HEILPFLANZEN
Datura stramonium - Gemeiner Stechapfel
Datura stramonium (syn. Datura bernhardii, D. bertolonii, D. lurida, D. parviflora, D. spinosa, Stramonium foetidum, S. spinosum, S. vulgatum);

Gemeiner Stechapfel (syn. Asthmakraut, Kratzkraut, Schwarzkümmel, Stachelnuss, Teufelsapfel, Weisser Stechapfel),
Datura stramonium - Gemeiner Stechapfel
Datura stramonium - Gemeiner Stechapfel
Datura stramonium - Gemeiner Stechapfel
VORKOMMEN
Tropisches Nordamerika; jetzt als Unkraut weltweit eingebürgert (var. stramonium mit weissen Blüten); ferner werden angebaut: die dornenlose Form var. inermis, sowie var. tatula mit violetten Blüten.
Der Stechapfel ist eine schöne, dekorative, aber giftige Gartenpflanze.
MERKMALE
Einjährige, bis 1,5 m hohe Pflanze mit grossen, unangenehm riechenden Blättern, blattachselständigen Einzelblüten mit weisser, selten blau-violetter Blütenkrone und aufrechten, meist stacheligen Fruchtkapseln mit nierenförmigen schwarzen Samen.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Stramonii folium (syn. Folia Daturae, Folium Daturae stramonii, Folia Stramonii, Folium Stramonii, Herba Stramonii, Stramonii folia, Stramonii herba); Stramoniumblätter (syn. Stechapfelblätter, Stechapfelkraut, Stramonium), die getrockneten Blätter oder die getrockneten Blätter mit blühenden Zweigspitzen und gelegentlich Früchten.

Stramonii semen (syn. Semen Daturae, Semen Stramonii, Stramonium e seminibus); Stramoniumsamen (syn. Stechapfelsamen), die reifen Samen.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Stramonii folium - Alkaloide (0,1-0,65 %, vor allem Scopolamin, Hyoscyamin, daneben Apoatropin, Belladonnin, Nicotin, Cuskhygrin), Withanolide (unter anderem Witha­stramonolid) , Flavonoide (vor allem Bioside des Quercetins und Kämpferols), Cumarine (u.a. Umbelliferon, Scopolin, Scopoletin).

Stramonii semen - Tropanalkaloide (0,4-0,6 %, vor allem Hyoscyamin, Scopolamin), β-Carbolinalkaloide (u.a. Fluorodaturatin), 4-Methylsterole, Lectine, fettes Öl (15-45 %), Proteine (12-25 %).

Hyoscyamin, Scopolamin

Hyoscyamin ist ein biologisch aktives Tropanalkaloid. Das biologisch aktive (S)-Hyos­cyamin (das rechtsdrehende (R)-Hyoscyamin hat keine Wirkung) ist unter anderem in Nachtschattengewächsen häufig vorhanden, beispielsweise im Stechapfel, in der Alraune, in der Engelstrompete, in der Tollkirsche und im Bilsenkraut. Diese giftige Substanz antagonisiert als Anticholinergikum die Wirkung des körpereigenen Neuro­transmitters Acetylcholin, indem es Acetylcholinrezeptoren blockiert. Es findet in der Medizin als racemisches Gemisch Atropin (R,S-Hyoscyamin) Anwendung als Parasym­patholytikum, Spasmolytikum und Mydriatikum, aber auch als Antidot bei Vergiftungen mit Insektiziden, Pestiziden und Nervenkapfstoffen.
PHARMAKOLOGIE
Scopolamin und Hyoscyamin hemmen muscarinerge Acetylcholinrezeptoren und wirken deshalb parasympatholytisch. Sie führen zu einer Erhöhung der Herzschlagfrequenz, Erschlaffung der glatten Muskulatur, Sekretionshemmung und Pupillenerweiterung. Scopolamin besitzt zentral beruhigende und einschläfernde Wirkung; in hoher Dosier­ung hat es einen länger anhaltenden halluzinogenen Effekt.

Die ganze Pflanze ist giftig; tödliche Vergiftungen kommen regelmässig vor.
ANWENDUNG
Stramonii folium - Aufgrund nicht ausreichend belegter Wirksamkeit und dem schwan­kenden Alkaloidgehalt wird die Anwendung der Droge heute abgelehnt. In der Vete­rinärmedizin werden Drogenzubereitungen bei Brechreiz verabreicht. In der traditio­nellen Heilkunde dient die Droge zur Behandlung von Asthma, Krampfhusten, Pertussis und bei inneren Erkrankungen mit vegetativer Verstimmung. Auch auf die Nutzung in rauscherzeugenden Zubereitungen sei hingewiesen.

Stramonii semen - Aufgrund nicht ausreichend belegter Wirksamkeit und dem schwan­kenden Alkaloidgehalt wird die Anwendung der Droge heute abgelehnt. In der Volks­heilkunde erfolgt die Anwendung in Analogie zu Stramonii folium.
HOMÖOPATHIE
Datura stramonium HAB1, die frischen, oberirdischen Teile blühender Pflanzen.

Anwendungsgebiet : hochfieberhafte Infektionen, Krampfzustände, Entzündungen der Augen, psychische Erkrankungen, Schlafstörungen bei Kleinkindern.
SONSTIGES
BilsenkrautDie Pflanze kam erst im 16. Jh. nach Europa und Deutsch­land, verbreitete sich dann aber rasch. In den mittel­alter­lichen Kräuterbüchern wird nur Datura metel abgebildet. Die medizinische Verwendung wurde erst seit ca. 1762 empfohlen, obwohl bereits früher Datura in so genannten Hexentränken und Initiationsritualen verwendet wurde. In Mexiko spielt die Pflanze dagegen seit dem Altertum eine bedeutsame Rolle als Medizin. Die starken betäubenden Eigenschaften waren Ursache für die Nutzung in Drogen­zubereit­ungen für kultische Handlungen und medizinische Eingriffe. Der Gattungsname Datura ist arabischen Ursp­rungs, während sich stramonium aus dem griechischen strychnon und manikon (Wahnsinn) zusammensetzt. Den deutschen Namen erhielt die Pflanze wegen ihrer stach­ligen Frucht. Besonders die Samen dienten früher nicht selten für Mord- und Selbstmordversuche. Mitunter benutz­ten Kriminelle Aufgüsse der Samen zur Betäubung ihrer Opfer.
Letzte Änderung: 15.07.2010 / © W. Arnold
 
Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004.
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M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002.
H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9.
Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988.


Wikipedia


Datura stramonium - Gemeiner Stechapfel
Datura stramonium - Gemeiner Stechapfel
Datura stramonium - Gemeiner Stechapfel


  Ordnung
Familie
Gattung
Art
Solanales
Solanaceae
Datura
Gemeiner Stechapfel
  Wiss. Bez. Datura stramonium


Der Stechapfel ist hochgiftig, wes­wegen von einer Berauschung mit ihm deutlich abzuraten ist, da der Wirkstoffgehalt von Pflanze zu Pflanze schwankt. Schon ab 15 Stechapfelsamen sind tödliche Komplikationen zu erwarten. Auch Teeaufgüsse können noch hohe Anteile des Giftes enthalten.


Schon um 300 v. Chr. wurde von der narkotischen und toxischen Wirkung des gemeinen Stechapfels berichtet. Von arabischen Ärzten wurde die Pflanze um das Jahr 1000 n. Chr. zum ersten Mal medizinisch eingesetzt.


Traditionelle Medizin
Moderne Medizin (Atropin, Scopolamin)