HEILPFLANZEN
Mandragora officinarum - Alraune
Mandragora officinarum (syn. Atropa mandragora, Mandragora acaulis, M. mas, M. officinalis, M. praecox, M. vernalis);

Alraune (syn. Erdmännlein, Mandragora, Zauberwurzel).
Mandragora officinarum - Alraune
Mandragora officinarum - Alraune
Mandragora officinarum - Alraune
VORKOMMEN
Mittelmeerraum und angrenzende, frostfreie Gebiete.
MERKMALE
Die Gemeine Alraune ist eine stengellos scheinende, ausdauernde Pflanze. Die kräftige, vielverzweigte Wurzel ist sehr lang. Das Blattwerk steht in einer Blattrosette und besteht aus unbehaarten bis behaarten Laubblättern. Die Blüten entspringen den Blattachseln, die Blütenstiele schwanken stark in ihrer Länge, sind aber höchstens 15 Zentimeter lang. Der Kelch ist 6 bis 28 Millimeter lang, zur Hälfte bis zwei Drittel seiner Länge gelappt. Die einzelnen Lappen sind 3 bis 15 Millimeter lang, spitz zulaufend, in der Reife nur mehr wenig wachsend. Die Früchte sind Beeren. Sie haben einen Durchmesser von 5 bis 40 Millimeter, sind rund bis elliptisch, reif gelb bis gelborange, saftig und essbar.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Mandragorae radix (syn. Radix Mandragorae); Alraune (syn. Erdmännlein, Mandragora, Zauberwurzel), die getrockneten unterirdischen Teile der Pflanze.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Alkaloide (0,2-0,6 %, vor allem Atropin, Hyoscyamin, Scopolamin, Cuscohygrin, Apoatropin, die N-Oxide von Hyoscyamin und Scopolamin).
Hyoscyamin, Scopolamin
PHARMAKOLOGIE
Scopolamin und Hyoscyamin hemmen muscarinerge Acetylcholinrezeptoren und wirken deshalb parasympatholytisch. Sie führen zu einer Erhöhung der Herzschlagfrequenz, Erschlaffung der glatten Muskulatur, Sekretionshemmung und Pupillenerweiterung. Scopolamin besitzt zentral beruhigende und einschläfernde Wirkung; in hoher Dosier­ung hat es einen länger anhaltenden halluzinogenen Effekt.
ANWENDUNG
In der Volksheilkunde wird die Droge bei Magengeschwüren, Koliken, Dysmenorrhoe, Asthma, Heufieber und Keuchhusten verwendet. Heute sind Mandragora-Zubereitungen obsolet.
HOMÖOPATHIE
1. Mandragora HAB 34; Alraun, das frische Kraut. :Anwendungsgebiet: Verdauungsbeschwerden, Kopfschmerzen.

2. Mandragora äthanol. Decoctum HAB 1, die getrockneten Wurzeln. Anwendungsgebiet: anthroposophische Therapierichtung.

3. Mandragora e radice siccato HAB 1, die getrockneten Wurzeln. Anwendungsgebiet: Kopfschmerz, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Verdauungsschwäche bei Leber-Galle-Störungen, Ischiasschmerz.
SONSTIGES
Mandragora gehört zu den ältesten Arzneipflanzen bzw. Heilpflanzen überhaupt, sie wird bereits im Papyrus Ebers als "dja-dja" geführt und Pythagoras nennt sie die "menschenähnliche". Darüber hinaus war sie eine der wichtigsten Zaubermittel im Kult der verschiedenen Völker. Nach dem jüdischen Geschichtsschreiber Josephus Flavius soll das in der Bibel erwähnte "Dudaim" die Alraune gewesen sein, die als Aphrodi­siakum genutzt wurde. Er berichtet auch darüber, dss man die Mandragora nicht selbst aus dem Boden ziehen dürfe, sondern mit Hilfe eines schwarzen Hundes müsse die Wurzel geerntet werden, der daran sterben würde. Mandragora wurde vor allem als Analgetikum und Schlafmittel medizinisch verwendet. Ausserdem schnitzte man aus der Alraunwurzel Figuren, die als glückbringende Zaubermittel sorgsam gepflegt wurden (z.B. wöchentlich in Wein gebadet, mit teuren Stoffen bekleidet waren, etc.). Der Gattungsname Mandragora wurde bereits bei Hippokrates benutzt und setzt sich aus dem griechischen mandra (Hürde; vermutlich Schäferhütte im Gebirge) und agora (Versammlung) zusammen, offenbar deshalb, da die Pflanze oft in der Nähe der Hütten gefunden wurde.
Letzte Änderung: 16.06.2010 / © W. Arnold

 

 
Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004.
A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2.
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M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002.
H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9.
Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988.


Wikipedia
Rolf Giebelmann: Kulturgeschichtliches zur Alraune (PDF, 216 KB)


Mandragora officinarum - Alraune
Mandragora officinarum - Alraune


  Ordnung
Familie
Gattung
Art
Solanales
Solanaceae
Mandragora
Gemeine Alraune
  Wiss. Bez. Mandragora officinarum


Auch vor Harry Potter kursierten über die Jahrhunderte zahlreiche Geschichten, die dem Leser von der geheimnisvollen Alraunenwurzel berichteten. So gibt es beispiels­weise die Sagen vom Galgen­männlein – schliesslich soll die auch als Galgenmännlein bezeichnete Alraune immer in der Nähe eines Galgens zu finden sein - und noch einiges mehr an Geschichten, welche von der Alraunenwurzel zu berichten wissen.


Pflanze bezw. die Alkaloide sind sehr giftig; tödliche Vergiftungen kommen regelmässig vor.