HEILPFLANZEN

Ruta graveolens - Weinraute

Ruta graveolens (syn. Ruta hortensis)
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Weinraute (syn. Edelraute, Gartenraute, Kreuzraute, Totenkräutel, Weinkraut)
Ruta graveolens - Weinraute
Ruta graveolens - Weinraute
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VORKOMMEN

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Weinraute ist Südeuropa, der östliche Mittelmeerraum, die Balkanhalbinsel und die Krim. In Mitteleuropa ist sie meist nur unbeständig verwildert im Weinbaugebiet; im südlichen Schwäbischen Jura ist sie örtlich wohl eingebürgert; am Alpenfuss ist sie beständig eingebürgert, und sie war dort wohl auch ursprünglich vorhanden.
Die Weinraute ist eine anspruchlose, dekorative Gartenpflanze.
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MERKMALE

30–50 cm hoch, unten holzig und meist verzweigt, blaugrün, kahl, stark aromatisch. Blätter 2–3fach fiederschnittig, Zipfel spatelförmig, stumpf oder mit kleinem Spitzchen, durchscheinend punktiert (Ölzellen). Blütenstand eine Doldenrispe. Blüten strahlig-symmetrisch, die endständigen 5-, die seitenständigen 4zählig. Kronblätter grünlich-gelb, löffelartig, etwas gezähnt, 7–10 mm lang. Blütenachse ein ringförmiges Polster bildend. Frucht eine 4- oder 5fächerige Kapsel.
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DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Rutae aetheroleum (syn. Oleum Rutae); Rautenöl, das durch Wasserdampfdestillation aus den oberirdischen Teilen gewonnene Öl.
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Rutae herba (Folia Rutae, Herba Rutae, Herba Rutae vulgaris);
Rautenkraut (syn. Edelrautenblätter, Gartenrautenblätter, Rautenblätter, Weinrauten­kraut), die während der Blüte gesammelten krautigen Teile.
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WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

DictaminWeinrautenblätter enthalten ein ätherisches Öl mit dem Hauptbestandteil 2-Undecanon (Methylnonylketon), einem aliphatischen Keton, das den Geruch dominiert und deshalb auch Rautenketon genannt wird. Nebenbestandteile sind 2-Nonanon und verschiedene Ester (2-Nonylacetat, 2-Undecylacetat, auch Propionate und Isobutyrate).

An der Blattoberfläche lagert die Weinraute verschiedene Furanocumarine vom Psoralentyp ab, die je nach Art und Dosis photosensibilisierende PsoralenEigenschaften besitzen. Diese können in Zusammenhang mit Sonnenlicht (UVA-Strahlung) nach Berührung zu einer Photodermatitis führen, die sich durch Rötung der Haut und Bläschenbildung mit anschliessender bräunlicher Pigmentierung äussert. Typische Furocumarine der Ruta graveolens sind Bergapten, Isoimperatorin, Psoralen und Xanthotoxin.

Weiter enthält die Weinraute Alkaloide verschiedener Typen, beispielsweise Chinolinalkaloide (Chinolin-Typ: Graveolinin, Graveolin; Furochinolin-Typ: Skimmianin, Dictamnin, γ-Fagarin; Acridon-Typ: Arborinin; Dihydrofuroacridin-Typ: Rutacridon) und Chinazolin-Alkaloide (Arborin).
Die Alkaloide werden vorwiegend in der Wurzel, aber auch in den Blättern gespeichert. Einigen dieser Stoffklassen wurde beträchtliche Giftwirkung nachgewiesen; so sind die Acridon-Alkaloide mutagen.
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PHARMAKOLOGIE

In der heutigen Pflanzenheilkunde findet die Weinraute keine Verwendung mehr. Die Pflanze ist phototoxisch, das heisst, sie kann Hautreizungen bei gleichzeitiger Berührung und Sonneneinstrahlung hervorrufen. Sie sollte ausserdem nicht von schwangeren Frauen verwendet werden, da sie zu Fehlgeburten führen kann.
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ANWENDUNG

Die Weinraute war im Altertum als auch im Mittelalter eine hochgeschätzte Heilpflanze. Sie sollte bei Augenleiden helfen, ebenso bei Ohrenschmerzen und bei Wurmbefall. Sie stand ausserdem in dem Ruf, ein wirksames Gegenmittel gegen Gift zu sein. Ihren Ruf als hervorragendes Heilmittel erlangte die Raute im 17. Jahrhundert zur Zeit der grossen Pestepidemien. Sie war in dem berühmten Essig der vier Räuber enthalten, mit dem sich vier französische Diebe eingerieben hatten, bevor sie in Toulouse die Häuser von Pestkranken ausraubten, ohne sich anzustecken. Dieser Essig enthielt auch Salbei, Thymian, Lavendel, Rosmarin und Knoblauch – die Wirkung beruhte daher wohl nicht auf dem starken Rautengeruch, wie man damals annahm, sondern auf der keimtötenden Wirkung der anderen Pflanzenarten.

