| HEILPFLANZEN |
Hypericum perforatum - Johanniskraut |
Hypericum perforatum (syn. Hypericum officinarum, H. officinale, H. vulgare);

Echtes Johanniskraut (syn. Herrgottsblut, Hexenkraut, Jageteufel, Johannisblut, Konradskraut, Mannskraft, Tüpfel-Hartheu).
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| Europa und Asien; als Unkraut in Nordamerika, Südafrika und Australien eingebürgert. Ausgesuchte Linien werden angebaut. |
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| Das Echte Johanniskraut ist eine ausdauernde Pflanze mit stark verästelter, spindelförmiger, bis 50 cm Tiefe reichender Wurzel. Der 15 cm bis einen Meter hohe aufrechte Stängel ist durchgehend zweikantig und innen markig ausgefüllt (nicht hohl). Dadurch unterscheidet sich das Echte Johanniskraut von anderen Johanniskrautarten. Am oberen Stängelteil ist die Pflanze buschig verzweigt. Die oval-eiförmigen bis länglich-linealischen Blätter sind mehr oder weniger sitzend, gegenständig angeordnet. Sie werden bis 3 cm lang und sind dicht mit durchsichtigen Öldrüsen besetzt. Am Rand sind die Blätter mit schwarzen Drüsen, durchscheinend punktiert. Bei den Punktierungen handelt es sich um Ölbehälter, in denen das helle ätherische Öl der Pflanze konzentriert ist. Der Blütenstand ist eine Trugdolde. Die fünf Kelchblätter sind bis 5 mm lang, länger als der Fruchtknoten, (ei)-lanzettlich, fein grannenartig zugespitzt, mit hellen und schwarzen Drüsen. Die fünf Kronblätter sind bis 13 mm lang, nur auf einer Seite gezähnt, goldgelb, am Rande schwarz punktiert. |
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| DROGEN (verwendete Pflanzenteile) |
Hyperici flos recens (syn. Flores Hyperici recentes); Frische Johanniskrautblüten, die frischen, im Juli oder August gesammelten und von den Blütenstandsachsen getrennten Blütenknospen und Blüten.

Hyperici herba (syn. Herba Hyperici, Herba Solis, Hypericum cum flore, Sumitates Hyperici); Johanniskraut (syn. Blutkraut, Feldhopfenkraut, Tüpfelhartheu), die kurz vor oder während der Blütezeit gesammelten und getrockneten ganzen oder zerkleinerten oberirdischen Teile. |
| WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE |
Hyperici flos recens Hypericum ist reich an phenolischen Verbindungen und verschiedenen Terpenen; von besonderem Interesse sind jedoch die Substanzen Hyperforin (ein Phloroglucinderivat, ca. 0.2 %) und das Dianthron Hypericin (ca. 0.1 % ). Letzteres kommt gemeinsam mit geringen Mengen an Pseudohypericin, Protohypericin und anderen vor und ist für die rote Farbe des Öls (siehe Anwendung) verantwortlich. Ferner wurden Flavonoide mit Hyperosid (1,1 %) als Hauptkomponente und Biflavone (unter anderem Amentoflavon und Biapigenin) gefunden. Die frischen Blüten enthalten äther. Öl (ca. 0,25 %) mit aliphatischen Kohlenwasserstoffen als Hauptkomponenten.

Hyperici herba Wie oben, zusätzlich Gerbstoffe vom Catechin-Typ (ca.10 %).
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| Anscheinend sind Hypericin und Hyperforin für den beruhigenden und leicht antidepressiven Effekt verantwortlich (durch klinische Studien gestützt). Früher vermutete man eine Hemmung der MAO-Aktivität; heute hält man eher eine Hemmung der Neurotransmitter-Wiederaufnahme für plausibel. Hypericin kann bei hellhäutigen Menschen zu phototoxischen Rekationen führen (jedoch nur in sehr hoher Dosis und in Gegenwart von Sonnenlicht). Experimentell konnten auch antivirale Effekte gezeigt werden (z. B. eine Unterdrückung des HIV -1 Virus). Hyperforin ist chemisch mit den antimikrobiellen Verbindungen in Hopfen verwandt und weist gleichfalls antibakerielle Wirkung auf (wichtig für die Wundheilung). |
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Hyperici flos recens: Meist als Oleum Hyperici (Johanniskrautöl, Rotöl), einem mit Öl bereiteten Mazerat aus zerquetschten Johanniskrautblüten, das in der Regel äusserlich als Wundheilmittel zur Behandlung und Nachbehandlung von Verletzungen, Myalgien und Verbrennungen ersten Grades genutzt wird. In der Volksheilkunde kommt es auch bei rheumatischen Beschwerden und Hexenschuss zum Einsatz.

