HEILPFLANZEN
Lycopodium clavatum - Keulenbärlapp
Lycopodium clavatum (syn. Lepidotis clavata, Lycopodium officinale, L. vulgare)

Keulenbärlapp (syn. Drudenfuss, Erdmoos, Kolbenbärlapp).
Lycopodium clavatum - Keulenbärlapp
VORKOMMEN
Diese Art ist auf kalkfreien kargen Böden in Nadelwäldern, Heiden und Magerrasen zu finden. Seltener auch in Laubwäldern. Sie meidet tiefen Schatten und grosse Feuchtig­keit. Sie ist in ganz Mittel- und Nordeuropa, aber auch in Russland, Asien, Amerika und sogar in den Gebirgen des tropischen Afrika verbreitet.
MERKMALE
Die ausdauernde und giftige Pflanze besteht aus einem zwischen 0,5 und 4 Meter langen am Boden kriechenden Spross und bis 30 cm aufrecht stehenden Seitenästen. Die nade­ligen Blättchen stehen dicht und sind an der Laubblattspitze mit einem ein bis drei Milli­meter langen Haar versehen. Durch diese Haare erscheint die Pflanze pelzig, was ihr den Namen Wolfsklaue zugetragen hat. Die Sporophyllstände sind in gelben Ähren am Ende von aufrechten Ästen angeordnet und erscheinen von Juli bis August. Die Ähren sind aus spezialisierten Blättchen aufgebaut, in deren Achseln die Sporenbehälter sitzen. Anders als das Kraut, enthalten die Sporen wohl keine Alkaloide. Eine toxische Wirkung der Sporen ist nicht bekannt.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Lycopodii herba (syn. Herba Lycopodii, Herba Musci clavati, Herba Musci terrestris);

Bärlappkraut (syn. Erdmoos, Gürtelkraut, Hexenkraut, Moosfarn, Schlangenkraut, Schlangenmoos), das getrocknete, im Mai und Juni gesammelte Kraut. Die Droge ist giftig!
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Alkaloide:

LycopodinEnthalten sind 0,1 bis 0,4 % Alkaloide. Hauptkomponenten sind Alka­loide mit Lycopodan skelett, weiterhin in Spuren solche mit Phleg­maran -, Fawcettidan - und Lycodan skelett. In europäischen und nordamerikanischen Chemotypen ist Lycopodin das Hauptalkaloid, begleitet von Minorkomponenten. Die Zusammensetzung in Pflanzen südamerikanischer Herkunft ist komplexer; hier bilden Fawcettin und dessen Derivate den Hauptanteil der Alkaloide. Alkaloidgehalt und - spektrum verändern sich an demselben Standort über Jahre nicht.

Triterpene:

Haupttriterpen in Pflanzen japanischer Herkunft ist α-Onocerin, begleitet von Lyco­clava­tol, einem Triterpen vom Bisnoronoceran-Typ, weiterhin 21-Episerratriol, Lycoclavanol, Lycoclaninol und den 16-Oxoderivaten von 21-Episerratendiol, Diepiserratendiol, Serra­tendiol und Lycoclavanol.

Lipide:

4,06 % Fett mit 0,05 % Desmethylsterolen und Methylsterolen in Spuren in Pflanzen japanischer Herkunft.

Phenolcarbonsäuren:

Ferula- und Vanillinsäure, weiterhin Dihydrokaffeesäure und Spuren von Chlorogen­säure in Pflanzen ecuadorianischer Herkunft. Nach alkalischer Hydrolyse werden die Salze von p-Cumar-, p-Hydroxybenzoe- und Syringasäure freigesetzt.

Aliphatische Säuren. Azelainsäure.

Flavonoide. 0,2 % Flavonoide im Kraut. Identifiziert wurden das Flavonaglykon Chryso­eriol. Apigenin-4'-O-glucosid, das mit 2 Molekülen p-Cumarsäure acyliert ist, wurde isoliert.

Zucker 11,4 % Saccharose im Kraut [34].

Mineralstoffe. 0,02 bis 0,1 % Aluminium im Kraut bzw. 3,5 bis 12,6 % in der Asche [69].

ANWENDUNG
Innerlich: Verwendung zur Vermehrung der Harnabsonderung, bei Nieren- und Blasen­leiden, Koliken, Erkrankungen der Harn- und Geschlechtsorgane, Menstruations­be­schwer­den und Rheuma. In Indien gegen Impotenz.

