| HEILPFLANZEN |
Linum usitatissimum - Flachs, Lein |
| Das einjährige Kraut mit himmelblauen radiären Blüten ist im Mittelmeerraum, Vorderasien und Nordafrika beheimatet. Seit der Antike angebaut und in Europa und Nordamerika eingebürgert. Pflanzenmaterial wird mommerziell aus Kulturpflanzen gewonnen. Heute wird es angebaut in Gebieten mit gemässigtem Klima. Der zarte Lein ist auch eine schöne Gartenpflanze. |
| Der Gemeine Lein ist eine einjährige Pflanze, die eine Wuchshöhe von 20 bis 100 Zentimetern erreicht. Sie besitzt eine kurze, spindelförmige Pfahlwurzel. Die stiellosen Laubblätter stehen wechselständig. Die Blätter sind dreinervig, kahl und haben einen glatten Rand. Der Blütenstand ist ein rispenartiger Wickel. Die Blüten sind gross und über zwei Zentimeter breit. Die Kronblätter sind 12 bis 15 Millimeter lang und von hellblauer Farbe mit dunklerer Aderung, selten weiss, violett oder rosa. |
| DROGEN (verwendete Pflanzenteile) |
| Die reifen, getrockneten Samen (Leinsamen; Lini semen). Auch das Öl und die Fasern werden genutzt. |
| WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE |
Die Hauptbestandteile von Leinsamen sind:
30 bis 45 % fettes Öl (darunter Linolsäure und α-Linolensäure);
- 20 bis 27 % Rohprotein;
- ca. 25 % Gesamtballaststoffe, davon 3 bis 6 % als Schleimstoffe und 4 bis 7 % als Rohfaser;
- 3 bis 5 % Mineralstoffe;
- ca. 0,7 % Phosphatide (Lecithine, Kephaline);
- Phytosterole, Lignan-Vorläufer;
- 0,01 bis 1,5 % Blausäureglykoside (Linustatin, Neolinustatin);
- Enzyme (Linamarase, Linustatinase);
- Vitamine (B1, B2 , B6, E, Nicotinsäure, Folsäure, Pantothensäure);
- Wassergehalt 5 bis 14 % .
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| Ganze oder gequetschte Leinsamen: als Quell- und Gleitmittel bei chronischer Darmträgheit und Symptomen von Reizdarm, krampfartigem Dickdarm und Divertikelentzündung. Die Schleimstoffe wirken bei Magendarmkatarrhen lindernd. Äusserlich: Leinsamen oder Leinsamenkuchen bei lokalen Entzündungen. |
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| Die Schleimstoffe führen zu einer Volumenzunahme des Dickdarminhalts, stimulieren dadurch die Peristaltik und machen den Stuhl geschmeidig. Bei Einnahme von geschroteten Samen trägt das Öl zur Reizlinderung und Gleitverbesserung bei. Übergewichtige sollten nur ganze Samen einnehmen, um eine unnötige Kalorienzufuhr zu vermeiden. Aus den cyanogenen Glykosiden wird Blausäure freigesetzt, die im Körper rasch abgebaut wird (Bildung von Rhodanid); insbesondere bei Einnahme von ganzen Samen besteht keine Vergiftungsgefahr. Die cyanogenen Glykoside werden bei hohen Temperaturen (z. B. Backen von Leinsamenmehl) zerstört. Leinsamen vermindern den Triglycerid- und Cholesterolspiegel. Antibiotische, blutzuckersenkende und antikarzinogene Effekte sind beobachtet worden. |
| ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG |
| Ein Esslöffel ganze oder geschrotete (nicht gemahlene) Samen mit 150 ml Wasser, dreimal täglich; für eine Kompresse oder einen Breiumschlag: 30-50 g Leinkuchenmehl. |
| Linum usitatissimum HAB; die frischen, oberirdischen Teile blühender Pflanzen. Anwendungsgebiet: Heuschnupfen, Harnblasenreizung. |
| Lein zählt zu den ältesten Kulturpflanzen und ist bereits im alten Ägypten verwendet worden. Die Hippokratiker benutzten die Pflanze zu medizinischen Zwecken, Theophrast beschreibt die Verwendung des Schleims im 4. Jh. v.Chr. und Hildegard von Bingen empfahl Lein zu Umschlägen. |
| Letzte Änderung: 24.10.2011 / © W. Arnold |
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Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004. |
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A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2. |
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Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg. |
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M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002. |
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H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9. |
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Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008. |
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Wikipedia; Freie Enzyklopädie. |
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L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988. |
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Ordnung
Familie
Gattung |
Malpighiales
Linaceae
Linum
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Wiss. Bez. |
Linum usitatissimum |
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In Leinsamen kann sich das giftige Schwermetall Cadium anreichern. Sie sollten daher darauf achten, Leinsamen mit nach Arzneibuch geprüfter Qualität zu kaufen. |
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Leinsamen enthalten cyanogene Glycoside (Linustatin und Neolinustatin). Diese Blausäure-Vorstufen entsprechen nach ihrer Umwandlung einer Menge von rund 50 mg Blausäure auf 100 g Leinsamen. Der geringe Wassergehalt der Samen, der zu saure pH-Wert im Magen und der Abbau durch Rhodanasen verhindert jedoch Vergiftungen bei Aufnahme normaler Mengen. Jede vorherige Erhitzung durch Backen, Kochen oder Braten zerstört die Glykoside darüber hinaus. |
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Traditionelle Medizin
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Kommission E: positive Bewertung |
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Klinische Studien: positiv |
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