HEILPFLANZEN
Paeonia officinalis - Echte Pfingstrose
Paeonia officinalis (syn. Paeonia feminea, P. foemina).
Echte Pfingstrose (syn. Garten-Pfingstrose, Gichtrose, Grossblumige Pfingstrose)
Paeonia officinalis - Echte Pfingstrose
Paeonia officinalis - Echte Pfingstrose
VORKOMMEN
Heimisch in den Gebirgsgegenden des südlichen Europa von Portugal bis Albanien und bis ins südliche Ungarn, häufig als Gartenpflanze kultiviert, in Kleinasien und Armenien anzutreffen. Auf nicht zu trockenen, nährstoffreichen, kalkhaltigen Böden. Die Art ist bei uns die Pfingstrose der alten Bauemgärten.
In der Chinesischen Heilkunde haben vor allem weisse Gartenpfingstrosen, Edelpäonien, Chinesische Päonien (Paeonia lactiflora) Bedeutung.
MERKMALE
Die Pfingstrose ist eine mehrjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 60 bis 100 Zentimetern erreicht. Die einzelnen Stängel sind unverzweigt. Die Stengelblätter sind gestielt. Die Blattspreite hat einen Durchmesser von bis zu 30 Zentimeter und ist bis zum Blattstiel dreiteilig, oberseits dunkelgrün und kahl, unterseits grau und anliegend be­haart. Die sehr grossen Blüten stehen endständig einzeln. Die Naturform besitzt fünf Kelchblätter, die ungleich geformt und lang sind. Die fünf bis zehn Kronblätter sind rot, vier bis acht Zentimeter lang, oval und grösser als die Kelchblätter. Die Blüten mancher Sorten sind gefüllt und haben einen Durchmesser von etwa sieben bis 13 Zentimetern. Die Farben der Sorten kann sehr unterschiedlich sein. Die Blüten der Naturform sind nicht gefüllt. Die Bestimmung der Arten bereitet grosse Schwierigkeiten, da durch Kombinationen, Mutationen und gezielte Auslese zahllose Kulturvarietäten erhalten wurden. Dies betrifft insbesondere die gefüllten Formen. Hinzu kommt, dass Hybrid-Pfropfungen im Handel sind.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
1. Paeoniae flos - (syn. Flores Paeoniae, Flores Rosae benedictae, Paeonia petalum); Pfingstrosenblüten (syn. Bauernrosenblüten, Gichtrosenblüten, Päonienblüten, Paeonienblüten), die schnell getrockneten Kronblätter.

2. Paeoniae radix - (syn. Radix Paeoniae, Radix Rosae benedictae); Pfingstrosenwurzel (syn. Bauernrosenwurzel, Gichtrosenwurzel, Königsrosenwurzel, Päonienwurzel, Paeo­nienwurzel), die im Frühjahr gegrabenen und getrockneten knolligen Nebenwurzeln, die an der Basis des Wurzelstocks entspringen.

3. Paeoniae semen - (syn. Semen paeoniae); Pfingstrosensamen (syn. Bauernrosensamen, Gichtrosensamen, Hexenkörner, Korallensamen, Päoniensamen, Paeoniensamen, Zahn­körner, Zahnperlen), die getrockneten, reifen Samen, fast ausschliesslich der gefüllten, kultivierten Gartenform.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Paeoniflorin1. Paeoniae flos - Das Anthocyanidin Paeonidin-3,5-diglucosid sowie Gerbstoff.

2. Paeoniae radix - Die Droge enthält 1,5 bis 3,5 % Paeoniflorin, relativ viel Saccharose, wesentlich weniger Glucose und geringe Mengen Gerbstoff.

3. Paeoniae semen - 1,13 % Harzsäure, 23,61 % fettes Öl, ca. 11 % Eiweiss und 1,4 % Zucker.
ANWENDUNG
1. Paeoniae flos - Heute zum Schönen von Räucher- und Hustentees, als färbender Be­stand­teil von Hustensirupen. Pfingstrosenblüten werden in der Volksmedizin bei Haut- und Schleimhauterkrankungen, Fissuren, Rhagaden bei Hämorrhoiden, Gicht, Rheuma sowie bei Erkrankungen und Beschwerden im Bereich der Atemwege, ferner in fixen Arzneimittelkombinationen unter anderem bei nervösen Beschwerden, Herz­be­schwer­den und Gastritis angewendet. Früher bei Epilepsie sowie als Brechmittel und als men­stru­ations­förderndes Mittel. Die Wirksamkeit bei den beanspruchten Anwendungs­gebie­ten ist nicht belegt.

