Kanadische Gelbwurz - Hydrastis canadensis

Hydrastis canadensis; Kanadische Gelbwurz (syn. Goldsiegelwurz, Orangenwurzel).

Kanadische Gelbwurz - Hydrastis canadensis

Kanadische Gelbwurz - Hydrastis canadensis

VORKOMMEN

Die Kanadische Orangenwurzel kommt im warmen bis gemässigten östlichen Nordamerika in sommergrünen Laubwälder in Höhenlagen bis 1200 Meter vor. Sie wächst oft auf Lehmböden.

MERKMALE

Die Knanadische Gelbwurz ist eine kleine, etwa 30 cm hohe Staude. Das Rhizom ist unregelmässig, knotig, hellgelb, etwa 5 cm lang, ca. 1 cm dick und bis zu 30 cm langen Wurzeln, die leicht abbrechen. Das Rhizom enthält in frischem Zustand einen gelben Saft. Der Stengel ist aufrecht, zylindrisch und behaart. Die Blätter sind dunkelgrün und ebenfalls behaart. Das Grundblatt ist lang gestielt, 5 bis 7fach fingerförmig gelappt und 10 bis 20 cm im Durchmesser. Die beiden Stengelblätter in der Form ähnlich aber meist kleiner als das Grundblatt. Die Blüten sind endständig auf 2 cm langen Stielen angeordnet. Die Sammelfrucht bestehen aus 12 kleinen, saftigen Beeren, die zur Fruchtreife hochrot gefärbt sind.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Rhizoma Hydrastis (syn. Hydrastis); Hydrastisrhizom, Kanadische Gelbwurz.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Der Alkaloidgehalt des Rhizoms schwanken zwischen 2.0 und 7,0 %. Hauptinhaltsstoffe der Droge sind Berberin , bis 4,5 % im Rhizom sowie (-)-Hydrastin.
Weitere Protoberberine: Etwa 0,5 % (-)-Canadin (=Tetrahydroberberin) , 2,0 bis 3,0 % (+)-Berberastin, (-)-Corypalmin, und (-)-Isocorypalmin.
Ausserdem weitere Phthalidisochinoline: Hydrastidin und Isohydrastidin. Benzylisochinoline: (+)-Canadalin.
Durch oxidativen Abbau von Hydrastin entstehen das Isochinolin Hydrastinin und Meconin.

Hydrastin, Berberin - Inhalststoffe des Kanadischen Gelbwurz

PHARMAKOLOGIE

Die Wirkungen der Droge sind auf jene der Hauptalkaloide Berberin und Hydrastin zurückzuführen. Im Vordergrund steht die Wirkung des Hydrastins, das peripher erregend und am Uterus gefässverengend und blustdrucksteigernd wirkt. Nach Hager kann durch 1 bis 2 g Hydrastintartrat beim Menschen jede Blutung gestoppt werden. Neuere pharmakologische Untersuchungen liegen jedoch weder für die Droge, noch für Hydrastin vor.
Für Berberin sind (unter anderem) antiarrhythmische und antibiotische Wirkungen nachgewiesen.

ANWENDUNG

Anwendungsgebiete nach ESCOP:
Verdauungsstörungen (dyspeptische Beschwerden) und Magenschleimhautentzündung; Unterstützend bei Menorrhagie ( zu starke und zu lange andauernde Menstruation) und Dysmenorrhö (Regelschmerzen).

Volkstümliche Anwendungen:
Spacer
Äusserlich: Ethanolische Drogenextrakte werden bei der Behandlung von Ekzemen und Akne sowie bei Aphthen der Mundhöhle eingesetzt. In Nordamerika wurde die Ganzdroge bei Entzündungen des Rachenraumes gekaut. Die Droge wird für Spülungen bei starken Regelblutungen und Hämorrhoiden verwendet. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit und Dosierung fehlen.
Spacer
Vom äusserlichen Gebrauch muss generell abgeraten werden, da eine Überdosierung zu Geschwürbildung führen kann.
Spacer
Innerlich. Der Fluidextrakt wird bei Eierstock-, Uterus- und Magenkrebs angewendet, sowie bei starken menstruellen Blutungen und zum Stillen anderer Blutungen. Die Wirksamkeit bei den genannten Indikationen ist nicht belegt.
Spacer
Gegenanzeigen: Bluthochdruck.

Die Droge und ihre Zubereitungen sind apothekenpflichtig.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Nur in Form eines Fluidextraktes.

STATUS

HOMÖOPATHIE

Goldsiegelwurzel, die getrockneten unterirdischen Teile die mindestens 3 % Alkaloide enthalten.
Anwendungsgebiet: bei Entzündungen des Mund- und Rachenraumes, der oberen und unteren Atemwege, des Magen-Darm-Traktes, der Leber und Galle, der Bauchspeicheldrüse sowie der weiblichen Geschlechtsorgane.
Spacer
In vielen homöopathischen Tropfen und Tabletten enthalten, oft kombiniert (je nach Anwendung) mit z.B. Schierling, Herbstzeitlose, Mistel, Königskerze, Knoblauch, Osterluzei, Gottesgnadenkraut, Rosskastanie, Hamamelis oder Gänseblümchen.

SONSTIGES

Der Kanadische Gelbwurz ist ein altes Indianerheilmittel, das teils medizinisch verwendet wurde, teils als färbende Droge zum Bemalen der Haut diente.

Letzte Änderung: 19.11.2017 / © W. Arnold