HEILPFLANZEN
Digitalis purpurea - Roter Fingerhut
Digitalis purpurea L. (syn. Digitalis speciosa, D. thapsi);

Roter Fingerhut (syn. Fingerhut, Fingerkraut, Fuchskraut, Schwulstkraut, Unserer-lieben-Frauen-Handschuh, Waldglöckchen, Waldschelle)
Digitalis purpurea - Roter Fingerhut
Digitalis purpurea - Roter Fingerhut
Digitalis purpurea - Roter Fingerhut
Digitalis purpurea - Roter Fingerhut
VORKOMMEN
In ganz Europa, angebaut unter anderem in den USA, Russland, auf dem Balkan, in Österreich und der Schweiz. Der rote Fingerhut ist auch eine beliebte Gartenpflanze.
MERKMALE
Zweijähriges, bis 2 m hohes Kraut; im ersten Jahr nur eine Blattrosette, im zweiten Jahr den aufrechten, beblätterten, meist unverzweigten Stengel mit dem traubigen Blütenstand ausbildend; Blätter gross, langgestielt, beidseitig behaart, Pflanze mit bis 20 cm langen, langgestielten, eiförmigen, buchtig gezähnten Blättern; Blüten mit bis zu 5 cm langer, glockiger, meist purpurner, selten weisser, innen behaarter und aussen kahler Krone.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Digitalis purpureae folium (syn. Folia Digitalis purpureae); Digitalis-purpurea-Blätter (syn. Digitalisblätter, Fingerhutblätter), die getrockneten Blätter.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Cardenolidglykoside (bis ca. 0,6 %, ca. 30 Vertreter, v.a. Purpureaglykoside A und B, Digitoxin, Gitoxin, Gitaloxin, Verodoxin mit den Aglyka Digitoxigenin, Gitoxigenin und Gitaloxigenin; als Zuckerkomponenten treten Glucose, Digitalose und Digitoxose auf), Digitanolglykoside, unter anderem. Digipurpurin, Steroidsaponine (ca. 1 %, vor allem Desgalactotigonin, Digatonin, Digitonin, Purpureagitosid und Tigonin).
Purpureaglykosid A
PHARMAKOLOGIE
Wirkungen der Droge entsprechen allgemein denen der Cardenolidglykoside, d. h. Steigerung der Kontraktionskraft des Herzens (positiv inotrope Wirkung) und Verminderung der Schlagfrequenz (negativ chronotrope Wirkung). Siehe hierzu den Beitrag zu digitalis lanata.
ANWENDUNG
Nur selten in Form des eingestellten Digitalis-purpurea-Pulvers (Digitalis purpureae pulvis normatus) bei Herzinsuffizienz. Der therapeutische Einsatz der Droge ist wegen der Beeinflussung der Wirkung der Cardenolidglykoside durch Begleitsubstanzen und wegen der ungenügenden Reproduzierbarkeit bei der Herstellung der Zubereitungen heute weitgehend obsolet. Es kommen die entsprechenden Reinglykoside zum Einsatz.
HOMÖOPATHIE
Digitalis purpurea (syn. Digitalis) HAB1, die frischen Blätter einjähriger Pflanzen oder die zu Beginn der Blütezeit gesammelten Blätter zweijähriger Pflanzen.

Anwendungsgebiete: Herzschwäche, Migräne.
SONSTIGES
Die früheste Nachricht über die medizinische Verwendung des Roten Fingerhutes stammt aus irischen Quellen. Irische Mönche haben die Kenntnisse dann über Schot­tland und England in ganz Mitteleuropa verbreitet. Die Anwendung der Droge geht auf eine Rezeptsammlung zurück, die im Jahre 500 beginnt und bis 1200 weitergeführt wurde. Dabei wurde Digitalis purpurea bei Geschwülsten des Unterleibs, bei Ge­schwüren, Kopfschmerzen, Abszessen und Lähmungen empfohlen. Die moderne Digitalistherapie bei Herzinsuffizienz geht auf den englischen Arzt William Withering zurück, der 1786 einen Bericht über die erfolgreiche Behandlung von Wassersucht mit Digitalis purpurea publizierte. Der Name Digitalis wurde 1542 durch Leonhard Fuchs in die Literatur eingeführt. Die Droge wurde danach volksheilkundlich bei schlecht heilenden Wunden und Geschwüren eingesetzt.
Letzte Änderung: 12.03.2010 / © W. Arnold

 

 
Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004.
A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2.
Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.
M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002.
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Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988.


Wikipedia
Digitalis lanata (Wolliger Fingerhut)


Digitalis purpurea - Roter Fingerhut
Digitalis purpurea - Roter Fingerhut
Digitalis purpurea - Roter Fingerhut
Digitalis purpurea - Roter Fingerhut


  Ordnung
Familie
Gattung
Art
Lamiales
Scrophulariacea
Digitalis
Roter Fingerhut
  Wiss. Bez. Digitalis purpurea


therapeutischer Einsatz von Digitalis-purpurea-Blättern ist heute ebenso wie die Verwendung von einge­stelltem Digitalis-purpurea-Pulver obsolet.
Den Sagen, besonders den engli­schen und irischen nach dient der Fingerhut dem Elfenvolk als Kopfbe­deckung. Böse Feen sollen die Blüten einst als Handschuhe den Füchsen geschenkt haben, damit diese lautlos ihr Wesen in den Hühnerställen treiben konnten. Die Zeichnung der Blüten soll daher von den Finger­abdrücken der unglück­bringenden Feen herrühren.


Fingerhut ist in allen Bestandteilen hochgiftig. Bereits der Verzehr von zwei Blättern kann zu einer tödlichen Vergiftung führen. Der Rote Finger­hut wurde 2007 zur Gift­pflanze des Jahres gewählt.