Rundblättriger Sonnentau - Drosera rotundifolia

Drosera rotundifolia (syn. Drosera septentrionales, Rorella rotundifolia, Rossolis septentrionalis); Rundblättriger Sonnentau (syn. Sonnentau, Himmelstau).
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Drosera intermedia; Mittlerer Sonnentau.
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Drosera anglica (syn. Drosera longifolia); Langblättriger Sonnentau.
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Drosera binata; Australischer Sonnentau.
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Drosera ramentacea (syn. Drosera madagascariensis); Afrikanischer Sonnentau (syn. Kap-Sonnentau, Madagaskar-Sonnentau).

Drosera rotundifolia - Rundblättriger SonnentauSonnentau - Drosera rotundifolia

Drosera intermedia - Mittlerer SonnentauMittlerer Sonnentau - Drosera intermedia

Drosera anglica - Langblättriger SonnentauLangblättriger Sonnentau - Drosera anglica

Drosera binata - Australischer SonnentauAustralischer Sonnentau - Drosera binata

VORKOMMEN

Der Rundblättrige Sonnentau ist fast überall auf der nördlichen Halbkugel zu finden, von Europa über Asien bis Nordamerika und sogar in Alaska und Grönland ist die Pflanze beheimatet. Die Pflanze braucht vollsonnige Standorte auf nassen, nährstoffarmen und kalkfreien Böden mit einem pH-Wert zwischen neutralen 7 und sauren 3. So wächst die Pflanze in der Regel in Mooren oder Feuchtgebieten, wo sie sich in Torfmoosteppichen oder als Pionierpflanzen auf regelmässig freigelegten Torf- und Tonböden findet.

MERKMALE

Der Sonnentau ist eine insektenfressende, 5–12 cm hoche Pflanze. Die Blätter sind grundständig, horizontal ausgebreitet, mit rundlicher Spreite und meist behaartem, 1-3 cm langen Stiel. Die Spreite ist mit lang gestielten, klebrigen Drüsen, die dem Fang und der Verdauung kleiner Insekten dienen ausgestattet. der Stängel ist blattlos, aus der Mitte der Rosette senkrecht aufsteigend. Die Blüten sind 4-6 mm lang, weiss, in endständigem, oft verzweigtem, wenigblütigem Blütenstand. Die Kapseln überragen den Kelch.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Droserae herba (syn. Herba Droserae, Herba Rorellae, Herba Roris solis); Sonnentaukraut (syn. Herrgottslöffel, Sonnenkraut), die getrocknete, während der Blütezeit gesammelte ganze Pflanze.

Da alle Sonnentauarten in Europa vom Aussterben bedroht sind, stehen sie heute unter strengem Naturschutz. Es gilt fat überall ein Sammelverbot. Als Ersatzdroge wird deshalb Droge aus afrikanischen Wildbeständen angeboten (D. ramentacea, D. madagascariensis und D. peltata).

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Alle Drosera-Arten enthalten 1,4-Naphthochinonderivate, allerdings in sehr unterschiedlicher Menge und Zusammensetzung.
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Drogen, die von D. Ramentacea (= D. madagascariensis) stammen (derzeit der grösste Anteil in Mitteleuropa), enthalten 0.006—0.06% Naphthochinone, vorwiegend 7-Methyljuglon. Daneben kommt Ramenton (= 2-Methylnaphthazarin ) vor und Spuren von Plumbagin und Biramentaceon.
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Drogen von Drosera peltata enthalten 0.3-0.6% Naphthochinone, vor allem Plumbagin, daneben dürften kleine Mengen Droseron und 8-Hydroxydroseron vorkommen.
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Drosera rotundifolia enthält ca. 0,5 % Naphthochinonderivate mit dem Hauptnaphthochinon Ramentaceon (7-Methyljuglon ), daneben Plumbagin; in der frischen Pflanze liegen diese als 7-Methylhydrojuglon-4-β-D-glucosid (Rossolisid) bzw. als Hydroplumbagin-4-β-D-glucosid vor. Weitere gefundene Verbindung ist Plumbagin-5-O-glucosid.
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Einige Drosera-Arten enthalten Isoshinanolon (= 3-Methyl-4,8-dihydroxy-1-tetralon), vermutlich eine biogenetische Vorstufe des Plumbagins. Viele Drosera-Arten enthalten Flavonoide; die Arten D. ramentacea, D. intermedia und D. longifolia haben ein sehr ähnliches Flavonoidmuster, sie enthalten Quercetin, Hyperosid, Isoquercitrin sowie Myricetin-3-galactosid. Drosera peltata enthält offenbar keine Flavonoide. Die Droge enthält Schleimstoffe und proteolytische Enzyme.

