HEILPFLANZEN
Rheum palmatum - Medizinalrhabarber
Rheum palmatum (syn. Rhabarbarum palmatum, Rheum laciniatum, R. rubrifolium, R. tanguticum);
Handlappiger Rhabarber (syn. Kronrhabarberstaude, Medizinalrhabarber, Tangutischer Rhabarber),
Rheum palmatum - Medizinalrhabarber
Rheum palmatum - Medizinalrhabarber
VORKOMMEN
Nordwestchina und Tibet. Vorwiegend in China, aber auch in Korea, Indien und Pakistan angebaut. Beide Arten (Rheum palmatum, Rheum officinale - oder Hybriden und Misch­un­gen) können offizinell eingesetzt werden.
MERKMALE
Mehrjährige Pflanze mit grossen Blättern und umfangreichem Rhizom. Die Blätter sind bei Rheum palmatum handförmig gelappt (bei Rheum officinale: rundlich und häufig ge­zähnt). Beide Arten bilden grosse Blütenstände mit unscheinbaren Blüten. Rhapon­tikar­habar­ber (Rheum rhutponticum) wird nicht mehr empfohlen.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Rhei radix (syn. Radix Rhabarbari, Radix Rhei, Radix Rhei chinensis, Radix Rhei sinensis, Rhabarbarum verum, Rhei sinensis radix, Rhizoma Rhei);
Rhabarberwurzel (syn. Barbarawurzel, Chinesischer Rhabarber, Chinesische Rhabar­ber­wur­zel, Echter Rhabarber), die getrockneten unterirdischen Teile von Rheum palmatum und R. officinale;
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Die Droge enthält ein recht komplexes Gemisch vorwiegend phenolischer Inhaltsstoffgruppen; für die Anwendung als Laxans bedeutend sind die Hydroxyanthracenderivate (3--12%, nach Ph. Eur. mind. 2,2%, berechnet als Rhein und bezogen auf die getrocknete Droge. Dabei entfallen 60-80% auf Anthrachinonglykoside (vorwiegend Mono­glyko­side) der 5 Aglykone Rheumemodin, Aloeemodin, Rhein, Chrysophanol und Physcion, 10-25 % auf Dianthronglykoside wie Sennosid A bis F, der Rest besteht aus Anthronglykosiden (Rheinoside A bis D) und Aglykone.

Eine zweite Gruppe phenolischer Inhaltsstoffe besteht aus Gallotanningerbstoffen und deren Vorstufen (z. B. Galloylglucose und -saccharose).

Eine dritte Gruppe bilden die 1-Phenylbutanon­(3)-Deri­vate der Galloylglucose wie Lindleyin und Isolindleyin. Weitere phenolische Inhaltsstoffe sind Flavonoide (1-3 %) und Naphtholglykoside und flüchtigen Inhaltsstoffen.

R. rhutponticum enthält Rhaponticosid, ein Stil­benderivat; es kommt auch in bestimmten Varie­täten von R. palmatum vor.

 

Rhein

Isolindleyin

Rhaponticosid

ANWENDUNG
Rhabarberwurzel wird vorwiegend als stimulierendes Abführmittel bei Darmträgheit ein­gesetzt. In niedriger Dosis ist sie ein brauchbares adstringierendes und antimikro­biel­les Blutstillmittel, ferner ein Magenmittel gegen Durchfall und Leberbeschwerden.
PHARMAKOLOGIE
Die Anthrone und Dianthrone besitzen abführende Eigenschaften. Gerbstoffe wirken adstrin­gierend. Rhaponticin hat schwach östrogene Eigenschaften.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Als Laxans (Dosis: 1-2 g Droge) oder als Stomachikum bes. bei Magen-Darm-Katarrhen (0,1-0,2 g Droge) in entsprechender Zubereitung. Die Droge ist Bestandteil zahlreicher Arzneifertigpräparate, die meist als Laxantien, mitunter auch als Mundschleim­haut­thera­peutika zum Einsatz kommen.
HOMÖOPATHIE
Rheum HAB 1; Rhabarber, die von Stengelanteilen, kleineren Wurzeln und dem grössten Teil der Rinde befreiten, getrockneten unterirdischen Teile von Rheum palmatum und R. officinale oder Hybride beider Arten.
Anwendungsgebiet: Durchfallerkrankungen, Verhaltensstörungen bei Kindern, Zahnungsbeschwerden.
SONSTIGES
Die Droge wurde bereits in einem um 2800 v.Chr. verfassten chinesischen Kräuterbuch erwähnt und war auch im alten Griechenland bekannt. Der Name "Rhabarber" geht auf das griechische "rha" zurück, das auf Wurzelteile einer Droge hinwies. Da die Droge auf langen Transportwegen aus dem fernen Asien, nämlich von Völkern, die man im kul­tu­rell hoch entwickelten Griechenland ganz allgemein als Barbaren bezeichnete, in die Mittelmeerländer gelangte, wurde der Name Rhabarber (rha-barbarum) geprägt. Die Kräuterbücher des 16. und 17. Jh. empfahlen die Droge als mildes Abführmittel bei Leber- und Gallenleiden sowie bei Wurmbefall.
Letzte Änderung: 15.12.2011 / © W. Arnold
 
Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004.
Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.
M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002.
Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988.

Wikipedia

Rheum palmatum - Medizinalrhabarber
Rheum palmatum - Medizinalrhabarber

  Ordnung
Familie
Gattung
Caryophyllales
Polygonaceae
Rhabarber
  Wiss. Bez. Rheum palmatum

Einige Rhabarber-Arten besitzen eine lange Tradition in der Ver­wen­dung als Heilpflanze. Seit etwa 4000 Jahren wird der Chinesische Rha­bar­ber oder Arznei-Rhabarber (Rheum officinale) in China als Arz­nei verwendet. Die Ärzte in Arabien und im Persien der Frühzeit machten vom Handförmiger Rhabarber, Kron­rha­barber­staude, Medizinal­rha­bar­ber oder Tangutischer Rhabarber (Rheum palmatum) häufig Gebrauch. Auch heute noch wird die Rha­bar­ber­wur­zel (Radix Rhei) in der Phar­mazie als mildes Abführmittel ver­wen­det.

Die Droge darf nicht während der Schwangerschaft (Gefahr von Fehlgeburten) oder Stillzeit ange­wendet werden. Stimulierende Abführmittel sollten nicht länger als 1-2 Wochen eingenommen werden und erst, nachdem eine Nahrungs­um­stel­lung oder die Verwendung von Quellstoffpräparaten keinen Erfolg gezeigt haben.

Traditionelle Medizin
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