HEILPFLANZEN
Silybum marianum - Mariendistel
Silybum marianum (syn. Carduus marianus, Carthamus maculatus, Cirsium maculatum, Mariana mariana, Silybum maculatum);

Mariendistel (syn. Frauendistel, Silberdistel).
Silybum marianum - Mariendistel
Silybum marianum - Mariendistel
VORKOMMEN
Südeuropa, Vorderasien, Nordafrika, Kanaren, Amerika; in Deutschland, Österreich, Ungarn und Osteuropa kultiviert.  Die Mariendistel ist eine dekorative Gartenpflanze,
MERKMALE
Zweijährige, 60-150 cm hohe Pflanze mit dunkelgrünen, hell marmorierten Blättern mit dornigem Rand, purpurvioletten Röhrenblüten in einem grossen Blütenkopf und braunschwarzen, etwa 6 mm langen Früchten.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
1. Cardui mariae fructus - (syn. Silybi marianae fructus, Fructus Cardui mariae, Semen Cardui mariae); Mariendistelfrüchte (syn. Marienkörner, Stechkörner, Frauendistelfrüchte, Magendistelsamen, Stichsaat, Stichsamen);

2. Cardui mariae herba - (syn. Herba Cardui mariae); Mariendistelkraut, das während der Blütezeit gesammelte, getrocknete Kraut.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Silydianin1. Cardui mariae fructus - Flavonolignane (1,5-3 %) als Silymarin = Isomeren-Gemisch aus Silybin, Silychristin und Silydianin; Flavonoide, unter anderem Apigenin, Chrysoeriol, Quercetin; fettes Öl, Triterpene, Proteine.

2. Cardui mariae herba - Flavonoide, vor allem Apigenin und seine Glykoside; Phytosterole und Triterpene, Polyine, Fumarsäure.
Silybin
PHARMAKOLOGIE
Silymarin zeigt leberschützende Wirkung; es verhindert, dass Toxine in die Leberzellen eindringen, und stimuliert ferner die Regeneration und Bildung neuer Leberzellen. Silymarin verbessert die Überlebenszeit von Patienten mit chronischen (z. B. Alkohol­miss­brauch) Lebererkrankungen signifikant. Die Zahl der tödlichen Amanitavetgiftungen wurde durch die Infusionstherapie mit Silybinin gesenkt, denn es reaktiviert die Protein­synthese in der Leber, die normalerweiser durch Amanitin und andere Pilztoxine block­iert wird. Die Wirksamkeit von Silymarin bei toxischen Leberschäden und Leberzirrhose wurde in kontrollierten klinischen Studien nachgewiesen.
ANWENDUNG
1. Cardui mariae fructus - bei Verdauungsbeschwerden und funktionellen Störungen des ableitenden Gallensystems; bei toxischen Leberschäden zur unterstützenden Behandl­ung von entzündlichen Erkrankungen sowie bei Leberzirrhose. In der Volksheilkunde wird die Droge auch bei Kreislauferkrankungen, Hypertonie und gastrointestinalen Be­schwerden eingesetzt.

2. Cardui mariae herba - in der Volksheilkunde bei Verdauungsbeschwerden, früher auch bei Malaria und Frauenleiden.
HOMÖOPATHIE
1. Silybum marianum HAB 1; Mariendistel, die reifen, getrockneten, vom Pappus befreiten Früchte.
Anwendungsgebiet: Erkrankungen der Leber, Galle, Bauchspeicheldrüse und des venösen Gefässsystems.

2. Silybum marianum, äthanol. Decoctum HAB 1, die reifen, getrockneten, vom Pappus befreiten Früchte.
SONSTIGES
Die ursprüngliche Bezeichnung für die Pflanze war nach Linné Carduus marianus. Erst später wurde sie in eine neue Gattung, nämlich Silybum, überführt, die sich etymolo­gisch vom griechischen sílibon (Quaste) ableitet und deren einzige Species sie darstellt. Diese weicht somit von der historischen Bezeichnung ab. Die heutige Verwendung der Droge und seiner zahlreichen Arzneifertigpräparate in der Therapie von Lebererkran­kungen geht zurück auf die Empfehlungen des Arztes Johann Gottfried Rademacher (1772-1850), einem Zeitgenossen von Samuel Hahnemann. Die lange Zeit in Verges­senheit geratene Droge fand inzwischen durch umfangreiche analytische und klinische Studien ihre wissenschaftliche Bestätigung.
Letzte Änderung: 16.02.2009 / © W. Arnold

 

 
Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004.
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H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9.
Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988.


Wikipedia
Mariendistel und Silymarin
(PDF, 570 KB)


Silybum marianum - Mariendistel
Silybum marianum - Mariendistel


  Ordnung
Familie
Unterfamilie
Gattung
Art
Asterales
Asteraceae
Carduoideae
Silybum
Mariendistel
  Wiss. Bez. Silybum marianum


Die Mariendistell wird als Leber­thera­peutikum in Form von standar­disierten Zubereitungen ange­wendet.


Lebensrettend kann Silymarin wirken bei Knollenblätterpilzvergiftungen. Diese werden hervorgerufen durch die Gifte Phalloidin und α-Amanitin-, die in den Leberzellen die Neusyn­these von Proteinen unterbinden.