Inhaltsstoffe des Sonnentaus

PHARMAKOLOGIE

Für die Droge wurden entzündungshemmende und spasmolytische Wirkungen nachgewiesen. 1,4-Naphthochinone wirken auf die glatte Muskulatur der Bronchien entspannend und führen so zu deren Erweiterung. Verkrampfungen der Bronchialmuskulatur und Hustenreiz werden damit gelindert. Die 1,4-Naphthochinone haben zudem eine sekretolytische Wirkung und lösen zähflüssigen Schleim. Krampfartiger Husten und Reizhusten wird dadurch gelindert.

ANWENDUNG

Anerkannte medizinische Anwendungen (Kommission E):

  • Bestandteile des Arzneimittels:
    Sonnentaukraut, bestehend aus den getrockneten oberirdischen und unterirdischen Teilen von Drosera rotundifolia, Drosera ramentacea, Drosera longifolia und Drosera intermedia sowie deren Zubereitungen in wirksamer Dosierung. Das Kraut enthält: 0,14-0,22 Prozent Naphthochinonderivate, berechnet als Juglon und bezogen auf die wasserfreie Droge.

  • Wirkungen: Bronchospasmolytisch, antitussiv.

  • Anwendungsgebiete: Bei Krampf- und Reizhusten.

  • Art der Anwendung: Flüssige und feste Darreichungsformenzur äusseren und inneren Anwendung.

  • Gegenanzeigen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen: Keine bekannt.

  • Dosierung:
    Soweit nicht anders verordnet: Mittlere Tagesdosis: 3 g Droge.

Anwendung in der Volksmedizin:
Sonnentau wurde gegen Reizhusten, zur Herzstärkung und als Aphrodisiakum, aber auch zur Behandlung von Sonnenbrand und gegen Sommersprossen verwandt. Als Hustenmedizin wird er auch heute noch in 200–300 zugelassenen Präparaten der Medizin verwendet, zumeist in Kombination mit weiteren Wirkstoffen.

In vielen Bronchialpastillen und Erkältungsmitteln ist der Sonnentau oft in Kombination mit z.B. Süssholz, Spitzwegerich, Efeu, Eukalyptus, Thymian, Anis, Fenchel, Andorn, und Schlüsselblume enthalten.
Im Bronchialsirup von Häseler ist neben Codein, Bilsenkraut, Süssholz und Schlüsselblume auch Sonnentau vorhanden.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Teeaufguss: Etwa 1 g fein geschnittenes Sonnentaukraut wird mit 150 ml siedendem Wasser übergossen und nach 10 Minuten abgeseiht. 3 bis 4-mal täglich eine Tasse trinken.

STATUS

HOMÖOPATHIE

Drosera HAB1, die ganzen, frischen, bei Beginn der Blüte gesammelten Pflanzen. Anwendungsgebiete: Entzündungen der Atemwege, Keuchhusten.

SONNENTAU IM GARTEN

Alle bei uns vorkommenden Sonnentau-Arten (Rundblättriger Sonnentau, Mittlerer Sonnentau, Langblättriger Sonnentau) stehen unter strengem Schutz und dürfen nicht ausgegraben werden. Im Handel sind die genannten Arten nicht zu kaufen.

Sonnentau

SONSTIGES

1860 stiess Charles Darwin auf einer Heide in Sussex auf Vorkommen des Rundblättrigen Sonnentau und war über die grosse Anzahl der gefangenen Insekten erstaunt. Darwin begann daraufhin, die Pflanze in Hinsicht auf eine mögliche Karnivorie näher zu untersuchen und führte über Jahre ausgiebige Versuchsreihen an ihr durch. Zwar war die Idee der Karnivorie von Pflanzen nicht neu, wurde aber von den Botanikern der Zeit einhellig abgelehnt.

Mit dem 1875 in englisch und bereits im folgenden Jahr in deutsch vorliegenden Werk "Insectivorous Plants" ("Insectenfressende Pflanzen") bewies er die Existenz der Karnivorie für den Rundblättrigen Sonnentau und zugleich für zahlreiche weitere Gattungen und Arten. So durchbrach er das von Carl von Linné aufgestellte Dogma, dass die Karnivorie "wider die gottgewollte Ordnung der Natur" sei.
Der Rundblättrige Sonnentau wurde zur Blume des Jahres 1992 gewählt.

Letzte Änderung: 03.06.2017 / © W. Arnold