HEILPFLANZEN
Convallaria majalis - Maiglöckchen
Convallaria majalis (syn. Convallaria fragrans, C. latifolia, C. mappii, C. scaposa, Polygonatum majale)

Maiglöckchen (syn. Faltrianblume, Maiblume, Maililie, Marienglöckchen, Niesekraut, Springauf, Talblume)
Convallaria majalis - Maiglöckchen
Convallaria majalis - Maiglöckchen
Convallaria majalis - Maiglöckchen
VORKOMMEN
Das Maiglöckchen kommt in Europa und Nordostasien vor und ist in Nordamerika einge­bürgert. Das Drogenmaterial stammt aus Wildsammlungen in Osteuropa. Maiglöckchen sind beliebte Gartenpflanzen. Das Maiglöckchen bevorzugt sommerwarme Klimalagen und halbschattige Standorte. Es gedeiht sowohl auf kalkreichen als auch auf sauren Böden. In sehr schattigen Waldlagen bildet die Pflanze oftmals nur Blätter, jedoch keine Blüten aus. Die Ausbreitung erfolgt hier überwiegend vegetativ über die Wurzelaus­läufer. Das Maiglöckchen ist ein Mullbodenkeimer und ist hierbei auf Wurzelpilze ange­wiesen.
MERKMALE
Mehrjährige Pflanze mit unterirdischem Rhizom und zahlreichen Wurzeln, je 2 ellipti­schen Laubblättern, die aus dem Rhizom herauswachsen, und duftenden, glocken­för­migen weissen Blüten in einer Traube. Die Früchte sind kleine rote Beeren.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
1. Convallariae flos - (syn. Flores Liliorum convallium, Flores Sternutatorii, Flores Conval­lariae, Flos Convallariae); Maiglöckchenblüten (syn. Maiblumen, Maililienblumen), die getrockneten Blüten.

2. Convallariae herba - (syn. Herba Convallariae, Herba Liliorum convallium); Maiglöckchenkraut (syn. Maiblumenkraut, Maiglöckchenblätter), die getrockneten, während der Blütezeit gesammelten, oberirdischen Teile.

3. Convallariae radix/rhizoma - (syn. Convallaria, Radix Convallariae, Rhizoma Convallariae); Maiglöckchenwurzel (syn. Maiblumenwurzel), der getrocknete Wurzelstock mit den Wurzeln.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
1. Convallariae flos - Herzwirksame Glykoside (0,4-1 % Cardenolide, vor allem Convallatoxin neben Convallosid und Lokundjosid), Flavonoide (Quercetin- und Isorhamnetinglykoside), äther. Öl (0,058 %, mit Farnesol).

2. Convallariae herba - Herzwirksame Glykoside (0,1-0,5 %, ca. 40 identifizierte Cardenolide, die sich von 7 Geninen ableiten. Unter anderem Convallatoxin, Convallosid, Convallatoxol, Desglucocheirotoxol, Lokundjosid, Desgluc­ocheirotoxin), Convallatoxolosid, Flavonoide (u.a. Apigenin, Chrysoeriol, Isorhamnetin, Kämpferol, Luteolin, Quercetin und ihre Glyko­side), Chelidonsäure, Cholin, Azetidin-2-carbonsäure (toxische Aminosäure).

3. Convallariae radix/rhizoma - Herzwirksame Glykoside (0,1-0,4 % Cardenolide, in ähnlicher Zusammensetzung wie bei Convallariae herba), Steroidsaponine, Azetidin-2-carbon­säure.

Convallatoxin

Acetidin-2-carbonsäure

PHARMAKOLOGIE
Convallatoxin wirkt ähnlich wie andere Herzglykoside. Es hemmt die Na+/K+-ATPase und erhöht indirekt die intrazelluläre Ca++-Konzentration. Dadurch wird die Kontrakt­ions­kraft des Herzmuskels gestärkt, der innere Herzwiderstand verringert und folglich die Herzeffizienz verbessert. Convallatoxin wirkt ferner venentonisierend und fördert die Ausscheidung von Natrium- und Kaliumsalzen über den Harn.
ANWENDUNG
1. Convallariae flos - Siehe Convallariae herba.

2. Convallariae herba - Leichte Belastungsinsuffizienz, Altersherz und chronisches Cor pulmonale. Für eine rationale Therapie der chronischen Herzinsuffizienz sind Conval­laria-Extrakte nach heutiger Auffassung ungeeignet. In der Volksheilkunde wurde die Droge bei Wehenschwäche, Epilepsie, Wassersucht, Schlaganfällen und Lähmungen eingesetzt. Hauptindikationsgebiet war jedoch die Verwendung als Kardiakum und Kardiotonikum bei Herzschwäche. Wegen seiner Giftigkeit wird die Droge heute nicht mehr in der Volksheilkunde eingesetzt.

3. Convallariae radix/rhizoma - Siehe Convallariae herba.
HOMÖOPATHIE
Convallaria majalis HAB1, die blühenden oberirdischen Teile.

Anwendungsgebiet: Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche.
SONSTIGES
In Kräuterbüchern des 16. Jh., u.a. bei Bock wird das Maiglöckchen als lilium convallum ("Lilie der Täler") bezeichnet. Der Artname wie auch der deutsche Name weisen auf die Blütezeit im Mai hin. In den Schriften der Antike findet die Pflanze noch keine Erwähn­ung, was mit dem seltenen Vorkommen im griechischen Raum erklärbar ist. Die Droge wurde v.a. von der russischen Landbevölkerung seit dem Mittelalter bei verschiedenen Erkrankungen des Herzens, Wassersucht u.a. angewandt. Die Digitalis-ähnliche Wirkung der Glykoside wurde in der 2. Hälfte des 19. Jh. erkannt und führte zur Aufnahme von Drogenzubereitungen in die europäischen Arzneibücher.
Letzte Änderung: 07.01.2011 / © W. Arnold
 
Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004.
A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2.
Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.
M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002.
H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9.
Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988.


Wikipedia


Convallaria majalis - Maiglöckchen
Convallaria majalis - Maiglöckchen


  Ordnung
Familie
Gattung
Asparagales
Asparagaceae
Convallaria
  Wiss. Bez. Convallaria majalis


Gelegentlich bevorzugt man Mai­glöckchen gegenüber Digitalis, da es angeblich besser vertragen wird und weniger Nebenwirkungen hat.


Maiglöckchenkraut oder die aktiven Inhaltsstoffe werden in der Schweiz nicht mehr pharmazeutisch genutzt. Eingestelltes Maiglöckchenpulver (Convallariae pulvis normatus) ist in Deutschland im DAB 10 aufgeführt.
Gelegentlich bevorzugt man Mai­glöckchen gegenüber Digitalis, da es angeblich besser vertragen wird und weniger Nebenwirkungen hat.


Die Droge ist sehr giftig und darf deshalb nur unter ärztlicher Aufsicht gegeben werden. In hoher Dosis kann sie zu Ubelkeit, Erbrechen und Magendarmsymptomen führen. Da Convallaria-Cardenolide im Magen und Darm schlecht resorbiert werden, sind sie selten tödlich.
Convallaria-Glykoside sind kontra­indiziert bei gleichzeitiger Anwend­ung von Digitalis-Glykosiden und Kalium-Mangelzuständen. Bei gleichzeitiger Gabe von Chinidin, Calcium, Saluretika, Laxantien, Glucocorticoiden ist wegen der Kaliumverluste mit einer Wirkungs­steigerung zu rechnen


Traditionelle Medizin
Kommission E +