Gemeine Nachtkerze - Oenothera biennis

Oenothera biennis (syn. Oenothera communis, O. graveolens, O. vulgaris);
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Gemeine Nachtkerze (syn. Eierblume, Gelbe Rapunzel, Stolzer Heinrich, Weinblume).

Nachtkerze

Oenothera biennis - Gemeine Nachtkerze

Nachtkerze

Oenothera biennis - Gemeine Nachtkerze

VORKOMMEN

Die ursprüngliche Heimat der Gemeinen Nachtkerze ist das östliche und zentrale Nordamerika. Sie ist in Europa seit Beginn des 17. Jahrhunderts eingebürgert. Die Nachtkerze wächst gerne an trockenen Orten wie Bahndämmen, Wegrändern, Böschungen und besonders auf Schuttplätzen. In meinem Garten gehört die schöne Heilpflanze zu den Stammpflanzen.

MERKMALE

Die Gemeine Nachtkerze ist eine zweijährige krautige Pflanze. Sie erreicht Wuchshöhen von bis zu 2 Metern. Sie bildet im ersten Jahr eine auf dem Boden aufliegende Blattrosette mit fleischiger Pfahlwurzel. Im zweiten Jahr erhebt sich daraus ein grüner oder im unteren Bereich rötlich überlaufer Stängel mit gelb gefärbten, angenehm riechenden Blüten. Diese öffnen sich erst gegen Abend und werden dann von Nachtfaltern bzw. Schwärmern bestäubt.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

1. Oenothera biennis herba (syn. Herba Oenotherae biennis), das getrocknete Kraut.
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2. Oenotherae oleum (syn. Oenothera biennis oleum, Oleum Oenotherae, Oleum Oenotherae biennis), Nachtkerzenöl (syn. Rhapontikaöl), das aus den Samen gewonnene fette Öl.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

1. Oenothera biennis herba - Neben Flavonoiden enthält Nachtkerzenkraut Delphinidin und Cyanidin und eine Reihe von Phenolcarbonsäuren (Kaffeesäuer, Neochlorogensäuer, p-Cumarsäure und weitere). Das ganze Kraut enthält etwa 7 %, die Blätter etwa 12 % Gerbstoffe. Im Weiteren Phytosterole, Harze und Zucker.

2. Oenotherae oleum - Vor allem Triglycerole, bis 80 % Linolsäure und als Besonderheit bis 14 % γ-Linolensäure. Weitere Fettsäuren wie Ölsäure (bis 11 %), Palmitinsäure (bis 10 %) und Stearinsäure (bis 3,5 %) sind enthalten.

PHARMAKOLOGIE

Nach einer Metaanalyse von über 27 Studien zur Wirksamkeit von Nachtkerzenöl kommt die Cochrane Collaboration 2013 zur abschliessenden Bewertung, dass sowohl Nachtkerzenöl als auch das ebenfalls Gamma-Linolensäurereiche Borretschöl bei oraler Einnahme keinerlei über einen Placeboeffekt hinausreichende Wirkung auf Ekzeme hat.

ANWENDUNG

1. Oenothera biennis herba: In der Volksheilkunde gegen Durchfall und als "Blutreinigungsmittel".

2. Oenotherae oleum: In Kapselform (mit 0.5 g Nachtkerzenöl) als Fertigarzneimittel zur Arterioskleroseprophylaxe. In gleicher Form beim atopischen Ekzem (Neurodermitis). Nachtkerzenöl wird ähnlich wie das Samenöl von Borretsch verwendet.

Anerkannte medizinische Anwendungen:
Nachtkerzenöl wurde vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
Durch klinische Daten belegte Anwendungsgebiete (Zulassung): zur Behandlung und zur symptomatischen Erleichterung des atopischen Ekzems (Neurodermitis), insbesondere des begleitenden Juckreizes.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

1. Oenothera biennis herba: Keine Angaben

2. Oenotherae oleum: Nachkerzenöl kommt als Fertigarzneimittel in Weichkapseln (0,5 g) in den Handel. Tagesdosis 4 bis 6 g. Das Öl kann direkt geschluckt oder dem Essen beigemischt werden. Nachtkerzenöl soll über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.

STATUS

  • Kommission E: - Keine Bearbeitung
  • ESCOP: - Keine Bearbeitung
  • HMPC: - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (Nachtkerzenöl).

HOMÖOPATHIE

Oenothera biennis - Die frische Pflanze.
Anwendungsgebiete: Vor allem Durchfall.

NACHTKERZE IM GARTEN

Die Nachtkerze ist anspruchslos und anpassungsfähig, benötigt aber einen gut durchlässigen, sandigen, kalkhaltigen lehmigen Boden an einem möglichst sonnigen Standort. Die Pflanze kommt mit Trockenheit gut zurecht. Schatten und Staunässe mag die Nachtkerze überhaupt nicht.

Die zweijährige Pflanze blüht erst im zweiten Jahr, im ersten Jahr bildet sich eine flachen Rosette am Boden. Die Nachtkerze eignet sich besonders für naturnahe Gartenanlagen, Bauerngärten und darf natürlich in keinem Heilpflanzengarten fehlen. Die gemeine Nachtkerze erhält sich durch Selbstaussaat, wird aber nie lästig.

Die köstlich duftenden, gelben Blüten sind das besondere an dieser Pflanze. Die Gemeine Nachtkerze blüht von Juni bis September, wobei die einzelnen quittegelben Blüten sehr kurzlebig sind. Sie öffnen sich am Abend und sind am nächsten Mittag schon verblüht. Dieser Vorgang gilt als das schnellste Aufblühen einer Pflanze in Mitteleuropa. Innerhalb weniger Minuten öffnet sich die Blüte in einer fliessenden Bewegung.

Die Nachtkerze ist eine problemlose Heilpflanze, die ihnen viel Freude bereiten wird.

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SONSTIGES

Das Nachtkerzenöl findet aufgrund seiner Wirkungen auch Verwendung als Wirkstoff und Additiv in Kosmetikartikeln, speziell in Hautcremes. Die Inhaltsstoffe wirken hier vor allem bei reizempfindlicher Haut beruhigend und können dementsprechend vor allem bei trockener, schuppiger und juckender Haut pharmazeutisch verwendet werden.

Letzte Änderung: 08.03.2017 / © W. Arnold