| HEILPFLANZEN |
Potentilla erecta - Blutwurzel |
Potentilla erecta (syn. Fragaria tormentilla, Potentilla officinalis, P. tetrapetala, P. tormentilla, Tormentilla erecta, T. officinalis);

Blutwurz (syn. Aufrechtes Fingerkraut, Blutwurzel, Bauchwehkraut, Bauchwehwurz, Birkwurz, Christuskrone, Fingerkraut, Mooreckel, Rotwurzel, Ruhrwurz). |
Die Blutwurz ist häufig in ganz Europa verbreitet. Als Standort werden Mischwälder, Heiden, Magerwiesen, Niedermoore mit mässig sauren Böden bevorzugt. Die Pflanze gilt als Magerkeitszeiger.
Die Droge stammt vorwiegend aus Wildsammlungen in Osteuropa.
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| Die Blutwurz ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von meist 10 bis 30 Zentimeter erreicht. Sie wächst aus einem kräftigen und kriechenden Rhizom, das einen Durchmesser von 1 bis 3 cm , verholzt und innen blutrot ist. Die Blätter sind handförmig gefiedert, dunkelgrün und schwach behaart. Die einzeln stehenden gelben Blüten sind relativ klein und besitzen im Gegensatz zu vielen anderen Rosengewächsen meist nur 4 Kronblätter. |
| DROGEN (verwendete Pflanzenteile) |
Tormentillae rhizoma (syn. Radix Tormentillae, Rhizoma Tormentillae).
Tormentillwurzel (syn. Tormentillwurzelstock). |
| WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE |
Die Rhizome enthalten hohe Gerbstoffmengen (bis zu 22%), vorwiegend vom Catecholtyp. Kondensierte Gerbstoffe liegen in Form von oligomeren Proanthocyanidinen (bis zu 20%) vor. Die Hauptkomponente der hydrolisierbaren Gerbstoffe ist Agrimoniin; ausserdem weitere Ellagitannine und Catechingallate sowie Tormentosid (ein Triterpensaponin; Glucosid der Tormentillsäure).
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| Die medizinischen Eigenschaften lassen sich zumindest teilweise auf die Gerbstoffe und Triterpene zurückführen. Gerbstoffe wirken adstringierend und interagieren verbreitet mit Proteinen, was zu antimikrobiellen, antiviralen und durchfalllindernden Effekten führt. Triterpene können Cortison imitieren und so möglicherweise zu den weiteren Eigenschaften beitragen: Sie wirkt entzündungshemmend, blutzucker- und blutdrucksenkend, immunstimulierend, antiallergisch wie auch Interferon-induzierend. |
| Innerlich bei Durchfall und Ruhr. Äusserlich als Gurgellösung oder zum Spülen bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut; ferner zum Auftragen auf Wunden und bei anderen Hauterkrankungen. Die Tormentilltinktur (syn. Tormentillae tinctura) wird aufgrund ihres hohen Gehaltes an Gerbstoffen als Adstringens bei leichten Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum sowie bei Zahn-Prothesendruckstellen genutzt. |
| ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG |
Mittlere Tagesdosis 4 bis 6 g Tormentillwurzel, Zubereitungen entsprechend. Zerkleinerte Droge für Abkochungen und Aufgüsse sowie andere galenische Zubereitungen zum Einnehmen und zur lokalen Anwendung.

Teebereitung: 3 bis 4 g Droge (=1 gehäufter Teelöffel) mit kochendem Wasser übergiessen, 10 min am Sieden halten und abseihen. Bei Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum mehrmals täglich mit lauwarmem Teeaufguss spülen, bei Durchfall 2- bis 3mal täglich zwischen den Mahlzeiten eine Tasse frisch bereiteten Teeaufguss trinken. |
1. Potentilla erecta HAB 1, die frischen, im Frühling gesammelten unterirdischen Teile.

2. Potentilla erecta, äthanol. Decoctum HAB 1, ein alkoholischer Auszug des getrockneten Wurzelstockes.
Anwendungsgebiet: anthroposophische Therapierichtung. |
| Die Droge wird bereits seit dem Altertum genutzt und ist bei den Hippokratikern beschrieben worden. Auch die Heilige Hildegard von Bingen verwendete dieses alte Volksheilmittel. Die nach Einführung der Ratanhiawurzel (Krameria triandra) allmählich in Vergessenheit geratene Droge kam als einheimische Gerbstoffdroge im Ersten Weltkrieg wieder in Gebrauch und ist seit dieser Zeit Bestandteil der deutschen Arzneibücher. |
| Letzte Änderung: 10.05.2010 / © W. Arnold |
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Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004. |
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A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2. |
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Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg. |
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M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002. |
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H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9. |
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Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008. |
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Wikipedia; Freie Enzyklopädie. |
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L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988. |
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Ordnung
Familie
Unterfamilie
Gattung
Art |
Rosale
Rosaceaes
Rosoideae
Potentilla
Blutwurz
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Wiss. Bez. |
Potentilla erecta |
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Wie der Name schon andeutet, enthält der Wurzelstock einen roten Farbstoff, der schon früher im Rahmen der Signaturlehre dafür sorgte, dass die Wurzel als Mittel gegen Blutungen verwendet wurde. |
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In einigen Regionen, z. B. im Bayerischen Wald, wird aus Blutwurz ein Likör oder Schnaps hergestellt, der als Digestif gereicht wird und verdauungsfördernde Wirkung besitzt. |
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