HEILPFLANZEN

Giftlattich - Lactuca virosa

Lactuca virosa (syn. Lactuca altissima, L. lactucarii, L. sylvestris)
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Giftlattich (syn. Giftsalat, Stinksalat)
Giftlattich
Lactuca virosa - Giftlattich
Lactuca virosa - Giftlattich
Lactuca virosa - Giftlattich
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VORKOMMEN

Der Giftlattich stammt aus Mittel- und Südeuropa, Nordafrika, Nordamerika, häufig wurde er kultiviert. Als wärmeliebende Pflanze vom Mittelmeer wächst er in trockenen nährstoffreichen Stauden- und ausdauernden Unkrautfluren in Süd-, Mittel-, Westeuropa, aber auch in Osteuropa noch bis Ungarn und Polen. In Nordamerika ist er inzwischen eingebürgert, aber eher selten.
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MERKMALE

Der Giftlattich ist eine ein- oder zweijährige, 60 bis 150 cm hohe Pflanze mit spindelförmiger Wurzel die unangenehm riecht. Die Pflanze hat einen aufrechten Stengel der rund, weisslich, oft rötlich überlaufen, kahl und im oberen Teil rispig verzweigt ist. Die Laubblätter sind kahl, bläulichgrün, steif, unterseits am Mittelnerv stachelig und am Rande fein dornig gezähnt. In einem pyramidenförmig-rispigen Gesamtblütenstand sind die Äste auf ihrer ganzen Länge mit Blütenkörben besetzt. Die hellgelbe Zungenblüten überragen die Hülle deutlich. Nach Verteilung der schwarzen Samen stirbt die Pflanze.
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DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

1. Lactucae folium - (syn. Lactuca); Lactuca-virosa-Blätter (syn. Giftlattichblätter).
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2. Lactucarium germanicum - (syn. Opium frigidum); Deutsches Lactucarium (syn. Giftlattichsaft), der zur Blütezeit gesammelte, eingetrocknete Milchsaft.
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WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

SpacerSesquiterpenlactone: Lactucin und Lactucopikrin in oberirdischen Teilen der Pflanzen; das Melampolid Lactusid A wurde in ein- und zweijährigen Pflanzen nachgewiesen. Triterpene: α-Lactucerol (= Taraxasterol) und β-Lactucerol (= Mischung aus Triterpenen und Sterolen), β-Lactucerol überwiegend als Ester mit Essigsäure und höheren Fettsäuren (= Lactucon oder Lactucerin) im Milchsaft: β-Amyrin, Gennanicol und Taraxasterol, wurde nach Verseifen aus Lactucarium germanicum isoliert.
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PHARMAKOLOGIE

Lactusid AEs ist nicht genau bekannt, welche der Inhaltsstoffe für die in der Vergangenheit behaupteten medizinischen Wirkungen der Pflanze verantwortlich sind. Eine frühe Untersuchung der staatlichen amerikanischen Apotheken fand nur eine höchstens schwach beruhigende Wirkung. Im Hager werden neuere Laborstudien zitiert, aus denen nicht nur eine Wirkung im Mausversuch hervorgeht, sondern auch, dass es sich bei dem wirksamen Stoff um einen der wasserlöslichen Bestandteile, nicht jedoch um Lactucin, Lactucopikrin oder Jacquinelin handelt. Als wirksam erwies sich auch eine Glykosidfraktion mit dem Hauptbestandteil Lactusid A.
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ANWENDUNG

1. Lactucae folium - Volkstümliche Anwendungen und andere Anwendungsgebiete: Bei Keuchhusten, Reizhusten, Dysmenorrhoe und Nymphomanie, bei Schlaflosigkeit, Unruhe und Erregbarkeit von Kindern. Die Wirksamkeit bei den genannten Indikationen ist nicht belegt.

