriana officinalis


Valepotriate weisen möglicherweise mutagene Eigenschaften auf; wässrige Drogenauszüge enthalten keine Valepotriate und sind deshalb vorzuziehen.
Weitere Baldrianarten mit beruhi­gender Eigenschaft sind unter anderem V. edulis (= V. mexicana), V. fauriei und V. jatamansi (= V. wallichii).
Gegenanzeigen, Wechselwirkungen und Nebenwirkungen sind keine bekannt.


Die aus meinen Fotos entstandene Briefmarke der Schweizer Post (2003)

Briefmarke Baldrian