2. Paeoniae radix - Gegen Krämpfe unterschiedlicher Art und Genese, zusätzlich bei Rheumatismus, Erkrankungen und Beschwerden im Bereich des Magen-Darm-Traktes sowie des Herzens und der Blutgefässe, Neurasthenie und Neurasthenie-Syndrom, Neuralgien, Migräne, allergischen Erkrankungen sowie in Tonica. Bei Erregbarkeit, Epilepsie und Keuchhusten. Die Wirksamkeit bei den genannten Anwendungen ist gegenwärtig nicht belegt.

3. Paeoniae semen - Die Päoniensamen wurden bei Epilepsie angewendet. Die Wirk­sam­keit bei dem genannten Anwendungsgebiet ist nicht belegt.
PHARMAKOLOGIE
Bei Versuchstieren zeigte Paeoniflorin schmerzstillende, fiebersenkende, entzündungs­hem­men­de sowie uteruskontrahierende, beruhigende und gefässerweiternde Wirkung.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
1. Paeoniae flos - Mittlere Einzelgabe. Innerlich: 1,0 g Droge für 1 Tasse Aufguss.

2. Paeoniae radix - Tinktur: 30 bis 50 Tropfen am Tag.

3. Paeoniae semen - Mittlere Einzelgabe: Innerlich: 2,0 g
HOMÖOPATHIE
Paeonia officinalis HAB 1; Pfingstrose, die frischen, im Frühjahr geernteten unterirdischen Pflanzenteile.
Anwendungsgebiet: Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes sowie des venösen Gefäss­sys­tems, Hämorrhoiden und andere Erkrankungen des Afters.
SONSTIGES
Die Pflanze wird seit der Antike medizinisch genutzt und spielt auch in der alten Sagen­welt eine Rolle. Der Heilgott Apollo besass die Pflanze, in Hekates Zaubergarten wuchs sie und der Göttin Pallas Athene wurde sie oft geweiht. Der Gattungsname soll nach einer Sage nach Paeon, dem griechischen Gott der Heilkunst, benannt worden sein, da dieser mit der bei Theophrast paionia genannten Pflanze Pluto heilte. Sowohl bei Hippokrates als auch bei Hildegard von Bingen diente die Droge bei Verdauungs­stör­ungen. Paracelsus bezeichnete sie als Spezifikum gegen Epilepsie. Ihr deutscher Name erinnert an die Blütezeit und die rosenförmige Blütenform. Viele Künstler der Gotik mal­ten sie auf ihren Tafelbildern als "Rose ohne Dornen" und damit als Attribut der Gottes­mutter.
Letzte Änderung: 10.12.2011 / © W. Arnold
 
Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004.
Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.
M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002.
Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988.

Wikipedia

Paeonia officinalis - Echte Pfingstrose
Paeonia officinalis - Echte Pfingstrose

  Ordnung
Familie
Gattung
Saxifragales
Paeoniaceae
Paeonia
  Wiss. Bez. Paeonia officinalis

Ihre botanische Bezeichnung leitet sich von Paian ab, einem der äl­tes­ten Heilgötter des antiken Grie­chen­lands. Paieon heilte den von Hera­kles verwundeten Hades, den Gott der Unterwelt, mit Päonienwurzeln. Sie wurden schon bei Theophrast und Plinius so genannt.

Die Pfingstrose tauchte in den Kräu­terbüchern des Mittelalters immer wieder auf. Da sie von den Bene­dik­tinern über die Alpen gebracht wur­de, bekam sie auch den Namen "Be­nediktiner­rose". Von den Kloster­gär­ten fand sie rasch den Weg in die Bauerngärten. Im Spätmittelalter ent­stand die gefüllte Form der "Paeonia officinalis". In der christlichen Sym­bolik stand sie für Reichtum, Heilung, weibliche Schönheit und galt als "Rose ohne Dorn".

Päonien sind in allen Teilen auch leicht giftig und können bei Verzehr Übelkeit hervorrufen.

Traditionelle Medizin