Hyperici herba: In zahlreichen Arzneifertigpräparaten, aber auch als Teedroge bei depressiven Verstimmungen, psychovegetativen Störungen und nervöser Unruhe. |
Hypericum perforatum HAB1; Johanniskraut, die ganze, frische, blühende Pflanze. Anwendungsgebiet: Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems, des Herzens, des Kreislaufs, der unteren Atemwege sowie bei Verletzungen.

Hypericum perforatum Rh HAB1; die frischen, oberirdischen Teile blühender Pflanzen. Anwendungsgebiet: anthroposophische Therapierichtung. |
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Lange Zeit galten Hypericumpräparate als fast völlig frei, von Nebenwirkungen, bis 1999 erst Berichte über die zum Teil erhebliche Abschwächung der Wirksamkeit von Cyclosporin, Amitriptylin, Digoxin und anderen erschienen. In Deutschland hat das Bundesinstitut für Arzneimittel ziemlich rasch reagiert (übrigens auch einige Hersteller) und eine Anhörung zur Abwehr von Arzneimittelrisiken, Stufe II, eingeleitet. Demnach sollen Hypericumpräparate nicht zusammen mit
- Cumarinartigen gerinnungshemmenden Mitteln (z.B. Phenprocoumon u.ä. )
- Ciclosporin
- Digoxin
- Indinavir und anderen Protease-Hemmstoffen in der Anti-HIV-Behandlung angewendet werden.
In Einzelfällen wurden Wechselwirkungen auch mit Theophyllin, oralen Kontrazeptiva, Amitriptylin und anderen beobachtet. Die Ursache dieser Interaktionen wird in einer Induktion von CYP450-Isoenzymen durch Hypericum-Inhaltsstoffe gesehen, auch eine Stimulierung der P-Glykoproteine wird vermutet. Nicht angewendet werden sollen Hypericum-Präparate bei Anwendung von intensiver UV-Bestrahlung (Höhensonne, Solarien, längere Sonnenbäder), da Hypericine photosensibilisierend wirken. |
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| Hypericum ist der Pflanzenname bei Plinius und hypericón bei Dioskurides. Der Artname perforatum (lat., durchlöchert) nimmt Bezug auf die durchscheinend punktierten Blätter. Der deutsche Name Johanniskraut wurde gewählt, weil die Pflanze um Johanni in voller Blüte steht. Mit dem Namen Hartheu wird auf die harten Stengel verwiesen, die kein gutes Heu geben. Als Heilpflanze ist Johanniskraut seit dem frühen Altertum bekannt und fehlt auch in den Kräuterbüchern des Mittelalters nicht, wobei die Indikationen wechselten; allerdings steht die Anwendung in der Wundheilung meist im Vordergrund. Im Volksglauben galt Johanniskraut lange Zeit auch als Mittel gegen Zauberei und Anfechtungen des Teufels. |
| Letzte Änderung: 16.02.2009 / © W. Arnold |
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Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004. |
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A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2. |
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Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg. |
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M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002. |
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H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9. |
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Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008. |
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Wikipedia; Freie Enzyklopädie. |
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L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988. |
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Ordnung
Familie
Gattung
Art |
Malpighiales
Hypericaceae
Hypericum
Echtes Johanniskraut
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Wiss. Bez. |
Hypericum perforatum |
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Verwechslungen: Verwechslungsgefahr besteht mit den nahe verwandten Species H. hirsutum, H. maculatum (am häufigsten), H. montanum und H. tetrapterum. Diese Arten kommen sehr oft vergesellschaftet mit der offizinellen Art vor und neigen auch zur Bastardisierung, sind aber makroskopisch von H. perforatum zu unterscheiden. |
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Bei milder bis mittelschwerer Depression ist die klinische Wirksamkeit vielfach nachgewiesen. |
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