HEILPFLANZEN
Galanthus nivalis - Gemeines Schneeglöckchen
Gemeines Schneeglöckchen (syn. Kleines Schneeglöckchen, Lausblume, Lausbüschel, Schneeguckerchen, Schneekater)
Galanthus nivalis - Gemeines Schneeglöckchen
Galanthus nivalis - Gemeines Schneeglöckchen
VORKOMMEN
Das Kleine Schneeglöckchen kommt in Frankreich, Italien, auf dem Balkan, in Öster­reich und der Schweiz, in Südwest-Deutschland, in Süd-Polen und in der West-Ukraine in Laubwäldern in Höhenlagen von meist 300 bis 600 (100 bis 1400) Meter vor. Es ist bevorzugt auf Kalk zu finden. Im nördlichen Mitteleuropa und in Nordamerika wurde diese Art eingebürgert.
MERKMALE
Kleine Zwiebelpflanze mit linealischen graugrünen Blättern und hängenden, weissen Einzelblüten. Es existieren mehrere Arten, die gelegentlich hybridisieren. Galanthus nivalis und Galanthus woronowii (Kaukasisches Schneeglöckchen) dienen zur Gewin­nung von Drogenmaterial.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Galanthi bulbus - Schneeglöckchenzwiebel.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
LycorinIn allen Teilen der Pflanze kommen Amaryllidaceen-Alkaloide vor, und zwar vom Crinin-Typ (Haemanthamin), vom Galanthamin-Typ (Galanthamin, Narwedin und Niva­lidin, letzteres vermutlich bei der Isolierung aus Galan­thamin hervorgehend), vom Lycorenin-Typ (Hip­peastrin, Magnarcin, Masonin und Nivalin), vom Lycorin-Typ (Ga­lanthin, Lycorin und Nartazin), vom Narciclasin-Typ (Nar­ciclasin), und vom Pretazettin-Typ (Tazettin, vermutlich bei der Isolierung durch Umlagerung aus dem nativen Pre­ta­zettin entstehend). Der Alkaloidgehalt wird, bezogen auf das Trockengewicht, für die unterirdischen Teile mit 0,2 bis 1,6 %, für die oberirdischen Teile mit 0,05 bis 1,4 % angegeben. Sowohl der Alkaloid­ge­halt als auch die Mengenverhältnisse der einzelnen Alkaloide zueinander werden stark vom Chemotyp sowie den Boden- und Klimafaktoren bestimmt. Aus den Zwiebeln wurde ein tetrameres Lectin isoliert (Molgewicht ca. 50'000).
ANWENDUNG
Das isolierte Alkaloid Galanthamin wird zur symptomatischen Behandlung von neuro­musku­lären Erkrankungen wie Neuritis und Neuralgie, ferner bei Myasthenia gravis (krank­hafter Muskelschwäche) und Kinderlähmung (Poliomyelitis) verwendet. Von grösserer Bedeutung ist jedoch die Anwendung bei Alzheimer; Galanthaminhaltige Arzneimittel sind mittlerweile in den meisten Ländern in der Alzheimertherapie zu­gelassen.
PHARMAKOLOGIE
GalanthaminAlzheimer (eine der häufigsten Formen von Alters­de­menz, die unter anderem zu Gedächtnisverlust führt) beruht teilweise auf einem Acetylcholinmangel in bestimmten Himbereichen. Acetylcholinesterase baut Acetylcholin, einen der wichtigsten Neurotransmitter, ab. Galanthamin trägt durch eine Hemmung des Enzyms anscheinend zur Normalisierung des Acetyl­cholinspiegels bei. Lycorin besitzt antivirale Eigen­schaften
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Die Droge wird therapeutisch nicht verwendet. Eingesetzt werden wässrige Lösungen von Galanthaminhydrobromid zur i. v., seltener zur i. m. oder s. c. Injektion. Dosierung 0,15 bis 0,35 mg/kg. Galantamin ist auch in Form von Kapseln im Handel (Reminyl®). Es ist in der Schweiz seit dem Jahr 2000 zugelassen.
Letzte Änderung: 04.11.2011 / © W. Arnold
 
Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004.
Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.
M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002.
Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988.

Wikipedia
J. Lewis: Amaryllidacae alkaloids (PDF, 605 KB)

Galanthus nivalis - Gemeines Schneeglöckchen

  Ordnung
Familie
Gattung
Asparagales
Amaryllidaceae
Galanthus
  Wiss. Bez. Galanthus nivalis

Das Kleine Schneeglöckchen wird verbreitet als Zierpflanze in Gärten und Parks genutzt. Besonders in alten Obstgärten und auf Kirchhöfen ist es verwildert und hat sich einge­bür­gert. Die Art ist seit spätestens 1568 in Kultur. Es gibt zahlreiche Sorten.

Galanthus-Arten stehen unter Natur­schutz und sind in der Roten Liste unter den potentiell gefährdeten Pflan­zen aufgeführt (gültig für Deut­schland, Österreich, Schweiz, Italien, Tschechoslowakei, Ungarn, Jugo­slawien).

Droge und Alkaloide sind sehr giftig und nicht zur Selbstmedikation ge­eignet.

Moderne Medizin
Klinische Studien positiv für Galanthamin.