HEILPFLANZEN
Gentiana lutea - Gelber Enzian
Gentiana lutea (syn. Asterias lutea, Swertia lutea); Gelber Enzian;
Gentiana lutea - Gelber Enzian
Gentiana lutea - Gelber Enzian
Gentiana lutea - Gelber Enzian
VORKOMMEN
Mittel- und südeuropäische Gebirge, z.B. Pyrenäen, Alpen, Jura, Vogesen, Schwarz­wald, Apennin, Sardinien, Korsika, Balkan, Karpaten. Die Pflanze steht unter Arten­schutz. Für arzneiliche Zwecke angebaut in Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien, Rumänien und Russland.
MERKMALE
Mehrjährige, bis 1,5 m hohe Pflanze mit mächtigem Wurzelstock, grossen parallel­ner­vigen Blättern und kräftigen Blütentrieben mit gelben Blüten, die in Trugdolden in den Achseln von schalenförmigen Tragblättern stehen. Mehrere Enzianarten wurden kom­mer­ziell als Drogenquelle genutzt, darunter G. purpurea, G. punctata, G. pannonica, G. asclepiadea, G. cruciata und G. scabra.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Gentianae radix (syn. Radix Gentianae); Enzianwurzel (syn. Bitterwurzel, Fieberwurzel, Hochwurzel), die getrockneten, unterirdischen Organe der Pflanze;
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Von besonderem Interesse sind die äusserst bitteren Secoiridoide mit Gentiopicrosid (=Gentiopicrin) als Hauptwirkstoff (2-3%) sowie geringeren Mengen an Swertiamarin und Swerosid. Der bittere Geschmack geht haupt­sächlich auf Amarogentin zurück; es ist zwar eine Nebenkomponente (nur bis zu 0,084% TG!), hat aber einen Bitterwert von 50000000 - eine der bittersten bekannten Substanzen. Ferner kommen Xanthone wie Gentisin, Isogentisin und Gcntiosid vor, denen die Wurzeln ihre typisch gelbe Färbung verdanken; ausserdem Phytosterole, Phenolcarbonsäuren, Trisaccha­ride (Gentianose) und Polysaccharide (Pektin).
Amarogentin

Gentiopicrosid

Swertiamarin
PHARMAKOLOGIE
Die bitteren Substanzen regen die Geschmacksknospen an und führen reflektorisch über den Nervus vagus zum Speichel-, Magensaft- und Gallenfluss. Ausserdem zeigen Enzian­extrakte antimikrobielle und immunmodulierende Eigenschaften.
ANWENDUNG
Bei Magenbeschwerden infolge geringer Magensaftproduktion, zur Appetitanregung, Ver­dauungsbeschwerden, Völlegefühl, Blähungen. In der Volksheilkunde wird die Droge vor allem bei Magen-Darm-Beschwerden verwendet, aber auch als Bestandteil von Tonika (z.B. im Schwedenbitter) und Magentees. Die Wirksamkeit gegen Fieber konnte nicht nachgewiesen werden. Besonders in den Alpen und im Jura wird die Droge zur Herstellung von Enzian-Branntwein (Enzler) verwendet. Dabei werden die Zucker der frisch geernteten Wurzel vergoren, der Branntwein wird als Destillat gewonnen. Die Bitterstoffe spielen dabei keine Rolle, da sie nicht ins Destillat übergehen. Aperitif-Getränke (Alpenbitter) enthalten Drogen-Extrakte, meist im Gemisch mit anderen Bitter­stoffdrogen.
HOMÖOPATHIE
Gentiana lutea HAB1, die frischen, unterirdischen Teile.
Anwendungsgebiet: Verdauungsstörungen.
SONSTIGES
Die medizinische Verwendung der Enzianwurzel als Bittermittel geht bis in die römische Kaiserzeit zurück. Im 15. Jh. wurde die Wurzel als Quellstift zur Erweiterung von Wund­ka­nälen gebraucht und erst im 19. Jh. durch die stärker quellenden Laminariastifte ver­drängt. Wie andere bitteren Drogen galt Enzian früher als Fiebermittel. Nach Dioskurides soll der Gattungsname nach dem illyrischen König Gentis benannt worden sein, der sie als Mittel gegen Pest empfohlen haben soll. Die verschiedenen Artnamen der Gattung weisen meist auf äussere Besonderheiten hin, z.B. asclepiadea (Asclepias-ähnlich) oder lutea (gelbblühend). Ausführlich beschrieben und empfohlen, besonders bei Magen- und Leberleiden, wird der Enzian von Dioskurides und Plinius, wobei Plinius berichtet, dass der beste Enzian in Illyrien wächst. Es kann als sicher angenommen werden, dass es sich um den gelben Enzian gehandelt hat. Galen empfahl ihn besonders als Mittel gegen Gicht. Auch die Kräuterbücher des Mittelalters widmen dem Enzian breiten Raum und empfehlen ihn geradezu als Universalmittel, wobei allerdings die Meinung, dass bittere Arznei prinzipiell besonders wirksam sei, einst weit verbreitet war.
Letzte Änderung: 24.01.2011 / © W. Arnold
 
Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004.
A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2.
Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.
M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002.
H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9.
Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988.


Wikipedia


Gentiana lutea - Gelber Enzian
Gentiana lutea - Gelber Enzian
Gentiana lutea - Gelber Enzian


  Ordnung
Familie
Gattung
Gentianales
Gentianaceae
Gentiana
  Wiss. Bez. Gentiana lutea


Gentiana lutea ist geschützt. Nicht blühend ist der Gelbe Enzian leicht mit dem Weissen Germer zu ver­wech­seln, dessen Blätter aber drei­zeilig wechselständig angeordnet sind.


Zur Herstellung des Enzianschnap­ses wird vor allem Gentiana lutea verwendet und gezielt angebaut, seltener die anderen hochwüchsigen Arten, zum Beispiel Gentiana punc­tata, da sie von allen Enzian-Arten den stärksten Gehalt an Bitterstoffen hat. Ein Extrakt schmeckt noch in einer wässrigen Verdünnung von 1:200.000 deutlich bitter.

Da bei Magen- und Zwölffingerdarm­geschwüren die Anregung der Magen­säureproduktion das Krank­heits­bild verschlechtert, ist die An­wendung von Enzianzubereitungen kontraindiziert.