| HEILPFLANZEN |
Petasites hybridus - Gemeine Pestwurz |
Petasites hybridus (syn. Petasites officinale, P. ovatus, P. petasites, P. vulgaris, Tussilago petasites, T. hybrida);

Gemeine Pestwurz (syn. Pestilenwurz, Wasserklette) |
| Die Art bevorzugt sickernasse oder zeitweise überflutete, nährstoffreiche Böden und ist daher oft an Bach- und Flussufern zu finden. Das Verbreitungsgebiet umfasst Europa nördlich bis Schottland, Nordwestdeutschland. |
Die ausdauernde krautige Pflanze erreicht Wuchshöhen zwischen 15 und 80 Zentimeter. Das Rhizom ist zirka 4 cm dick, bräunlich und an den Gliedenden verdickt. Die rundlichen Blätter können bis 60 cm im Durchmesser erreichen.

Die Unterseite der Blätter ist grauwollig, später verkahlend. Die Blütenstände erscheinen zwischen März und Mai noch vor den Grundblättern. Der zusammengesetzte, traubige Blütenstand besitzt zahlreiche, dicht stehende rötlich-weisse bis rot-violette Blütenköpfe. Die männlichen Blütenköpfe werden etwa 7 bis 12 mm lang und sind etwa doppelt so gross wie die weiblichen. |
| DROGEN (verwendete Pflanzenteile) |
1. Petasitidis folium (syn. Folia Petasites, Folia Petasitidis); Pestwurzblätter, die getrockneten oder frischen Blätter.

2. Petasitidis rhizoma (syn. Radix Petasites, Radix Petasitidis, Rhizoma Petasitidis); Pestwurzwurzelstock (syn. Kraftwurz), die getrockneten, im Herbst geernteten unterirdischen Teile. |
| WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE |
1. Petasitidis folium Flavonoide, unter anderem Astragalin und Isoquercitrin, Sesquiterpene sowie in Spuren Pyrrolizidinalkaloide.

2. Petasitidis rhizoma Aether. Öl (0,1-0,4 %) mit unter anderem 1-Nonen, Eremophilen und Furanoeremophilen, ferner Sesquiterpenester, die Derivate des Petasols (Iso- und Neopetasols), Petasin, Petasalbin, Iso- und Neopetasin sowie Pyrrolizidinalkaloide, besonders Senecionin und Integerrimin als Retronecinester.

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| Die Sesquiterpene hemmen die Bildung von Leukotrienen und zeigen krampflösende und schmerzstillende Eigenschaften. Kontrollierte klinische Studien bei Patienten mit chronischen Kopfschmerzen und Migräne waren positiv. |
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1. Petasitidis folium Bei nervösen Krampfzuständen, Krampfzuständen mit Schmerzen, Krämpfen im Magen-Darm-Bereich, Kopfschmerzen, bei Appetitlosigkeit. Ferner bei Erkrankungen und Beschwerden im Bereich der Atemwege, Erkältungskrankheiten, Leber-Gallen- und Pankreaserkrankungen, zur Förderung des Schlafes sowie zur Vorbeugung innerer Unruhe. Äusserlich (Frischpflanze) zur Wundheilung. Feingestossene, frische Blätter zu Umschlägen bei bösartigen Geschwüren. Die Wirksamkeit bei diesen Anwendungsbereichen ist nicht belegt.

Wirksamkeit bei Heuschnupfen (allergischer Rhinitis): Extrakte aus Teilen der Pestwurz werden inzwischen nicht mehr nur bei Spasmen im Bereich von Magen-Darm und Harnwegen genutzt. Beobachtungen wiesen auf lindernde Effekte bei Heuschnupfen hin. Pharmakologische Wirkprinzipen könnten dabei Hemmungen der Leukotriensynthese innerhalb neutrophiler und eosinophiler Leukozyten sowie Verringerungen der stimulierten Freisetzung von Histamin und Serotonin sein. Ein CO2-Extrakt aus den Blättern eines im kontrollierten Anbau gezüchteten Pestwurz-Klons wurde in dieser Indikation weiterentwickelt (Prüfpräparat Ze 339). Die klinische Wirksamkeit wurde bei randomisierten Studien nachgewiesen.