Bekannt ist die Weinraute auch wegen ihrer abortiven Wirkung. In einigen Regionen Frankreichs trägt sie deshalb auch den Namen „herbe à la belle fille“ – Kraut der schönen Mädchen. Angeblich mussten im Botanischen Garten von Paris vor Jahrzehnten die Rautenpflanzen mit einem Gitter umgeben werden, weil junge Mädchen die Bestände plünderten.
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HOMÖOPATHIE

Ruta graveolens HAB 1; Gartenraute, die frischen, zu Beginn der Blüte gesammelten, oberirdischen Pflanzenteile.
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Anwendungsgebiet: Quetschungen, Prellungen, körperliche Überanstrengung, Krampf­aderleiden, Rheumatismus vor allem der Wirbelsäule.
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WEINRAUTE IM GARTEN

Die Weinraute liebt magere Böden mit etwas Kalk und Steinen. Staunässe verträgt die Pflanze nicht. Weinraute kann gut im Steingarten angepflanzt werden, in Kombination mit z.B. Lavendel, Küchenschelle und Adonisröschen. Die Staude ist nicht ganz winter­hart, sie muss also im Winter etwas geschützt werden. Die Weinraute lässt sich gut durch Teilung älterer Wurzelstöcke im Frühjahr vermehren. Die mehrjährige Pflanze ist ansonsten robust und braucht wenig Pflege.
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SONSTIGES

Als Universalheilmittel sagte man der Weinraute nach, gegen alle Gifte, gegen Geister und Teufel und vor dem Bösen Blick zu schützen. Damit sich die Pflanze gut entwickelte und heilkräftig sei, sollte der Samen unter Flüchen und Verwünschungen ausgestreut werden; Jungpflänzchen hingegen hatte man zu stehlen.

In Italien wehrte das einfache Volk mit Rautenzweigen den bösen Blick ab. Auch tauchte man sie in Weihwasser und besprengte damit Schlafzimmer, in denen böse Geister die Liebesbeziehungen eines Ehepaares gestört hatten. Der Weinraute schrieb man auch zu, dass sie helfe, die Keuschheit zu bewahren oder sie zu schützen.

Im Schweizer Simmental wurde Weinraute gemeinsam mit Birnbrot oder Hutzelbrot, Salz und Eichenkohlen in ein Tuch gepackt, alles in ein Loch in der Türschwelle gelegt und dieses Loch mit einem Rechenzahn verstopft. Mit dieser Abfütterung versöhnte man alle Geister und Hexen, die als Gewürm im Schwellenholz hausen mussten.
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Letzte Änderung: 06.04.2015 / © W. Arnold
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Spacer Spacer Heilpflanzen Spacer Spacer Spacer Spacer
 
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Spacer Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Spacer M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002.
Spacer Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.
Spacer Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
Spacer L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988.
Spacer M. Pahlow: Das grosse Buch der Heilpflanzen; Nikol Verlag, 2013.

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Spacer Wikipedia
Spacer S. Schober und B. Neundörfer: Klinische Studien zur sympto­ma­tischen Wirksamkeit und Verträglich­keit eines Teeauszuges aus Ruta graveolens bei Multipler Sklerose: Abschlussbericht (PDF, 467 KB)

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Ruta graveolens - Weinraute
Ruta graveolens - Weinraute

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  Ordnung
Familie
Gattung
Sapindales
Rutaceae
Ruta
  Wiss. Bez. Ruta graveolens

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Spacer Aufgrund der ätherischen Öle findet die Weinraute in der Parfümindustrie Verwendung.

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Spacer Als Universalheilmittel sagte man der Weinraute nach, gegen alle Gifte, gegen Geister und Teufel und vor dem Bösen Blick zu schützen.

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Spacer Die Pflanze ist phototoxisch,

Status
Spacer Kommission E:
negative Bewertung