| HEILPFLANZEN |
Fragaria vesca - Walderdbeere |
| Fragaria vesca (syn. Fragaria botryformis, F. hortensis, F. minor, F. nemoralis, F. portentosa, F. silvestris); Walderdbeere. |
| Fast im ganzen gemässigten Eurasien. Nördlich bis Island, Nordskandinavien und die Kola-Halbinsel, südlich bis zum Mittelmeer und zum Schwarzen Meer, östlich bis zum Baikalsee. Weitverbreitet auf Waldschlägen und in Lichtungen, in Wäldern, Gebüschen, Hecken, auf Wiesen, Geröllhalden, an Dämmen und Böschungen. Von der Ebene bis zur oberen Waldgrenze, vereinzelt auch in der alpinen Stufe bis etwa 2200 m. Die Walderdbeere kommt auf allen Bodenunterlagen vor, mit Vorliebe auf mässig trockenem Humus. |
| Mehrjährige, niedrige Pflanze mit zahl-reichen oberirdischen Ausläufern, die sich an den Knoten bewurzeln und Tochterpflanzen bilden. Die 3-zähligen Blätter sind am Rand gezähnt und auf der Unterseite seidig behaart. Aus den kleinen weissen Blüten entwickeln sich die kleinen, essbaren roten Früchte (fleischige Sammelfrüchte). Zahlreiche Gartensorten wurden gezüchtet. |
| DROGEN (verwendete Pflanzenteile) |
| Fragariae folium (syn. Folia Fragariae); Erdbeerblätter (syn. Erbelblätter, Rotbeerblätter, Walderdbeerblätter), die getrockneten, während der Blütezeit im Mai und Juni gesammelten Blätter. |
| WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE |
Erdbeerblätter haben einen hohen Gehalt an kondensierten Gerbstoffen und Ellagitanninen wie Agrimoniin und Pedunculagin. Gefunden wurden ferner Proanthocyanine (isoliert wurde bisher lediglich das als Gerbstoffvorstufe geltende dimere Procyanidin B-3), Flavonoide (Quercetin, Quercitrin, Rutin) und Phenolcarbonsäuren (Salicylsäure, Kaffeesäure, Chlorogensäure).

Chromatografische Untersuchungen deuten auf das Vorkommen von Agrimoniin. Die Rhizome haben einen hohen Gerbstoffgehalt (etwa 10%). Säuren, Zucker und Pektine sind in den reifen Früchten enthalten.
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| Blätter und Rhizome werden traditionell als mildes Adstringens bei Durchfall und Mundschleimhautentzündungen (zum Gurgeln) genutzt. Blätter und Früchte werden traditionell bei zahlreichen Indikationen eingesetzt und gelten als harntreibend (bei Harnwegsleiden), antirheumatisch, kühlend und beruhigend. Junge Blätter wurden als Ersatz für Schwarztee verwendet und dienen gelegentlich als Fülldroge in Arzneikräutertees. Die Früchte werden in Teemischungen und Likören genutzt. |
| Gerbstoffe und oligomere Proanthocyanidine können mit etlichen Proteinen (Enzymen, Rezeptoren, Transportern) nicht-kovalente Bindungen bilden und wirken deshalb adstringierend, antimikrobiell, antioxidativ und entzündungshemmend. Daher erscheint die Anwendung der Droge bei Durchfall und Schleimhautentzündungen plausibel. Experimentelle Untersuchungen liegen jedoch nicht vor. |
| ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG |
Tee: 1 g zerschnittene Blätter auf 1 Tasse kochendes Wasser, mehrmals täglich.
Äusserliche Anwendung: Abkochung einer Handvoll Blätter als Gurgelmittel bei Halsentzündungen.
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Fragaria vesca HAB34, die reifen Früchte.
Anwendungsgebiet: Nesselsucht. |
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| In der Antike war die Erdbeere als Heilpflanze unbekannt. Auch in den mittelalterlichen Kräuterbüchern wird sie nur vereinzelt aufgeführt. Grosse Beachtung fand sie dagegen in der Volksmedizin und im Volksglauben. In zahllosen Mythen, Sagen und Märchen spielt die Walderdbeere eine Rolle. In der germanischen Mythologie ist die Walderdbeere mit der Göttin Frigga verknüpft. Sie soll die toten Kinder in Erdbeeren versteckt haben, um sie dann unentdeckt mit nach Walhall nehmen zu können. Dieser Glaube hat sich später auf die Gottesmutter Maria übertragen. Legenden behaupten, dass Maria einmal im Jahr vom Paradies auf die Erde herabsteige, um dort Erdbeeren für die verstorbenen und nun im Paradies lebenden Kinder zu sammeln. Für einige Regionen wird daher überliefert, dass eine Frau, der ein Kind verstorben sei, daher keine Erdbeeren essen solle. Erdbeeren tauchen in einem der von den Gebrüdern Grimm gesammelten Märchen auf: In „Die drei Männlein im Walde“ lässt die böse Stiefmutter die Heldin nur mit einem Papierkleid bekleidet mitten im tiefsten Winter nach Erdbeeren suchen. Ihre Suche führt sie zu den drei Männlein, die die Heldin aufgrund ihrer Hilfsbereitschaft belohnen. |
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| Letzte Änderung: 08.12.2012 / © W. Arnold |
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Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004. |
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A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2. |
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Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg. |
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M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002. |
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H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9. |
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Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008. |
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Wikipedia; Freie Enzyklopädie. |
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L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988. |
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Ordnung
Familie
Gattung |
Rosales
Rosaceae
Fragaria
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Wiss. Bez. |
Fragaria vesca |
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Walderdbeeren sind seit langer Zeit ein Symbol der Weltlust, der Verlockung und der Sinnenfreude. Das Christentum hat der Walderdbeere eine zweite Bedeutung beigemessen. Sie ist die Pflanze mit den rosenförmigen Blüten, die keine Dornen ausbildet, deren Beeren ohne Kern und Schale sind, die gleichzeitig fruchtet und blüht. Sie wurde daher zum Sinnbild der Rechtschaffenheit und zur Begleitpflanze von Maria auf mittelalterlichen Tafelgemälden. Wenn daher auf einem Gemälde der christlichen Kunst eine blühende Erdbeerpflanze auftaucht, ist sie ausserdem als Allegorie frommer und guter Gedanken zu verstehen. |
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Igel zählen zu den Tieren, die im Sommer die Früchte der Walderdbeere fressen und damit zu ihrer Verbreitung beitragen. |
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Erdbeerblätter können bei Personen mit Allergie gegen Erdbeerfrüchte Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen. |
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Traditionelle Medizin
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