HEILPFLANZEN
Filipendula ulmaria - Ulmenblättriges Mädesüss
Filipendula ulmaria (syn. Spiraea ulmaria, Ulmaria palustris, U. pentapetala);

Mädesüss (syn. Johanniswedel, Krampfkraut, Rüsterstaude, Sumpf-Spirä, Wiesengeissbart, Wiesenkönigin, Wiesenspierstaude, Wurmkraut, Ziegenbart).
Filipendula ulmaria - Ulmenblättriges Mädesüss
Filipendula ulmaria - Ulmenblättriges Mädesüss
Filipendula ulmaria - Ulmenblättriges Mädesüss
Filipendula ulmaria - Ulmenblättriges Mädesüss
VORKOMMEN
Europa und Asien, in Nordamerika eingebürgert; Drogenmaterial aus Wildsammlungen.
MERKMALE
Bocksbart ist eine ausdauernde Staude, die einen kräftigen Wurzelstock treibt. Die Laub­blätter sind unterbrochen gefiedert, d. h. grössere Fiederblättchen wechseln oft mit klei­neren an der Blattspindel ab. Die Fiederblättchen haben eine sehr ausgeprägte fiede­rige Nervatur und sind oft oben etwas rot überlaufen und unterseits silbrig behaart. Die Stengel werden bis über 1 m hoch und sind oft auch rötlich überlaufen. Die Blüten sind klein, weiss, mit 5 Kelch- und 5 Kronblättern und vielen Staubgefässen und stehen in trugdoldigen Blütenständen. Blütezeit Juni-August.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
1. Spiraeae flos (syn. Flores Reginae prati, Flores Spiraeae ulmariae, Flos Spiraeae, Flos Ulmariae, Ulmariae flos); Mädesüssblüten (syn. Spierblumen, Spierstaudenblüten, Sumpf­spierblüten), die getrockneten Blüten.

2. Spiraeae herba (syn. Herba Barbae caprae, Herba Reginae prati, Herba Spiraeae ulmariae); Mädesüsskraut (syn. Spierkraut, Spierstaude, Sumpfspierkraut), die getrockneten oberirdischen Teile blühender Pflanzen.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
SpiraeosidDrei Substanzgruppen sind von medizi­nischem Interesse: Die Droge ist reich an Flavonoiden (bis zu 6% in den Blüten) mit Spiraeosid (= Kämpferol-4'-glucosid), Rutin, Hyperosid und anderen Flavonol­glyko­siden. Es sind bis zu 20% Gallo- und Ella­gitannine enthalten (Ester der Gallussäure; Di- und Trigalloylreste mit Glucose, z. B. Rugosin D). Das ätherische Öl enthält viel Methyl­salicylat und Salicylaldehyd; beide Verbindungen liegen in der intakten Pflanze als entsprechende Glykoside vor (etwa 0,5%; z.B. Spiraein und Monotropitin).
PHARMAKOLOGIE
Gerbstoffe können mit etlichen Proteinen (Enzymen, Rezeptoren, Transportern) nicht kovalente Bindungen eingehen und wirken deshalb adstringierend, antimikrobiell, anti­oxidativ und entzündungshemmend. Diese Effekte werden möglicherweise durch die Flavonoide verstärkt. Salicylate hemmen über die Cyclooxygenase die Bildung von den an Entzündungsprozessen beteiligten Prostaglandinen. Wahrscheinlich werden Spiraein und Monotropin (analog zu Salicin) in Darm und Leber hydrolysiert, wodurch das Pro-Phar­makon in den Wirkstoff umgewandelt wird. Die schmerzstillenden, entzünd­ungs­hemmenden und antirheumatischen Eigenschaften der Droge erscheinen deshalb plausibel.
ANWENDUNG
Zur unterstützenden Behandlung von Erkältungs­krankheiten, bei fiebrigen Erkältungs­krankheiten zur Schwitzkur, zur Erhöhung der Harnmenge. In der Volksheilkunde wird die Droge weiterhin bei Blasen- und Nierenleiden, bei Magenerkrankungen und zur Wundheilung benutzt.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Tee: 4-6 g Droge, dreimal täglich. Die pulverisierte Droge oder Extrakte sind Bestandteil von Kräutertees, Tabletten und Tinkturen. Mädesüss ist Bestandteil von einigen Erkältungstees.
HOMÖOPATHIE
Filipendula ulmaria HAB1 (syn. Spiraea ulmaria), die frischen, unterirdischen Teile blühender Pflanzen.
Anwendungsgebiet: Rheumatismus, Schleimhautentzündungen.
SONSTIGES
Der Gattungsname setzt sich aus den lateinischen Worten filum (Faden) und pendulus (hängend) zusammen, während die Artbezeichnung ulmaria von ulmarius (ulmenartig) einst als Übersetzung der deutschen Rüsterstaude eingeführt wurde. Im 16. und 17. Jh. nannte man die Pflanze hauptsächlich Bocks- oder Geissbart.
Letzte Änderung: 25.01.2012 / © W. Arnold
 
Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004.
A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2.
Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.
M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002.
H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9.
Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988.

Wikipedia

Filipendula ulmaria - Ulmenblättriges Mädesüss
Filipendula ulmaria - Ulmenblättriges Mädesüss
Filipendula ulmaria - Ulmenblättriges Mädesüss
Filipendula ulmaria - Ulmenblättriges Mädesüss

  Ordnung
Familie
Gattung
Art
Rosales
Rosaceae
Filipendula
Echtes Mädesüss
  Wiss. Bez. Filipendula ulmaria

Aus den Blüten kann man einen aromatischen Tee herstellen; die Wurzel und die Triebe gelten als essbar. Alle Pflanzenteile, insbe­sondere die Blüten, eignen sich zum Aromatisieren von Süss- und Frucht­speisen sowie Getränken, denen sie einen süsslich-herben Geschmack verleihen.


Tradit. Medizin, Pharma
Kommission E: positive Bewertung