| HEILPFLANZEN |
Scopolia carniolica - Glockenbilsenkraut |
| Glockenbilsenkraut (syn. Skopoliakraut, Krainer Tollkraut) |
Scopolia carniolica var. concolor |
| Das Krainer Tollkraut (Glockenbilsenkraut) kommt in Südost-Europa in Laubwäldern, Gebüschen und Staudenfluren vor, auch in Gebirgslagen. Das Glockenbilsenkraut ist eine schöne, wenn auch giftige, Gartenpflanze. |
| Das Glockenbilsenkraut ist eine ausdauernde Pflanze, die Wuchshöhen von 20 bis 60 Zentimeter erreicht. Die Pflanze ist kahl. Die Blätter sind gezähnt oder ungezähnt. Die Krone ist 2 bis 3 Zentimeter lang, hat einen Durchmesser von 1 bis 1,5 Zentimeter und ist mehr als doppelt so lang wie der Kelch. Aussen ist sie dunkel braunviolett bis rötlichviolett gefärbt, innen gelblich bis braungrün. Die Kronzipfel sind kurz und wenig auffällig. Die Kapsel ist eiförmig und liegt dicht am Fruchtknoten an. Blütezeit ist von April bis Mai. |
| DROGEN (verwendete Pflanzenteile) |
Scopoliae carniolicae folium (syn. Folia Scopoliae carniolicae); Scopoliablätter.

Scopoliae radix (syn. Radix Scopoliae, Radix Scopoliae carniolicae, Rhizoma Scopoliae, Rhizoma Scopoliae carniolicae); Glockenbilsenkrautwurzel. |
| WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE |
Scopoliae carniolicae folium - Alkaloide (0,2-0,4 %), wie Scopolamin (bis zu 66% Anteil), Hyoscyamin, Atropin.

Scopoliae radix - Alkaloide (0,3-0,8 %), wie Hyoscyamin (ca. 0,4 %), Atropin (ca. 0,03 %), ferner Scopolamin, Atroscin, Cuskhygrin, Scopin und Tropin. Ferner das Cumarinderivat Scopolin, und dessen Aglykon Scopoletin (Methylaesculetin), Chlorogensäure, Aminosäuren, vor allem Arginin und Phenylalanin als Vorläufer der Tropanalkaloide. Der höchste Alkaloidgehalt ist Ende Juli.


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Scopoliae carniolicae folium - zur Spasmolyse im Gastrointestinaltrakt, der Gallenwege, der Harnblase und der Bronchiolen.

Scopoliae radix - zur Spasmolyse im Gastrointestinaltrakt, der Gallenwege, der Harnblase und der Bronchiolen ähnlich wie Atropa belladonna. In der Volksheilkunde auch bei Rheuma und Gicht, Koliken, Zahnschmerzen sowie als Aphrodisiakum und als Abtreibungsmittel verwendet. |
| Tropanalkaloide aus Skopoliawurzel besitzen parasympatholytische Eigenschaften und führen zu einer Erschlaffung der glatten Muskulatur. Deshalb werden die Alkaloide bei der Behandlung von Bauchkrämpfen verwendet. |
| ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG |
| Die Dosierung muss sorgfältig kontrolliert werden; die Tagesdosis darf 3 mg Gesamtalkaloid nicht überschreiten. Die durchschnittliche Einzeldosis beträgt 0,25 mg Alkaloide, die maximale Dosis 1 mg. |
| Scopolia carniolica (syn. Hyoscyamus Scopolia) HAB 34, das frische, blühende Kraut. Anwendungsgebiet: Geisteskrankheiten. |
| Die Gattung wurde nach dem Naturkundler Antonio Scopoli (1723-1788) benannt, der als erster die Flora Sloweniens studiert und beschrieben hat. Im Mittelalter wurde die Droge in dieser Region zur Bereitung von Hexensalben, als Rauschmittel und Aphrodisiakum eingesetzt. In Ostpreussen, Litauen und auf dem Balkan wurde das Tollkraut wie die Alraune (Mandragora officinarum) gesammelt und für magische Zwecke genutzt. |
| Letzte Änderung: 06.01.2012 / © W. Arnold |
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Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004. |
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Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg. |
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M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002. |
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Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008. |
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Wikipedia; Freie Enzyklopädie. |
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L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988. |
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Ordnung
Familie
Gattung |
Solanales
Solanaceae
Scopolia
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Wiss. Bez. |
Scopolia carniolica |
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Das Krainer Tollkraut wird zerstreut als Zierpflanze in Staudenbeeten genutzt. Es ist spätestens seit dem 18. Jahrhundert in Kultur. |
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Auch die in Südeuropa und im Mittelmeergebiet heimische Alraune (Mandragora officinarum) enthält sehr viel Tropanalkaloide; sie spielte in der Medizin und Mythologie von Antike und Mittelalter eine wichtige Rolle. Heutzutage werden Tropanalkaloide zu kommerziellen Zwecken vorwiegend aus den Blättern der beiden australischen Baumarten Duboisia myoporoides und D. leichardtii (Solanaceae) gewonnen. |
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Hohe Dosen sind giftig und führen zu Nebenwirkungen (erhöhte Körpertemperatur, beschleunigte Herztätigkeit, Halluzinationen); Scopolia darf deshalb nur unter ärztlicher Aufsicht eingesetzt werden. |
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