Maiglöckchen - Convallaria majalis

Convallaria majalis (syn. Convallaria fragrans, C. latifolia, C. mappii, C. scaposa, Polygonatum majale);
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Maiglöckchen (syn. Faltrianblume, Maiblume, Maililie, Marienglöckchen, Niesekraut, Springauf, Talblume).

Convallaria majalis - Maiglöckchen

Maiglöckchen

Maiglöckchen - Convallaria majalis

Maiglöckchen Beeren

VORKOMMEN

Das Maiglöckchen kommt in Europa und Nordostasien vor und ist in Nordamerika einge­bürgert. Das Drogenmaterial stammt aus Wildsammlungen in Osteuropa. Maiglöckchen sind beliebte Gartenpflanzen. Das Maiglöckchen bevorzugt sommerwarme Klimalagen und halbschattige Standorte. Es gedeiht sowohl auf kalkreichen als auch auf sauren Böden. In sehr schattigen Waldlagen bildet die Pflanze oftmals nur Blätter, jedoch keine Blüten aus. Die Ausbreitung erfolgt hier überwiegend vegetativ über die Wurzelaus­läufer. Das Maiglöckchen ist ein Mullbodenkeimer und ist hierbei auf Wurzelpilze ange­wiesen.

MERKMALE

Das Maiglöckchen ist eine mehrjährige Pflanze mit unterirdischem Rhizom und zahlreichen Wurzeln, je 2 ellipti­schen Laubblättern, die aus dem Rhizom herauswachsen, und duftenden, glocken­för­migen weissen Blüten in einer Traube. Die Früchte sind kleine rote Beeren.
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Nicht verwechseln mit dem Bärlauch (Video SRF, 3.42 min).

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

1. Convallariae flos - (syn. Flores Liliorum convallium, Flores Sternutatorii, Flores Conval­lariae, Flos Convallariae); Maiglöckchenblüten (syn. Maiblumen, Maililienblumen), die getrockneten Blüten.

2. Convallariae herba - (syn. Herba Convallariae, Herba Liliorum convallium); Maiglöckchenkraut (syn. Maiblumenkraut, Maiglöckchenblätter), die getrockneten, während der Blütezeit gesammelten, oberirdischen Teile.

3. Convallariae radix/rhizoma - (syn. Convallaria, Radix Convallariae, Rhizoma Convallariae); Maiglöckchenwurzel (syn. Maiblumenwurzel), der getrocknete Wurzelstock mit den Wurzeln.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

1. Convallariae flos - Herzwirksame Glykoside (bis zu 1 % Cardenolide, vor allem Convallatoxin neben Convallosid und Lokundjosid), Flavonoide, sehr wenig ätherisches Öl.

2. Convallariae herba - Wirkstoffe sind herzwirksame Steroidglykoside (etwa 40 Cardenolide bis zu 0.5 %), vor allem Convallotoxin, Convallotoxol, Convallosid, Lokundjosid, Desglucocheirotoxin; Steroid-saponine, Flavonoide. Gefunden wurde auch Azetidin-2-carbonsäure (toxische Aminosäure), Chelidonsäure und Cholin.

3. Convallariae radix/rhizoma - Herzwirksame Glykoside (bis zu 0,4 % Cardenolide), Steroidsaponine, Azetidin-2-carbon­säure.

Convallatoxin, Azetidin-2-carbonsäure - Inhaltsstoffe des Maiglöckchens

PHARMAKOLOGIE

Zur Pharmakologie und Toxikologie liegen nur ältere Untersuchungen und fast immer zu Convallatoxin vor, das nicht in jedem Fall Hauptglykosid sein muss.

Eine gute Zusammenfassung findet sich auf Wikipedia.

ANWENDUNG

Die Anwendung der Droge selbst ist wegen der Giftigkeit nicht vertretbar, ausschliesslich das auf einen bestimmten Wirkwert (von Convallotoxin) eingestellte Pulver bzw. entsprechende Extrakte oder Reingykoside setzt man gegen leichte Herzmuskelschwäche, bei Altersbeschwerden und zur Ausschwemmung herzbedingter Wasseransammlungen ein.
Die Präparate enthalten häufig Extrakte weiterer herzwirksamer Drogen wie Adoniskraut, Meerzwiebel, oder Oleanderblätter, gelegentlich auch Weissdorn mit komplett anderer Wirkzusammensetzung.

Volkstümliche Anwendungen:
Zubereitungen aus Maiglöckchen werden seit langer Zeit angewendet bei Wehenschwäche, Epilepsie und Schlaganfällen. Hauptindikationen war aber immer die Verwendung bei Herzschwäche. Die Wirksamkeit des Maiglöckchens bei diesen Anwendungen ist mit Ausnahme bestimmter Herzerkrankungen kaum belegt. Wegen seiner Giftigkeit wird Maiglöckchen nicht mehr volksmedizinisch verwendet.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Nur nach Absprache mit dem Arzt verwenden.
Das Maiglöckchen ist eine Giftpflanze!

STATUS

HOMÖOPATHIE

Convallaria majalis HAB1, die blühenden oberirdischen Teile.
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Anwendungsgebiet: Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche.

MAIGLÖCKCHEN IM GARTEN

Das Maiglöckchen ist ein Waldbewohner und bevorzugt daher schattige bis halb­schat­tige Standorte. Im Schatten zeigt es sich etwas blühfaul. Pflanzungen unter Laub­ge­hölzen, neben z.B. Schneeglöckchen und Lungenkraut, sind ideal. Vorsicht bei Pflanzung mit bzw. neben Bärlauch, das Maiglöckchen ist in allen Teilen giftig.

Das Maiglöckchen wächst praktisch in jedem Boden, der nicht dauerhaft unter Wasser steht. Ideal ist eine durchlässige und humose Gartenerde, die zudem etwas Lehm und Sand enthält. Der Humus lässt sich durch Einarbeitung von Komposterde herstellen. Ideal ist es, wenn Sie Ihren Maiglöckchen regelmässig etwas Laubkompost gönnen.

Jungpflanzen bekommen sie in jeder Gärtnerei. Einmal angepflanzt können grössere Bestände einfach geteilt werden. Das winterharte und mehrjährige Maiglöckchen duftet zur Blütezeit wunderbar. Im naturnahen Garten darf die pflegeleichte alte Heilpflanze nicht fehlen.

Maiglöckchen

SONSTIGES

Der Gattungsnamen Convallaria leitet sich wahrscheinlich von lateinischen "lilium convallium" (= Lilie der Täler) ab, wohl ein Hinweis auf das Vorkommen der Pflanze. Das Artepitheton majalis bedeutet „im Mai blühend”.
Als Heilpflanze wurde das Maiglöckchen erstmals in Gabriel von Lebensteins Abhandlung „Von den gebrannten Wässern“ erwähnt, deren ältester bekannter Textzeuge aus dem 1. Viertel des 15. Jh. stammt. Darin wurde das Maiglöckchen als Marienblume beschrieben: „Lilium convalium".

Letzte Änderung: 25.01.2017 / © W. Arnold