2. Petasitidis rhizoma In Zubereitungen in Form von lipophilen oder ethanolischen Extrakten zur unterstützenden Behandlung akuter krampfartiger Schmerzen besonders im Bereich der ableitenden Harnorgane sowie bei Spannungskopfschmerzen und Migräne. Volkstümlich auch bei psychovegetativen Funktionsstörungen im Magen-Darm-Bereich sowie bei Erkrankungen der Atmungsorgane, besonders Keuchhusten. |
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| ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG |
| Der Schwerpunkt liegt auf standardisierten Extrakten ohne Pyrrolizidinalkaloidc (PA). PA können durch Ionenaustauscherchromatographie entfernt werden; alternativ kann man die Rhizome mit Kohlendioxid extrahieren, diese Extrakte enthalten die Sesquiterpene, jedoch keine PA. Extrakte werden als Beruhigungs - und krampflösende Mittel sowie gegen Kopfschmerzen eingesetzt. |
Petasites hybridus HAB 1; Pestwurz, die gegen Ende der Blütezeit geernteten, oberirdischen Pflanzenteile.

Anwendungsgebiet: Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege, der Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse. |
| Der Name Petasites wurde von Dioskurides geprägt, der die Blätter mit einem breitkrempigen Hut (griech. pefasos) verglich. Die Droge ist seit dem Altertum bekannt und wurde häufig angewendet, insbesondere die Blätter wurden bei Entzündungen, Geschwüren und Wunden aufgelegt. Im Mittelalter diente sie vor allem wegen ihrer diaphoretischen (schweisstreibenden) Wirkung als bestes Mittel gegen die Pest, die häufig mit Schwitzkuren therapiert wurde. Daher stammt auch die Bezeichnung Pestwurz, die auf Paracelsus und Leonhard Fuchs zurückgeht. Der Gattungsname Petasites wurde bereits bei Dioskurides benutzt. Er wird vom griechischen petasos (Regen- oder Sonnenschirm) abgeleitet, Bezug nehmend auf die riesigen Blätter der Pflanze. |
| Letzte Änderung: 16.04.2010 / © W. Arnold |
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Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004. |
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A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2. |
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Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg. |
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M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002. |
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H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9. |
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Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008. |
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Wikipedia; Freie Enzyklopädie. |
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L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988. |
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Ordnung
Familie
Unterfamilie
Gattung
Art |
Asterales
Asteraceae
Asteroideae
Petasites
Gemeine Pestwurz |
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Wiss. Bez. |
Petasites hybridus |
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Der Schwerpunkt liegt auf standardisierten Extrakten ohne Pyrrolizidinalkaloide (PA). PA können durch Ionenaustauscherchromatographie entfernt werden; alternativ kann man die Droge mit CO2 extrahieren, diese Extrakte enthalten die Sesquiterpene, jedoch keine PA. |
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Aufgrund hepatoxischer, mutagener, teratogener und cancerogener Eigenschaften von Pyrrolizidinalkaloiden mit 1,2-ungesättigtem Necin-Gerüst bestehen Anwendungsbeschränkungen (beachte entsprechende Links) |
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Die maximale Tagesdosis von PAs und ihren N-Oxiden (kumulative Lebertoxine und potenziell karzinogen) darf nicht über 1 µg liegen (die meisten Drogenpräparate überschreiten diese Dosis!). PA-freie Handelspräparate sollten anstelle der Rohdroge gewählt werden. |
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Traditionelle Medizin
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Kommission E: positive Bewertung (nur Rhizom) |
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Klinische Studien: positiv |
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