HEILPFLANZEN
Tussilago farfara - Huflattich
Huflattich (syn. Ackerlattich, Brandlattich, Brustlattich, Eschhuflattich, Feldlattich, Hitzeblätter, Lehmblätter, Märzblume, Ohmblätter, Pferdefuss, Sandblume, Tabakkraut).
Tussilago farfara - Huflattich
Tussilago farfara - Huflattich
VORKOMMEN
Der Huflattich ist in Europa, Afrika und in West- und Ost-Asien heimisch. In Nordamerika gilt er als eingebürgert (invasive Pflanze). Er besiedelt trocken-warme Standorte auf durch­lässigen Böden. Daher ist der Huflattich oft auf Dämmen, in Steinbrüchen und an unbefestigten Wegen zu finden. Im Gebirge ist er bis in Höhenlagen von etwa 2300 Meter anzutreffen.
MERKMALE
Kleine mehrjährige Pflanze mit typisch hufeisenförmigen Blättern (oben grün, unterseits silbrig behaart) und strahlend goldgelben Blütenköpfen. Diese erscheinen im zeitigen Frühjahr, noch vor den Blättern.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
1. Farfarae flos (syn. Flores Farfarae, Flores Tussilaginis, Flos Farfarae); Huflattichblüten, die getrockneten Blütenstände.

2. Farfarae folium (syn. Folia Farfarae, Folium Tussilaginis, Tussilaginis folium); Huflattichblätter (syn. Brämleblätter, Heilblätter), die getrockneten Laubblätter.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Huflattich enthält in allen Pflanzenteilen stark wechselnde Mengen toxischer Pyrro­li­zi­din­alkaloide;

Tussilagon1. Farfarae flos
: Schleimstoffe (ca. 7 %), die bei der Hydrolyse Arabinose (24 %), Galactose (30 %), Glucose (37 %), Uronsäuren (4 %) und Xylose (9 %) ergeben. Ausserdem Pyrroli­zidin­alka­loide, deren Gehalt stark von der Provenienz abhängt, ferner Terpene, unter anderem Tussilagon; Sterole, u.a. β-Sitosterol und Taraxasterol; Triterpene, u.a. β-Amyrin; Flavonoide, u.a. Kämpferol und Quercetin sowie deren Glykoside, Phenolcarbonsäuren, u.a. Kaffeesäure, Ferulasäure und p-Hydroxy­benzo­esäure.

Senkirin2. Farfarae folium: Polysaccharide (ca. 8,2 %), davon Inulin (etwa 30 %) und saure Schleimpolysaccharide (ca. 70 %), im wesentlichen Arabinose (21 %), Galactose (24 %), Glucose (15 %), Uronsäuren (6 %) und Xylose (10 %). Pyrolizidinalkaloide, unter anderem Senkirkin (bis zu 0,01 %) und das untoxische Tussilagin. Ferner Flavonoide, Sterole, u.a. Campesterol und β-Sitosterol, Triterpene, Bitterstoffe (0,05 %) Gerbstoffe und geringe Mengen äther. Öl (ca. 0,05 %).
PHARMAKOLOGIE
Die Schleimstoffe bilden eine Schutzschicht über der entzündeten Schleimhaut von Mund und Rachen und lindern dadurch den Hustenreiz. In Tierversuchen wurde gezeigt, dass Tussilagon als Atemstimulans wirkt.
ANWENDUNG
1. Farfarae flos: Volkstümlich als bewährtes Hustenmittel. Ähnliche Anwendung wie Far­farae folium.

2. Farfarae folium: Katarrhe der Atemwege, trockener Reizhusten, entzündliche Prozesse im Mund- und Rachenraum. Auf Grund der in Spuren vorhandenen Pyrrolizidinalkaloide bestehen Anwendungsbeschränkungen. Die Tagesdosis (TD), die 4,5-6 g Droge beträgt, darf nicht mehr als 10 mg Pyrrolizidinalkaloide mit 1,2-ungesättigtem Necingerüst, ein­schliess­lich ihrer Oxide enthalten. Für Extrakte und Frischpflanzenpresssäfte liegt die TD bei 1 mg. Ausserdem darf die Anwendung, z.B. eines Tees, nicht länger als 4 bis 6 Wo­chen im Jahr betragen.

Auf Grund der toxischen Eigenschaften der Pyrrolizidinalkaloide ist die uneinge­schränk­te Nutzung der Droge nicht mehr vertretbar.
HOMÖOPATHIE
Tussilago farfara (syn. Farfara) HAB 34; die frischen Blätter.

Anwendungsgebiet: Altershusten.
SONSTIGES
Huflattich gehört seit altersher zu den gebräuchlichsten Drogen, die als Hustentees ver­wen­det wurden, worauf auch der Name Tussilago (lat. tussis = Husten) hinweist. Die Kräu­terbücher des 16. und 17. Jh. empfahlen die Droge gegen Engbrüstigkeit, Asthma, Husten und Schwindsucht.
Letzte Änderung: 10.01..2011 / © W. Arnold
 
Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004.
A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2.
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Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988.


Wikipedia


Tussilago farfara - Huflattich


  Ordnung
Familie
Gattung
Asterales
Asteraceae
Tussilago
  Wiss. Bez. Tussilago farfara


Einige Experten stehen auf dem Standpunkt, dass Pyrro­lizidin­alka­loide (PAs) vollständig vermieden werden sollten, währende andere sehr niedrige Mengen für harmlos halten; vorausgesetzt, dass die tägliche Aufnahme unter 1 µg Alka­loid liegt und die Anwen­dungs­dauer pro Jahr insgesamt  6 Wochen nicht über­steigt.


Das Rauchen von nicotinfreien Ziga­retten, die statt Tabak Huflattich­blät­ter enthalten, soll bei der Raucher­ent­wöhn­ung hilfreich sein.


PAs können kanzerogen sein; Huf­lat­tichmaterial mit viel PA darf nicht ver­wendet werden (insbe­sondere wäh­rend der Schwanger­schaft). Die Arz­neidroge ist durch andere pflanz­liche Mittel gut ersetzbar.


Traditionelle Medizin
Kommission E: negative Bewertung