HEILPFLANZEN
Digitalis lanata - Wolliger Fingerhut
Digitalis lanata (syn. Digitalis epiglottidea, D. eriostachya, D. ferruginea, D. nova, D. orientalis, D. winterli); Wolliger Fingerhut.
Digitalis lanata - Wolliger Fingerhut
Digitalis lanata - Wolliger Fingerhut
Digitalis lanata - Wolliger Fingerhut
Digitalis lanata - Wolliger Fingerhut
VORKOMMEN
Ungarn, Balkanhalbinsel (in Österreich und Nordamerika eingebürgert); Digitalis lanata und Digitalis purpurea werden beide zu medizinischen Zwecken angebaut. Beide Arten halte ich als Zierpflanze im Garten (neben Digitalis lutea und Digitalis grandifloria).
MERKMALE
Mehrjährige Pflanze mit langen Blütenständen, die zahlreiche cremegelbe Blüten tra­gen. Typisch sind die behaarten Tragblätter und Blütenkelche. Roter Fingerhut (Digitalis purpurea) ist zwei- oder mehrjährig; er bildet im zweiten Jahr einen hohen Blütenstand mit rotvioletten Blüten. Selten genutzt werden Gelber Fingerhut (Digitalis lutea) und Gross­blütiger Fingerhut (Digitalis grandifloria), beide mit gelben Blüten.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Digitalis lanatae folium (syn. Folia Digitalis lanatae); Digitalis-lanata-Blätter, die getrock­neten Laubblätter.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Cardenolidglykoside (0,5-1,5 %, ca. 80 Vertreter, vor allem Lanatoside A, B, C und Digo­xin mit den Aglyka Digitoxigenin, Gitoxigenin und Digoxigenin, als Zuckerkom­ponenten treten Glucose, Digitoxose und 3-Acetyl-Digitoxose auf) Gitaloxigenin, Digitalose, Digita­nol­glykoside (unter anderem Digifolein, Diginin, Digipronin), Steroidsaponine (uter ande­rem Desglucolanatigonin, Gitonin, Lanagitosid I und II, Tigonin).
Digoxin, Lanatosid
PHARMAKOLOGIE
Cardenolide hemmen selektiv die Na+/K+-ATPase und erhöhen indirekt die Ca++-Konzen­tration in den Herzmuskelzellen. Daher werden Kontraktionskraft und Schlagvolumen des Herzmuskels gesteigert.
ANWENDUNG
Nur selten in Form des eingestellten Digitalis-lanata-Pulvers (Digitalis lanatae pulvis nor­matus) bei Herzinsuffizienz. Der therapeutische Einsatz der Droge ist wegen der Beein­flus­sung der Wirkung der Cardenolidglykoside durch Begleitsubstanzen und wegen der ungenügenden Reproduzierbarkeit bei der Herstellung der Zubereitungen heute weit­gehend obsolet. Es werden die isolierten bzw. partialsynthetisch abgewan­delten Carde­no­lidglykoside bevorzugt eingesetzt. Die Droge dient daher fast aus­schliesslich der industriellen Gewinnung der Cardenolidglykoside. Der wollige Fingerhut ist heute einer der wichtigsten Arzneipflanzen.
Letzte Änderung: 10.03.2010 / © W. Arnold
 
Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004.
A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2.
Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.
M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002.
H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9.
Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988.


Wikipedia
Digitalis purpurea (roter Fingerhut).


Digitalis lanata - Wolliger Fingerhut
Digitalis lanata - Wolliger Fingerhut
Digitalis lanata - Wolliger Fingerhut


  Ordnung
Familie
Gattung
Art
Lamiales
Scrophulariaceae
Digitalis
Wolliger Fingerhut
  Wiss. Bez. Digitalis lanata


Wegen der Giftigkeit keine Selbstmedikation!


Digitalis lanata ist eine der wichtig­sten Arzneipflanzen! Der wollige Fingerhut wird weltweit angebaut zur industriellen Gewinnung der enthaltenen herzwirksamen Digitalis­glykoside, die chemisch zu den Cardenolidglykosiden gehören.
Der wollige Fingerhut ist keine auf­fällige Pflanze. Bei näherer Betracht­ung ist er aber eine aufregende, wenn auch giftige, Schönheit!