HEILPFLANZEN
Lactuca virosa - Giftlattich
Lactuca virosa (syn. Lactuca altissima, L. lactucarii, L. sylvestris)

Giftlattich (syn. Giftsalat, Stinksalat)
Lactuca virosa - Giftlattich
Lactuca virosa - Giftlattich
Lactuca virosa - Giftlattich
Lactuca virosa - Giftlattich
VORKOMMEN
Mittel- und Südeuropa, Nordafrika, Nordamerika, häufig kultiviert. Als wärmeliebende Pflanze vom Mittelmeer wächst er in trockenen nährstoffreichen Stauden- und ausdauernden Unkrautfluren in Süd-, Mittel-, Westeuropa, aber auch in Osteuropa noch bis Ungarn und Polen, ebenso in Nordafrika bis Westasien. In Nordamerika ist er inzwischen eingebürgert, aber nicht so häufig.
MERKMALE
Beim Gift-Lattich handelt es sich um Pflanzen, die sowohl einjährig als auch zweijährig auftreten. Zunächst bildet er eine Blattrosette, aus der im Sommer des ersten oder zweiten Jahres ein langer Stängel mit den Blüten wächst. Nach Verteilung der Samen stirbt die Pflanze.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
1. Lactucae folium - (syn. Lactuca); Lactuca-virosa-Blätter (syn. Giftlattichblätter), die getrockneten Blätter.

2. Lactucarium germanicum - (syn. Opium frigidum); Deutsches Lactucarium (syn. Giftlattichsaft), der zur Blütezeit gesammelte, eingetrocknete Milchsaft.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
1. Lactucae folium - Sesquiterpenlactone: Lactucin und Lactucopikrin in oberirdischen Teilen blühender zweijähriger Pflanzen; das Melampolid Lactusid A in ein- und zweijährigen Pflanzen. Triterpene: α-Lactucerol (= Taraxasterol) und β-Lactucerol (= Mischung aus Triterpenen und Sterolen), β-Lactucerol überwiegend als Ester mit Essigsäure und höheren Fettsäuren (= Lactucon oder Lactucerin) im Milchsaft: β-Amyrin, Gennanicol und Taraxasterol, nach Verseifen aus Lactucarium germanicum isoliert.

2. Lactucarium germanicum - siehe Lactucae folium
PHARMAKOLOGIE
Lactusid AEs ist nicht genau bekannt, welche der Inhaltsstoffe für die in der Vergangenheit behaupteten medizinischen Wirkungen der Pflanze verantwortlich sind. Eine frühe Untersuchung der staatlichen amerikanischen Apotheken fand nur eine höchstens schwach beruhigende Wirkung. Im Hager werden neuere Laborstudien zitiert, aus denen nicht nur eine Wirkung im Mausversuch hervorgeht, sondern auch, dass es sich bei dem wirksamen Stoff um einen der wasserlöslichen Bestandteile, nicht jedoch um Lactucin, Lactucopikrin oder Jacquinelin handelt. Als wirksam erwies sich auch eine Glykosidfraktion mit dem Hauptbestandteil Lactusid A.
ANWENDUNG
1. Lactucae folium - Volkstümliche Anwendungen und andere Anwendungsgebiete: Bei Keuchhusten, Reizhusten, Dysmenorrhoe und Nymphomanie, bei Schlaflosigkeit, Unruhe und Erregbarkeit von Kindern. Die Wirksamkeit bei den genannten Indikationen ist nicht belegt.

2. Lactucarium germanicum - Lactucarium soll, ähnlich wie Opium, beim Rauchen zu Euphorie und Wohlbefinden geführt, aber auch sedierende und analgetische Effekte gezeigt haben. Experimentelle Befunde liegen nicht vor. Da in dem auf dem Markt befindlichen Produkt kein Hyoscyamin (in Lactuca sativa vorhanden) und höchstens Spuren der instabilen Bestandteile Lactucin und Lactucopikrin enthalten waren und sich Morphin nur im Nanogramm-Bereich mittels RIA nachweisen liess, wird geschlossen, dass die dem käuflichen Lactucarium zugeschrieben Wirkungen massgeblich auf das opiumähnliche Aussehen, den Geruch und den Geschmack zurückgeführt werden müssen.
AKUTE TOXIZITÄT
Giftlattichsaft in nicht bezifferter Überdosierung soll beim Menschen zu Ma­gen­druck, Erbrechen, Benommenheit, Kopfschmerzen, Schwindel, Pupillen­erweiterung, Puls­ver­min­derung, Atembeklemmung, Hautjucken und Gangstörungen führen. An anderer Stelle wird auch über Schweissausbruch, Atmungsbeschleunigung, Zunahme der Herztätigkeit, nicht näher charakterisierte Sehstörungen und gesteigertes Schlafbe­dürfnis nach Intoxikationen durch nicht genannte Mengen von Giftlattichblättem oder Lactucarium berichtet.
HOMÖOPATHIE
Lactuca virosa (syn. Lactuca); Giftlattich, die frischen, ganzen, zur Blütezeit gesammelten Pflanzen.
Anwendungsgebiet: Verdauungsschwäche mit Blähsucht, Krampfhusten, nervöse Störungen.
SONSTIGES
Lactucarium geht auf das lateinische Wort "lac", die Milch, zurück und bedeutet soviel wie "das milchig Ausgeschiedene". Die Droge wurde bereits im Altertum medizinisch verwendet und war bis Ende des 19. Jh. in Deutschland auch offizinell. Die narkotischen und dämpfenden Eigenschaften der Lactuca waren seit Pythagoras bekannt und daher wurde der Lattich auch als "Pflanze der Eunuchen" bezeichnet. Als Ersatz für Opium fand die Droge vielfältigen Einsatz, hauptsächlich wurde sie aber als Diuretikum gebraucht.
Letzte Änderung: 07.07.2010 / © W. Arnold
 
Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004.
A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2.
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M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002.
H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9.
Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988.

Wikipedia

Lactuca virosa - Giftlattich
Lactuca virosa - Giftlattich
Lactuca virosa - Giftlattich
Lactuca virosa - Giftlattich
Lactuca virosa - Giftlattich
Lactuca virosa - Giftlattich

  Ordnung
Familie
Unterfamilie
Gattung
Art
Asterales
Asteraceae
Cichorioideae
Lactuca
Gift-Lattich
  Wiss. Bez. Lactuca virosa

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts sollen immer mehr Ärzte den ge­trock­neten Milchsaft des Gift­-Lattichs (das Lactucarium) als Opiumersatz verwendet haben. Um 1847 wurde die Pflanze im Mosel­gebiet grossflächig angebaut, und das gewonnene Lactucarium von Zell über England nach U.S.-Amerika verschifft. Auch in anderen euro­päischen Ländern gab es zu dieser Zeit einen Anstieg des Anbaus von Giftlattich.

Entweder wegen der mühsamen Ernte oder aufgrund des fehlenden wissenschaftlichen Nachweises der Wirkung wurden Zubereitungen von Giftlattich schliesslich durch Opium aus Asien ersetzt.

Konkrete Vergiftungsfälle sind weder beim Menschen noch beim Tier in neuerer Zeit be­kannt ge­worden. 2 g (vermutlich p. o.) eines nicht näher charakterisierten Ex­traktes aus Giftlattichsaft sollen beim Hund letal wirken; als Vergiftungs­symptome sollen Erbrechen, Parese der Beine und schwache Krämpfe auftreten].