HEILPFLANZEN
Matricaria recutita - Echte Kamille
Chamomilla recutita (syn. Chamomilla meridionalis, C. vulgaris, Chrysanthemum suaveolens, Matricaria coronata, M. pusilla, M. chamomilla, M. suaveolens)

Echte Kamille (syn. Deutsche Kamille, Feldkamille, Hermel, Kamille, Kleine Kamille, Mägdeblume).
Matricaria recutita - Echte Kamille
Matricaria recutita - Echte Kamille
VORKOMMEN
Überwiegend aus Anbau, Haupterzeugerländer bes. Argentinien, Spanien, Ungarn, Tschechien. Hin und wieder verwildert die Pflanze.
MERKMALE
Bei der Kamille handelt es sich um eine einjährige Pflanze mit einem aufrechten, ästig verzweigten Stängel, der bis zu 80 cm hoch wachsen kann. Die Blätter stehen wechselständig und sind zwei- bis dreifach gefiedert und schmal. Die Blütenköpfchen bestehen aus einem Kranz von etwa 15 weissen Zungenblüten, der in der Mitte dicht gedrängt sitzende gelbe Röhrenblüten umfasst. Der Blütenboden ist meist kegelförmig und innen immer hohl. Beim Zerreiben riechen die Blüten angenehm aromatisch.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Matricariae flos (syn. Chamomilla, Chamomillae anthodium, Chamomillae flos, Flores Chamomillae, Flores Chamomillae bulgari, Flos Chamomillae, Flos Chamomillae vulgaris, Matricaria)

Kamillenblüten, getrocknete, ganze bzw. teilweise oder vollständig zerfallene Blütenkörbchen und Teile der Blütenstiele.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Aether. Öl (0,3-1,5 %), bestehend aus dem Sesquiterpenalkohol (-)-α-Bisabolol mit den Oxidationsprodukten Bisabololoxid A, B und Bisabolonoxid (ca. 33 %), β-Farnesen (bis 45 %), Polyinen, den sogenannten En-in-dicycloethern (bis. 25 %) sowie das nach Wasserdampfdestillation aus dem genuinen Matricin gebildete Chamazulen (bis 15 %). Weitere Bestandteile der Droge sind Flavonoide, besonders Apigenin- und Luteolin-7-O-glucosid, Cumarine, unter anderem Herniarin und Umbelliferon, sowie Schleimstoffe (ca. 10 %).
Bisabolol, Farnesen, Chamazulen, Matricin
PHARMAKOLOGIE
In Patientenstudien zeigen sich entzündungshemmende (z. B. bei Gastritis), antiseptische, krampflösende und beruhigende Effekte, die mit den Sesquiterpenen und Flavonoiden in Verbindung stehen. Antibiotische und entzündungshemmende Eigenschaften auch bei äusserlicher Anwendung.
ANWENDUNG
Innerlich bei entzündlichen Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes mit spastischen Beschwerden, bei Leber und Galleerkrankungen sowie äusserlich bei Haut- und Schleimhautentzündungen, für Bäder im Anal- und Genitalbereich, für Spülungen sowie Dampfbäder bei Erkältungen. Bestandteil zahlreicher Teekombinationen und Arzneifertigpräparate, bes. auch in der Kinderheilkunde. Zur Teezubereitung verwendet man einen gehäuften Esslöffel (ca. 3g) als Einzeldosis. Kamille wirkt insbesondere antiphlogistisch und spasmolytisch.
WARNUNG
Allergische Reaktionen beruhen meistens auf Verfälschung mit Anthemis cotula (Anthecotulid als bekanntes Kontaktallergen).
HOMÖOPATHIE
Chamomilla recutita HAB1, die frische, ganze, blühende Pflanze.

Anwendungsgebiet: Erkrankungen der Atemwege, Entzündungen und krampfartige Beschwerden der Verdauungsorgane, Dysmenorrhoe sowie reizbare Verstimmungszustände.
SONSTIGES
Für die Pflanze existieren zwei unterschiedliche Gattungsnamen. Chamomilla ist aus dem griechischen chamaimelon, das aus chamai (niedrig) und melon (Apfel) geprägt wurde, auf Grund des apfelartigen Geruchs der runden Blütenköpfchen hervorgegangen. Der Gattungsname Matricaria ist vom latainischen mater (Mutter) abgeleitet und bringt die Anwendung bei Erkrankungen im Wochenbett zum Ausdruck. Als Heilmittel fand die Kamille sowohl bei den Ärzten der Antike als auch im Mittelalter und der Gegenwart hohe Wertschätzung. Die nordischen Völker verglichen die Kamille ihrer gelben Blütenscheibe wegen mit dem Sonnengott Baldur und sahen sie als heilig an.
Letzte Änderung: 16.02.2009 / © W. Arnold
 
Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004.
A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2.
Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.
M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002.
H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9.
Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Wikipedia; Freie Enzyklopädie
L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988.


Wikipedia
Wundheilung mit Kamille (PDF, 146 KB)


(PDF-Datei, 328 KB)
Die aus meinen Fotos entstandene Briefmarke der Schweizer Post (2003)

 
Briefmarke Kamille
   
  Illustration von O.T. Thomé (1885)
  Kamille Zeichnung



Die echte Kamille ist eine der meistverwendeten Heilpflanzen, da Ihre Anwendungsmöglichkeiten vielfältig sind : von Verdauungs- und Schlafstörungen bis hin zu Monatsbeschwerden


  Ordnung
Familie
Unterfamilie
Gattung
Art
Asterales
Asteraceae
Asteroideae
Matricaria

Echte Kamille
  Wiss. Name Matricaria chamomilla


Kamille wurde seit jeher in der Kosmetik und in der Naturheilkunde verwendet. Bei den Ägyptern wurde sie als Blume des Sonnengottes verehrt.