Äusserlich: Anwendung bei Hautleiden, bei wunden und juckenden Hautpartien und nässenden Ekzemen.

Die Wirksamkeit der Droge bei den genannten Anwendungsgebieten ist gegenwärtig nicht belegt. Die Verwendung ist jedoch aufgrund der Giftigkeit bedenklich.
PHARMAKOLOGIE
Die Risiken der Droge sind im wesentlichen auf die Alkaloide zurückzuführen. Älteren Angaben zufolge ist die Vergiftungserscheinung der von Curare ähnlich. 0.2 g des Krau­tes sind für Mäuse und Frösche tödlich. Ausreichende experimentelle Belege liegen jedoch nicht vor.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Gebräuchliche Einzeldosis der Droge: Soweit nicht anders verordnet als mittlere Einzel­gabe 1,5 g Dro­ge als Einnahme. Teebereitung: 1 bis 2 Teelöffel feingeschnittene Droge werden mit kochendem Wasser übergossen und nach 5 bis 10 min durch ein Teesieb gegeben. Wenn nicht anders verordnet, wird zwei- bis dreimal täglich eine Tasse ge­trun­ken. Hinweis: Nicht über längere Zeit anwenden.
HOMÖOPATHIE
Lycopodium clavatum HAB 1 (syn. Lycopodium), die getrockneten, reifen Sporen.

Anwendungsgebiet: Entzündungen der Atemorgane, allgemeine Blutvergiftung, Folgen von Infektionskrankheiten, Entzündungen und Störungen des Leber-Galle-Systems, Ver­dau­ungs­störungen, Stoffwechselkrankheiten, Entzündungen der Harnorgane, Nieren­steine, Krampfaderleiden, chronische und akute Hauterkrankungen, Regelstörungen und Entzündungen der weiblichen Geschlechtsorgane, Alterskrankheiten, Verhaltens­stör­un­gen und Verstimmungszustände.
SONSTIGES
Unter dem Namen "Beerlap" wird die Pflanze 1539 im Kräuterbuch des Hieronymus Bock abgebildet. Als Hausmittel war die Droge seit langer Zeit geschätzt. Mitte des 16. Jh. wurde sie dann in die deutschen Apotheken eingeführt und insbesondere zur Wund­be­hand­lung, aber auch zur Pillenfertigung verwendet. Bärlapp spielte im Aberglauben der osteuropäischen Völker eine recht grosse Rolle. So sollte er die Konzeption verhindern, den Ausgang von Gerichtsprozessen günstig beeinflussen und in die Strümpfe oder ins Bett gelegt, Gliederkrämpfe vermeiden. Der Gattungsname Lycopodium setzt sich auf Grund der dicht beblätterten Zweige aus dem griechischen lykos (Wolf) und podion (Füss­chen) zusammen und drückt damit das wolfstatzenähnliche Aussehen der Pflanze aus. Auch die deutsche Bezeichnung Bärlapp nimmt darauf Bezug; clavatum (lat., keu­lenförmig) weist auf die keulenartigen Sporangienstände hin. Das Verpuffen der Bär­lappsporen an der Flamme hat der Droge auch die Bezeichnungen Blitz- oder Hexen­pulver eingebracht.
Letzte Änderung: 10.11.2011 / © W. Arnold
 
Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004.
A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2.
Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.
M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002.
H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9.
Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988.

Wikipedia

Lycopodium clavatum - Keulenbärlapp

  Ordnung
Familie
Gattung
Lycopodiales
Lycopodiaceae
Lycopodium
  Wiss. Bez. Lycopodium clavatum

Die goldfarbenen feinen Sporen wurden früher als Wundpulver, Baby-„Stupp“, zum Bestäuben von Pillen gegen das Zusammenkleben, als Blitzpulver in der Fotografie („Hexenmehl“) und für viele kultische Gebräuche genutzt. Feuerspucker benutzen es als Ersatz für Feuer­spuck­fluid, da Bärlappsporen weit ungefährlicher und weniger schädlich sind. „Spuckt“ (= zer­stäubt) man die Sporen gegen ein Flamme, so entstehen enorme Feuerbälle. Auch in der Theater- und Pyrotechnik wird Lycopodium für Feuereffekte eingesetzt. Heutzutage dient das sich geschmeidig anzu­fühlende Pulver noch immer zur Beschichtung von Kondomen.

Bärlappkraut ist giftig!

Traditionelle Medizin
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