HEILPFLANZEN

Huflattich - Tussilago farfara

Huflattich (syn. Ackerlattich, Brandlattich, Brustlattich, Eschhuflattich, Tabakkraut).
Huflattich
Huflattich
Huflattich Blätter
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VORKOMMEN

Der Huflattich ist in Europa, Afrika und in West- und Ost-Asien heimisch. In Nordamerika gilt er als invasive Pflanze. Er besiedelt gerne trocken-warme Standorte auf durchlässigen Böden. Daher ist der Huflattich oft auf Dämmen, in Steinbrüchen und an unbefestigten Wegen zu finden. Im Gebirge ist er bis in Höhenlagen von etwa 2300 Meter anzutreffen. Des Weiteren gilt er als Zeigerpflanze für staunasse Bereiche.
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MERKMALE

Huflattich ist zur Blütezeit 5–15 cm, später bis 30 cm hoch, es wird nur ein Blütenkopf gebildet. Der Stängel ist oft bräunlichen Blattschuppen besetzt. Die grundständigen Blätter erscheinen nach der Blüte. Sie sind herzförmig, lang gestielt und die Spreite ist bis über 20 cm lang. Die Blätter sind flachbuchtig gezähnt, jung beidseits graufilzig und später ist die Oberseite verkahlend. Die Zungen- und Röhrenblüten sind gelb. Die Früchte sind 3-5 mm lang, zylindrisch und mit ca. 10 mm langem, weissborstigem Pappus.
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DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Farfarae folium (syn. Folia Farfarae, Folium Tussilaginis, Tussilaginis folium); Huflattichblätter.

Es besteht eine Negativmonographie der Kommission E am BGA für Huflattichblüten. In derselben Monographie sind auch Huflattichwurzel und Huflattichkraut erwähnt, die ebenfalls aufgrund der toxischen Pyrrolizidinalkaloide und der fehlenden Wirksamkeit negativ beurteilt werden.
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WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

TussilagonBis zu 10 % Polysacharide davon etwa 30 % Inulin.
Pyrrolizidinalkaloide: Nur in einzelnen Provenienzen bis zu 0,01 % Senkirkin, das untoxische Tussilagin und in einigen Drogen Spuren von Senecionin.
Ferner Flavonoide, Sterole wie Campesterol und β-Sitosterol, Triterpene, wenig Bitterstoffe, Gerbstoffe (etwa 5 %) und geringe Mengen ätherisches Öl (ca. 0,05 %).
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PHARMAKOLOGIE

SenkirinDas Bundesinstitut für Risikobewertung fordert aufgrund der extremen Giftigkeit eine Nulltoleranz für Pyrrolizidinalkaloide. Bis heute gibt es bei Lebensmitteln weder Regelungen bezüglich Höchstmengen noch Kontrollen. Jedoch wurde für phytopharmazeutische Produkte vom Bundesgesundheitsamt die Einnahme auf 1 µg/Tag bei Anwendung von bis zu sechs Wochen beziehungsweise 0,1 µg/Tag bei Anwendung über sechs Wochen begrenzt.
Toxisch wirken dabei nicht die Pyrrolizidinalkaloide selbst, sondern die Abbauprodukte der vor allem in der Leber abgebauten Verbindungen, die hepatotoxisch sind und in hoher Dosierung zu tödlichen Leberfunktionsstörungen führen, unter anderem Lebervenenverschluss. Das Krankheitsbild der PA-Vergiftung ist in der Veterinärmedizin als Seneziose oder „Schweinsberger Krankheit“ bekannt und wird meist durch Greiskrautbestand auf Weiden verursacht.

Die Alkaloide werden enzymatisch zu Halbaminalen oxidiert, welche sich dann durch spontane Dehydratisierung in Dehydropyrrolizidine umwandeln. Diese Verbindungen sind instabil und reagieren, indem ihre jeweiligen Carbonsäureesterfunktionen als Nukleofug abgespalten werden, leicht mit Nukleophilen. Auf diese Weise bilden Dehydropyrrolizidine im Organismus schädliche Addukte mit Zellproteinen und mit der DNS. In wässrigem Medium haben die Dehydropyrrolizidine eine Halbwertszeit von 0,3 bis 5 Sekunden.
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ANWENDUNG

Anerkannte Anwendung nach Kommission E: Akute Katarrhe der Luftwege mit Husten und Heiserkeit; akute, leichte Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut.
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ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG (Kommission E)

Tagesdosis: 4,5 bis 6 g Droge, Zubereitungen entsprechend.
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Die Tagesdosis von Huflattichtee (Droge) und von Teemischungen darf nicht mehr als 10 µg, die Tagesdosis von Extrakten und Frischpflanzenpresssaft nicht mehr als 1 µg Pyrrolizidinalkaloide mit 1,2 ungesättigtem Necingerüst einschliesslich ihrer N-Oxide enthalten.
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Art der Anwendung: Zerkleinerte Droge für Aufgüsse, Frischpflanzenpresssaft oder andere galenische Zubereitungen zum Einnehmen.
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Dauer der Anwendung Nicht länger als 4 bis 6 Wochen pro Jahr.
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Die Droge ist durch andere Schleimstoffdrogen (Eibisch, Spitzwegerich, Lindenblüten, Isländisches Moos, Malve, Bockshornklee) gut ersetzbar.
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HOMÖOPATHIE

Tussilago farfara (syn. Farfara) HAB 34; die frischen Blätter.
Anwendungsgebiete: Altershusten.
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SONSTIGES

HuflattichDer Huflattich gehört zu den ältesten Hustenmitteln. Schon Dioskurides, Plinius und Galenos empfehlen den Rauch der angezündeten Blätter gegen Husten. Auch Hildegard von Bingen weist auf die Heilkraft des Huflattichs bei Erkrankung der Atmungsorgane hin.
Letzte Änderung: 22.02.2016 / © W. Arnold
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Spacer Spacer Heilpflanzen Spacer Spacer Spacer Spacer
 
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Spacer Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Spacer M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002.
Spacer Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.
Spacer Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
Spacer L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988.
Spacer M. Pahlow: Das grosse Buch der Heilpflanzen; Nikol Verlag, 2013.


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Spacer Wikipedia


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Tussilago farfara - Huflattich


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  Ordnung
Familie
Gattung
Asterales
Asteraceae
Tussilago
  Wiss. Bez. Tussilago farfara


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Spacer Einige Experten stehen auf dem Standpunkt, dass Pyrro­lizidin­alka­loide (PAs) vollständig vermieden werden sollten, währende andere sehr niedrige Mengen für harmlos halten; vorausgesetzt, dass die tägliche Aufnahme unter 1 µg Alka­loid liegt und die Anwen­dungs­dauer pro Jahr insgesamt 6 Wochen nicht über­steigt.


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Spacer Das Rauchen von nicotinfreien Ziga­retten, die statt Tabak Huflattich­blät­ter enthalten, soll bei der Raucher­ent­wöhn­ung hilfreich sein.


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Spacer siehe PHARMAKOLOGIE.


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Spacer Kommission E:
- positive Bewertung (nur Huflattichblätter)