HEILPFLANZEN
Rhamnus catharticus - Echter Kreuzdorn
Rhamnus catharticus (syn. Cervispina cathartica, Rhamnus cathartica, R. wicklia, R. wikkor, R. willdenowiana);

Kreuzdorn (syn. Färbebaum, Feldbeerbaum, Hexendorn, Hirschdorn, Purgier-Kreuzdorn, Stechdorn, Wegdorn).
Rhamnus catharticus - Echter Kreuzdorn
Rhamnus catharticus - Echter Kreuzdorn
Rhamnus catharticus - Echter Kreuzdorn
VORKOMMEN
Der Kreuzdorn ist kalkliebend. Man findet ihn sowohl in Auwäldern, Hecken und Weg­rändern sowie an felsigen Hängen. In Deutschland ist er weit verbreitet - vom Nord­deut­schen Tiefland bis zu den Alpen in Höhen von 1600 Metern. Sein Verbrei­tungsgebiet um­fasst beinahe ganz Europa und erstreckt sich über Nordwestafrika bis nach Westasien. Die Droge stammt vorwiegend aus Wildsammlungen aus Osteuropa.
MERKMALE
Bis 3 m hoher Strauch mit gegenständigen, fein gezähnten Blättern an dornigen Zwei­gen, unscheinbaren gelbgrünen Blüten in den Blattachseln und etwa 5-8 mm grossen runden, bei Reife schwarzen Früchten.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Rhamni catharticae fructus (syn. Baccae Spinae cervinae, Fructus Rhamni catharticae, Rhamni cathartici fructus);
Kreuzdornbeeren (syn. Amselbeeren, Gelbbeeren, Kreuzbeeren, Purgierbeeren, Weg­dornbeeren), die ganzen, reifen, getrockneten Früchte;
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Die Früchte enthalten Anthrachinonglykoside (2-5%, bis zu 1,4 mg/Frucht). Freies Emodin und Emodinanthron sowie Glucofranguline und Franguline sind vorwiegend in den Sa­men nachgewiesen worden. Ferner organische Säure (auch Vitamin C), Pektine, Fla­vo­no­ide (1%), Gerbstoffe (3-4%) und Anthocyane.

-> siehe Rhamnus frangula - Faulbaum
PHARMAKOLOGIE
Anthranoide des Emodintyps (1,8-Dihydroxyanthracenderivate) liegen als β-Glykoside vor. Sie stellen nur die „Pro-Drugs” dar, die im oberen Magendarmtrakt weder resorbiert noch hydrolysiert werden, sondern erst im Dickdarm zu Anthronen abgebaut werden. Diese sind die aktiven abführenden Substanzen, die auf die Dickdarmmotilität wirken und so zur beschleunigten Darmpassage führen. Molekular wirken die Anthrone auf einen Chloridkanal sowie auf die Na+/K+-ATPase. Anthrone steigern so die Sekretion von Wasser und hemmen seine Wiederaufnahme im Dickdarm - dadurch wird der Stuhl verflüssigt.
ANWENDUNG
Die Droge wird als Abführmittel genutzt, wenn weicher Stuhlgang erwünscht ist (z. B. bei Hämorrhoiden, rektal-analen Operationen). In der Volksmedizin sind die Früchte als harn­treibendes Mittel und „Blutreinigungsmittel” verwendet worden.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Teebereitung: Etwa 4 g zerkleinerte Droge mit koch­endem Wasser übergiessen und nach 10-15 min durch ein Teesieb geben. Abends, evtl. auch morgens und mittags 1 Tasse. Es gibt auch Empfehlungen, die Droge mit kaltem Wasser anzusetzen, an­schlies­send 2-3 min aufzukochen und noch warm abzuseihen. 1 Teelöffel = etwa 3,8 g.
HOMÖOPATHIE
Rhamnus catharticus HAB 34; Kreuzdorn, die frischen, reifen Früchte.

Anwendungsgebiet: Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes sowie des Stütz- und Bewe­gungs­apparates.
SONSTIGES
Der Gattungsname Rhamnus stammt vom griechischen rhamnos und war bei Theophrast und Dioskurides die Bezeichnung für verschiedene Rhamnus-Arten. Der Artname cathar­tica geht auf das griechische kathairein (reinigen) zurück, da die Früchte als Abführ­mit­tel, d.h. zum Reinigen des Darmes, dienten. Der deutsche Name Kreuzdorn weist auf die Stellung der Dornen, die mit den Ästen ein Kreuz bilden, hin. Der in der Antike genutzte Rhamnos war vermutlich Rhamnus oleoides. Den Angelsachsen jedoch war der Kreuz­dorn schon lange bekannt. Er wurde als Hartsthorn oder Waythorn in ihren Arznei­bü­chern schon vor der normannischen Eroberung genannt. Im Volksaberglauben galt der Kreuzdorn über lange Zeit als ein dämonenabwehrendes und hexenvertreibendes Mittel.
Letzte Änderung: 02.02.2011 / © W. Arnold
 
Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004.
A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2.
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M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002.
H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9.
Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988.


Wikipedia


Rhamnus catharticus - Echter Kreuzdorn
Rhamnus catharticus - Echter Kreuzdorn
Rhamnus catharticus - Echter Kreuzdorn


  Ordnung
Familie
Gattung
Rosales
Rhamnaceae
Rhamnus
  Wiss. Bez. Rhamnus cathartica


Die Droge darf nicht angewendet werden bei Darmverschluss oder Darmentzündungen (wie Blinddarm­entzündung, Reizdarm und Morbus Crohn) und während der Schwan­ger­schaft. Kinder unter 12 Jahren sollten sie nicht einnehmen. Die chronische Anwendung der Droge gilt als Missbrauch.


Traditionelle Medizin
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