| HEILPFLANZEN |
Colchicum autumnale - Herbstzeitlose |
Colchicum autumnale (syn. Colchicum commune, C. crociflorum, C. multiflorum);

Herbstzeitlose (syn. Butterwecken, Henne, Hennegift, Giftblume, Herbstblume, Herbstlilie, Hundsblume, Hundshode, Hundsknofel, Kuckucksweck, Kühe, Kuheuter, Läuseblume, Leichenblume, Michelwurz, Mönchskappen, Nackte Hure, Nackte Jungfer, Ochsen, Ochsenpinsel, Spindelblume, Spinnblume, Teufelsbrot, Teufelswurz, Wiesenlilie, Wiesensafran, Wildsafran, Winterhaube, Winterhauch). |
| Die Herbst-Zeitlose stammt ursprünglich aus Westasien und Teilen des östlichen Mittelmeerraumes. Das Hauptverbreitungsgebiet reicht von Südengland und der Iberischen Halbinsel bis nach Russland. Die Herbst-Zeitlose wächst vor allem auf feuchten, nährstoffreichen Wiesen und an Böschungen, hier bevorzugt an sonnigen oder halbschattigen Standorten, an denen es relativ warm ist und die nicht ungeschützt dem Wind ausgesetzt sind. |
| Mehrjährige Pflanze mit zwiebelähnlicher Knolle, deren lange, schmale Laubblätter im Frühling erscheinen, gleichzeitig mit den befruchteten jungen dreikapsligen Früchten der letzten Blühphase. Im Herbst erscheinen mehrere hellrosa Blüten mit zu einer langen Röhre verwachsenen Blütenhüllblättern. |
| DROGEN (verwendete Pflanzenteile) |
1. Colchici semen (syn. Semen Colchici); Herbstzeitlosensamen (syn. Zeitlosensamen), die reifen, getrockneten Samen.

2. Bulbus Cochici (syn. Tubera Cochici, Cornus Colchici); Herbstzeitlosen-Knollen, die getrockneten Knollen.
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| WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE |
Alkaloide (0,5-1,2 %) mit Tropolonringstruktur Demecolcin, Cochicosid und Colchicin, einem nichtbasischen Alkaloid als Hauptkomponente, begleitet vom basischen Demecolcin. |
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| Die Droge und deren Zubereitungen dienten seit altersher als Gichtmittel und wurden bereits im Altertum unter der Bezeichnung "Colchicon" als Mittel gegen Gelenkschmerzen verwendet. Colchicin wirkt zuverlässig beim akuten Gichtanfall. Hierbei kommen Dosierungen von 1 mg (Initialdosis) und nachfolgend in mehrstündlichen Abständen 0,5 mg zum Einsatz. Eine Wiederholung der Behandlung darf erst nach mehrtägiger Unterbrechung erfolgen. Die Droge kommt ferner bei Dermatosen, die durch Ansammlung neutrophiler Granulozyten gekennzeichnet sind, zur Anwendung. Es dient ferner in der Pflanzenzucht zur Erzeugung polyploider Rassen und stellt ausserdem eine wichtige Modellsubstanz zur weiteren Erforschung der Mitose auf molekularbiologischer Grundlage dar. Bei Überdosierung ist die Droge ein Kapillargift. Toxische Dosen wirken zentrallähmend. Der Tod erfolgt durch Atemlähmung oder Kreislaufversagen. |
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| Colchicin bindet an Tubulin und hemmt die Bildung von Mikrotubuli. In therapeutischer Dosis besitzt Colchicin sehr gute entzündungshemmende und schmerzstillende Wirkung, da es die Wanderung der Makrophagen zu den entzündeten Gelenken hemmt, die mit einem akuten (durch die Ablagerung von Hamsäurekristallen ausgelösten) Gichtanfall einhergeht. Da Colchicin häufig Durchfall hervorruft, setzt man den Zubereitungen gewöhnlich Antidurchfallmittel zu. In toxischen Dosen führt Colchicin in wenigen Tagen zu tödlichem Atem- und Kreislaufstillstand. |
1. Colchicum autumnale HAB1, die frischen, im Frühjahr gesammelten Knollen. Anwendungsgebiet: Akute und chronische Gelenkerkrankungen, Sehnenscheidenentzündung und Entzündung des Magen-Darm-Traktes.

2. Colchicum autumnale e seminibus HAB; die reifen, getrockneten Samen. Anwendungsgebiet: Akute und chronische Gicht, akuter Gelenkrheumatismus, Sehnenscheidenentzündungen, Ergüsse in Körperhöhlen. |
| Der Gattungsname Colchicum geht auf Colchis, eine Landschaft an der Ostküste des Schwarzen Meeres, zurück, die in der griechischen Mythologie die Heimat der Giftmischerin Medea, Tochter des Königs Aietes, darstellt. Der Artname wie auch die deutsche Bezeichnung weisen auf die Blütezeit im Herbst hin. Als "Colchicon" (s.o.) war die Droge bereits den Ärzten in der Antike bekannt, ebenso auch ihre hohe Toxizität. Dennoch wurde sie bereits damals als hochgeschätztes Mittel bei Gicht und Gelenkschmerzen in der notwendigen Dosierung - wie aus überlieferten Rezepturen bekannt ist - eingesetzt. |
| Letzte Änderung: 24.04.2011 / © W. Arnold |
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Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004. |
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A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2. |
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Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg. |
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M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002. |
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H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9. |
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Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008. |
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Wikipedia; Freie Enzyklopädie. |
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L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988. |
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Ordnung
Familie
Gattung |
Liliales
Colchicaceae
Colchicum
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Wiss. Bez. |
Colchicum autumnale |
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Der Name Herbst-Zeitlose leitet sich davon ab, dass die Pflanze im Herbst bis in den Oktober hinein und damit außerhalb der Blütezeit anderer Pflanzen blüht. |
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Colchicin wird in der Krebstherapie nicht mehr eingesetzt, jedoch in der Zytodiagnostik genutzt; ferner in der Pflanzenzüchtung (zur Schaffung von polyploiden Pflanzen). |
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Etwa 10 mg Colchicin sind toxisch; 40 mg sind immer tödlich. Keine Selbstmedikation! Colchicin ist während der Schwangerschaft sowie bei Nieren-, Leber- und Herzleiden kontraindiziert. |
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