HEILPFLANZEN
Ruta graveolens - Weinraute
Ruta graveolens (syn. Ruta hortensis)

Weinraute (syn. Edelraute, Gartenraute, Kreuzraute, Totenkräutel, Weinkraut)
Ruta graveolens - Weinraute
Ruta graveolens - Weinraute
Ruta graveolens - Weinraute
VORKOMMEN
Die Weinraute ist in Südeuropa heimisch und wächst im Mittelmeergebiet und auf der Balkanhalbinsel bis zur Krim wild. Anspruchlose, dekorative Gartenpflanze.
MERKMALE
Die Weinraute ist ein Halbstrauch mit verholzenden unteren Zweigen, der Wuchshöhen von bis zu 1 m erreicht. Die fein geteilten Laubblätter fallen durch ihre spatelförmigen Blättchen und ihre blaugrüne Farbe auf, die auf „Bereifung“ mit einer Wachsschicht beruht. Die mattgelben, fast geruchlosen Blüten erscheinen von Juni bis August in reich­blütigem trugdoldigen Blütenstand. Es werden kugelartige Kapselfrüchte mit einem Durchmesser von etwa 1 cm gebildet.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Rutae aetheroleum (syn. Oleum Rutae); Rautenöl, das durch Wasserdampfdestillation aus den krautigen, oberirdischen Teilen gewonnene Öl.

Rutae herba (Folia Rutae, Herba Rutae, Herba Rutae graveolentis, Herba Rutae vulgaris); Rautenkraut (syn. Edelrautenblätter, Gartenrautenblätter, Rautenblätter, Weinrauten­kraut), die während der Blüte gesammelten krautigen Teile.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
DictaminEine Vielzahl von Sekundärstoffen, darunter Cumarine (Cumarin, Herniarin, Gravelliferon, Rutaretin), Furanocumarine (Bergapten, Psoralen, Rutatnarin), Furanochinolinalkaloide (Dictamnin, Skim­mianin, Rutacridon und etliche Derivate) und das Flavonoid Rutin (5%). Methylnonylketon (2-Undecanon) ist ein Hauptbestandteil des ätherischen Öls (Verwendung in der Parfum- und Aromaindustrie).
PHARMAKOLOGIE
PsoralenDie antimikrobiellen, krampflösenden, antiexsudativen, schmerz­stillenden und die Ionenkanäle hemmenden Aktivitäten sind möglicherweise auf die Furanocumarine und die FuranochinoIinalkaloide zurückzuführen.

Eine kapillarschützende Wirkung ist für Rutin belegt; man setzt es mit Cumarinen ergänzend bei chronischen Venenerkrankungen ein.
ANWENDUNG
Traditionell bei einer Reihe von Beschwerden, wie Menstruationsstörungen, Krämpfen, Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden, ferner Kreislaufproblemen, Fieber, Blut­hochdruck, Herzklopfen, Schleimhautentzündungen, Zahnschmerzen, Hysterie, Arthritis, Verstauchungen und Verletzungen sowie Hauterkrankungen. Die Droge bewirkt eine Kontraktion der Gebärmutter und löst Fehlgeburten (mit Todesfällen) aus. Früher hat man schlechten Wein mit Weinraute verbessert und stabilisiert.
HOMÖOPATHIE
Ruta graveolens HAB 1; Gartenraute, die frischen, zu Beginn der Blüte gesammelten, oberirdischen Pflanzenteile.

Anwendungsgebiet: Quetschungen, Prellungen, körperliche Überanstrengung, Krampf­aderleiden, Rheumatismus vor allem der Wirbelsäule.
SONSTIGES
Die Weinraute war bereits im Altertum bekannt und wurde unter anderem auch von Dios­kurides beschrieben. Im Capitulare de villis Karls des Grossen wird sie als Ruta aufgeführt. Im 16., 17. und 18. Jh. war sie stetiger Bestandteil der Haus- und Kräuter­gärten, zumal sie auch als wirksames Mittel gegen die Pest gehalten wurde. Der latei­nische Gattungsname fand zuerst bei Cicero Erwähnung. Der Artname graveolens (lat., stark duftend) weist auf den kräftigen Geruch der Pflanze hin. Der deutsche Name Raute ist dem lateinischen Ruta entnommen. Die Pflanze war bereits den griechischen und römischen Ärzten der Antike bekannt. Die Droge galt bes. als Mittel gegen pflanzliche und tierische Gifte. Nach Plinius soll Mithridates von Pontos die Heilkräfte der Pflanze erkannt und bekannt gemacht haben. Das nach ihm benannte Gegengift "Mithridat" enthielt 54 Bestandteile, darunter auch Raute.
Letzte Änderung: 22.01.2011 / © W. Arnold
 
Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004.
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M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002.
Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988.

Wikipedia
S. Schober und B. Neundörfer: Klinische Studien zur sympto­ma­tischen Wirksamkeit und Verträglich­keit eines Teeauszuges aus Ruta graveolens bei Multipler Sklerose: Abschlußbericht (PDF, 467 KB)

Ruta graveolens - Weinraute
Ruta graveolens - Weinraute

  Ordnung
Familie
Gattung
Sapindales
Rutaceae
Ruta
  Wiss. Bez. Ruta graveolens

Aufgrund der ätherischen Öle findet die Weinraute in der Parfümindustrie Verwendung. Hält man das Laub gegen das Licht, erkennt man durch­scheinende, nadelstichartige Löcher - die mit ätherischem Öl gefüllten Drüsen.

In Italien wehrte das einfache Volk mit Rautenzweigen den bösen Blick ab. Auch tauchte man sie in Weih­wasser und besprengte damit Schlaf­zimmer, in denen böse Geister die Liebesbeziehungen eines Ehe­paares gestört hatten.


Infolge verschiedener unerwünsch­ter Wirkungen, z.B. Reizwirkung auf Haut- und Schleimhäute, die teilweise auch im Zusammenhang mit der Photo­toxizität der Furochinoline und Furanocumarine stehen, ist die therapeutische Anwendung der Droge nicht zu empfehlen. Mehrere Furanocumarine und Furanochinolin­alkaloide sind mutagen und stark phototoxisch. Nicht in der Schwan­ger­schaft anwenden.