2. Lactucarium germanicum - Lactucarium soll, ähnlich wie Opium, beim Rauchen zu Euphorie und Wohlbefinden geführt, aber auch sedierende und analgetische Effekte gezeigt haben. Experimentelle Befunde liegen nicht vor. Da in dem auf dem Markt befindlichen Produkt kein Hyoscyamin (in Lactuca sativa vorhanden) und höchstens Spuren der instabilen Bestandteile Lactucin und Lactucopikrin enthalten waren und sich Morphin nur im Nanogramm-Bereich mittels RIA nachweisen liess, wird geschlossen, dass die dem käuflichen Lactucarium zugeschrieben Wirkungen massgeblich auf das opiumähnliche Aussehen, den Geruch und den Geschmack zurückgeführt werden müssen.
Giftlattich
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Der Giftlattich ist eine stattliche Pflanze - dieses Exemplar in meinem Garten erreichte eine Höhe von über 2 Metern.
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AKUTE TOXIZITÄT

Giftlattichsaft in nicht bezifferter Überdosierung soll beim Menschen zu Ma­gen­druck, Erbrechen, Benommenheit, Kopfschmerzen, Schwindel, Pupillen­erweiterung, Puls­ver­min­derung, Atembeklemmung, Hautjucken und Gangstörungen führen. An anderer Stelle wird auch über Schweissausbruch, Atmungsbeschleunigung, Zunahme der Herztätigkeit, nicht näher charakterisierte Sehstörungen und gesteigertes Schlafbe­dürfnis nach Intoxikationen durch nicht genannte Mengen von Giftlattichblättem oder Lactucarium berichtet.
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HOMÖOPATHIE

Lactuca virosa - Giftlattich, die frischen, ganzen, zur Blütezeit gesammelten Pflanzen.
Anwendungsgebiet: Verdauungsschwäche
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SONSTIGES

GiftlattichLactucarium bezieht sich auf das lateinische Wort "lac", die Milch, und bedeutet "das milchig Ausgeschiedene". Medizinisch verwendet wurde die Droge bereits im Altertum. Die Droge war bis Ende des 19. Jh. in Deutschland auch offizinell. Vor allem als Opiumersatz fand die Droge Verwendung, meistens wurde sie aber als Diuretikum gebraucht.
Letzte Änderung: 16.07.2016 / © W. Arnold
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Spacer Spacer Heilpflanzen Spacer Spacer Spacer Spacer
 
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Spacer Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Spacer M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002.
Spacer Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.
Spacer Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
Spacer L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988.
Spacer M. Pahlow: Das grosse Buch der Heilpflanzen; Nikol Verlag, 2013.

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Spacer Wikipedia

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Lactuca virosa - Giftlattich
Lactuca virosa - Giftlattich
Lactuca virosa - Giftlattich
Lactuca virosa - Giftlattich
Lactuca virosa - Giftlattich
Lactuca virosa - Giftlattich

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  Ordnung
Familie
Unterfamilie
Gattung
Art
Asterales
Asteraceae
Cichorioideae
Lactuca
Gift-Lattich
  Wiss. Bez. Lactuca virosa

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Spacer Gegen Ende des 18. Jahrhunderts sollen immer mehr Ärzte den ge­trock­neten Milchsaft des Gift­-Lattichs (das Lactucarium) als Opiumersatz verwendet haben. Um 1847 wurde die Pflanze im Mosel­gebiet grossflächig angebaut, und das gewonnene Lactucarium von Zell über England nach U.S.-Amerika verschifft. Auch in anderen euro­päischen Ländern gab es zu dieser Zeit einen Anstieg des Anbaus von Giftlattich.

Entweder wegen der mühsamen Ernte oder aufgrund des fehlenden wissenschaftlichen Nachweises der Wirkung wurden Zubereitungen von Giftlattich schliesslich durch Opium aus Asien ersetzt.

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Spacer Konkrete Vergiftungsfälle sind weder beim Menschen noch beim Tier in neuerer Zeit be­kannt ge­worden. 2 g (vermutlich p. o.) eines nicht näher charakterisierten Ex­traktes aus Giftlattichsaft sollen beim Hund letal wirken; als Vergiftungs­symptome sollen Erbrechen, Parese der Beine und schwache Krämpfe auftreten.