| HEILPFLANZEN |
Salix alba - Silberweide
Salix caprea - Salweide
Salix purpurea - Purpurweide
|
| Es gibt etwa 300 bekannte Weidenarten - am bekanntesten wohl Salix alba, die Silber-Weide, Salix caprea, die Salweide, Salix purpurea, die Purpurweide, Salix fragilis, die Bruch-Weide und Salix viminalis, die Korb-Weide. |
| Salix purpurea - Purpurweide |
| Die Silberweide und die Bruch-Weide ist in Europa un Asien verbreitet. Die Purpurweide kommt in Europa,Nordafrika bis Asien vor; Rinde wird vorwiegend in Ost- und Südosteuropa geerntet. |
| Die Silberweide ist ein bis zu 20 m hoher Laubbaum mit aufrechten Asten, lanzettlichen silbrigen Blättern und aufrechten Kätzchen - auf den männlichen Bäumen mit hervorstehenden gelben Staubblättern, auf den weiblichen Bäumen mit grünen Griffeln. Weltweit werden verschiedene Salix-Arten medizinisch genutzt, doch für die kommerzielle Produktion von Weidenrinde werden heutzutage salicinreiche Arten wie die Purpurweide (S. purpurea) und die Bruchweide (S. fragilis) empfohlen. |
| DROGEN (verwendete Pflanzenteile) |
| Salicis cortex (syn. Cortex Salicis, Salix-purpurea-Rinde); Weidenrinde, die im Frühjahr gesammelte, ganze, geschnittene oder gepulverte, getrocknete Rinde junger Zweige. |
| WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE |
Die Hauptwirkstoffe sind Phenolglykoside, wie Salicylate (Salicortin, Salicin, Tremulacin), Syringin und Triandrin; ferner Phenolcarbonsäuren und oligomere Proanthocyanidine (1%). Salicortin wird zu Salicin hydrolysiert (entweder in der Pflanze oder nach dem Verzehr) und das Salicin wird seinerseits (durch Hydrolyse im Darm) zu Saligenin (= Salicylalkohol) umgewandelt. Saligenin geht in den Blutstrom über und wird in der Leber zu Salicylsäure, dem Hauptwirkstoff, oxidiert. Die acetylierte Form der Salicylsäure ist das bekannte Schmerzmittel Aspirin®. Freie Salicylsäure ist bisher in Weiden, obwohl in der Literatur zur Geschichte von Aspirin® und phytotherapeutischen Übersichtsartikeln immer wieder angeführt, analytisch nie nachgewiesen worden.
|
 |
| Salicylsäure hemmt die Cyclooxygenase, das Schlüsselenzym der Prostaglandinbiosynthese. Da Prostaglandine Schmerzen und Entzündung fördern, erscheinen die beobachteten entzündungshemmenden, antirheumatischen und schmerzstillenden Effekte plausibel. Erste kontrollierte klinische Studien belegen die Wirksamkeit der Droge. Im Gegensatz zu Acetylsalicylsäure reizt Salicin den Magen nicht bzw. weniger. |
| Fieberhafte Erkrankungen, rheumatische Beschwerden, Kopfschmerzen. Bestandteil verschiedener Grippe- und Rheumatees sowie entsprechender Fertigarzneimittel. Traditionell bei Neuralgien, auch inneren Blutungen; in der Volksheilkunde auch bei Zahnschmerzen, Gicht, Magen-Darm-Beschwerden, Blutungen, Neuralgien, Fussschweiss und zur Wundbehandlung. |
| ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG |
| Tee: 2-3 g geschnittene oder pulverisierte Rinde pro Tasse kaltes Wasser, zum Kochen bringen. Eine Tasse drei- bis viermal täglich. Weidenrindenextrakte sind Bestandteil vonzahlreichen Fertigarzneimitteln der Phytotherapie (Schmerz-, Rheuma-, Beruhigungs- und Magenmittel). |
Salix purpurea HAB 34; die frisch von den Ästen geschälte Rinde.
Anwendungsgebiet: Verdauungsstörungen, Schwindel. |
| Weidenrinde fand bereits bei Dioskurides als Droge Erwähnung und die Kräuterbücher der 16. und 17. Jh. empfehlen sie als Fiebermittel sowie unter anderem für Fussbäder. Sie wurde schliesslich als Europäische Fieberrinde bezeichnet und galt als Ersatz für die aus Übersee eingeführte Chinarinde (Cinchona-Arten). Der Gattungsname Salix entspricht dem Namen der Weide bei den Römern. Das deutsche Wort Weide leitet sich vom althochdeutschen wida bzw. mittelhochdeutschen wide ab. Es ist zudem urverwandt mit dem griechischen itea (Weide) und dem lateinischen vitis (Rebe, Ranke) bzw. vimen (Rute, Weidengerte). Die Anwendung der Weide als Heilpflanze geht bis ins Altertum zurück. So berichtet beispielsweise Dioskurides über die guten adstringierenden Eigenschaften der Früchte, Blätter, Rinde und des Saftes der Weide. |
| Letzte Änderung: 15.03.2011 / © W. Arnold |
|
|
 |
 |
Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004. |
 |
A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2. |
 |
Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg. |
 |
M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002. |
 |
H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9. |
 |
Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008. |
 |
Wikipedia; Freie Enzyklopädie. |
 |
L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988. |
 |
| |
Ordnung
Familie
Gattung |
Malpighiales
Salicaceae
Weiden
|
| |
Wiss. Bez. |
Salix |
 |
 |
Salizin ist eine glukosidierte Substanz und entsprechend wasserlöslich. Lokal hohe Konzentrationen sind nicht zu erwarten. Zudem fehlt die aggressive Säuregruppe. Es sind deshalb keine dadurch bedingten lokalen Magenschleimhautläsionen zu erwarten. |
 |
 |
Aktuelle Untersuchungen legen nahe, dass die schmerzhemmende Wirkung nicht alleine auf dem Gehalt an Salicin beruht, sondern man vermutet, dass auch andere Inhaltstoffe an der Gesamtwirkung beteiligt sind. |
 |
 |
Weidenrinde soll nicht anwendet werden bei Überempfindlichkeit gegenüber Salicylaten oder anderen entzündungshemmenden Schmerzmitteln. |
 |
 |
Komm.E: positive Bewertung |
 |
klinische Studien: positiv |
|