| HEILPFLANZEN | Convallaria majalis - Maiglöckchen |
| Convallaria majalis
(syn. Convallaria fragrans, C. latifolia, C. mappii, C. scaposa,
Polygonatum majale) Maiglöckchen (syn. Faltrianblume, Maiblume, Maililie, Marienglöckchen, Niesekraut, Springauf, Talblume) |
Botanische Familie: Convallariaceae |
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| VORKOMMEN |
| Europa, Nordostasien, in Nordamerika eingebürgert. Das Drogenmaterial stammt aus Wildsammlungen in Osteuropa. Maiglöckchen sind beliebte Gartenpflanzen. |
| MERKMALE |
| Mehrjährige Pflanze mit unterirdischem Rhizom und zahlreichen Wurzeln, je 2 elliptischen Laubblättern, die aus dem Rhizom herauswachsen, und duftenden, glockenförmigen weissen Blüten in einer Traube. Die Früchte sind kleine rote Beeren. |
| DROGEN (verwendete Pflanzenteile) |
| 1. Convallariae flos (syn. Flores Liliorum convallium, Flores Sternutatorii, Flores Convallariae, Flos Convallariae); Maiglöckchenblüten (syn. Maiblumen, Maililienblumen), die getrockneten Blüten. 2. Convallariae herba (syn. Herba Convallariae, Herba Liliorum convallium); Maiglöckchenkraut (syn. Maiblumenkraut, Maiglöckchenblätter), die getrockneten, während der Blütezeit gesammelten, oberirdischen Teile. 3. Convallariae radix/rhizoma (syn. Convallaria, Radix Convallariae, Rhizoma Convallariae); Maiglöckchenwurzel (syn. Maiblumenwurzel), der getrocknete Wurzelstock mit den Wurzeln. |
| WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE |
| 1. Convallariae flos Herzwirksame Glykoside (0,4-1 % Cardenolide, vor allem Convallatoxin neben Convallosid und Lokundjosid), Flavonoide (Quercetin- und Isorhamnetinglykoside), äther. Öl (0,058 %, mit Farnesol). 2. Convallariae herba Herzwirksame Glykoside (0,1-0,5 %, ca. 40 identifizierte Cardenolide, die sich von 7 Geninen ableiten. Unter anderem Convallatoxin, Convallosid, Convallatoxol, Desglucocheirotoxol, Lokundjosid, Desglucocheirotoxin), Convallatoxolosid, Flavonoide (u.a. Apigenin, Chrysoeriol, Isorhamnetin, Kämpferol, Luteolin, Quercetin und ihre Glykoside), Chelidonsäure, Cholin, Azetidin-2-carbonsäure (toxische Aminosäure). 3. Convallariae radix/rhizoma Herzwirksame Glykoside (0,1-0,4 % Cardenolide, in ähnlicher Zusammensetzung wie bei Convallariae herba), Steroidsaponine, Azetidin-2-carbonsäure. |
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| PHARMAKOLOGIE |
| Convallatoxin wirkt ähnlich wie andere Herzglykoside. Es hemmt die Na+/K+-ATPase und erhöht indirekt die intrazelluläre Ca++-Konzentration. Dadurch wird die Kontraktionskraft des Herzmuskels gestärkt, der innere Herzwiderstand verringert und folglich die Herzeffizienz verbessert. Convallatoxin wirkt ferner venentonisierend und fördert die Ausscheidung von Natrium- und Kaliumsalzen über den Harn. |
| ANWENDUNG |
| 1. Convallariae flos Siehe Convallariae herba. 2. Convallariae herba Leichte Belastungsinsuffizienz, Altersherz und chronisches Cor pulmonale. Für eine rationale Therapie der chronischen Herzinsuffizienz sind Convallaria-Extrakte nach heutiger Auffassung ungeeignet. In der Volksheilkunde wurde die Droge bei Wehenschwäche, Epilepsie, Wassersucht, Schlaganfällen und Lähmungen eingesetzt. Hauptindikationsgebiet war jedoch die Verwendung als Kardiakum und Kardiotonikum bei Herzschwäche. Wegen seiner Giftigkeit wird die Droge heute nicht mehr in der Volksheilkunde eingesetzt. 3. Convallariae radix/rhizoma Siehe Convallariae herba. |
| WARNUNG |
| Die Droge ist sehr giftig und darf deshalb nur unter ärztlicher Aufsicht gegeben werden. In hoher Dosis kann sie zu Ubelkeit, Erbrechen und Magendarmsymptomen führen. Da Convallaria-Cardenolide im Magen und Darm schlecht resorbiert werden, sind sie selten tödlich. |
| ANMERKUNG |
| Gelegentlich bevorzugt man Maiglöckchen gegenüber Digitalis, da es angeblich besser vertragen wird und weniger Nebenwirkungen hat. |
| HOMÖOPATHIE |
| Convallaria
majalis HAB1, die blühenden oberirdischen Teile. Anwendungsgebiet: Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche. |
| SONSTIGES |
In
Kräuterbüchern des 16. Jh., u.a. bei Bock wird das Maiglöckchen als lilium convallum ("Lilie der Täler") bezeichnet. Der
Artname wie auch der deutsche Name weisen auf die Blütezeit im Mai hin.
In den Schriften der Antike findet die Pflanze noch keine Erwähnung, was
mit dem seltenen Vorkommen im griechischen Raum erklärbar ist. Die Droge
wurde v.a. von der russischen Landbevölkerung seit dem Mittelalter bei
verschiedenen Erkrankungen des Herzens, Wassersucht u.a. angewandt. Die
Digitalis-ähnliche Wirkung der Glykoside wurde in der 2. Hälfte des 19.
Jh. erkannt und führte zur Aufnahme von Drogenzubereitungen in die
europäischen Arzneibücher. |
| Letzte Änderung: 20.01.2008 / © W. Arnold |