| HEILPFLANZEN |
Claviceps purpurea - Mutterkorn |
Claviceps purpurea (syn. Clavaria clavus, Clavis secalinus, Cordyceps purpurea, Fusarium heterosporum);

Mutterkorn (syn. Bockshorn, Brandkorn, Giftkorn, Hahnensporn, Hungerkorn, Kornmuhme, Kornmutter, Kornzapfen, Krähenkopf, Mehlmutter, Mutterkornpilz, Mutterzapfen, Rockenmutter, Roggenbrand, Roter Keulenkopf, Schwarzkopf, Tollkorn, Wolfszahn, Zapfenkorn). |
| Mutterkorn (Claviceps purpurea) ist ein ständiger Begleiter des Roggens in all seinen Anbaugebieten. Auch auf Gerste, Hafer und Mais sind Vorkommen bekannt. Seit einigen Jahren zunehmend auch auf Triticale und Weizen. In der Lebensmittelüberwachung waren von 120 gezielt aus Bio- und Naturkostläden erhobenen Proben von Roggen- und Weizenerzeugnissen sowie Mehrkornmischungen 94 positiv. Roggenmehl und -schrot zeigt die höchsten Gehalte (2500–3000 μg Gesamtalkaloid/kg). Auch Erzeugnisse des konventionellen Marktes können merklich verunreinigt sein. |
| Das Mutterkorn ist eine längliche, kornähnliche Dauerform (Sklerotium) des Mutterkornpilzes (Claviceps purpurea). Es wächst in den Ähren von Roggen und einigen anderen Getreidegattungen wie Triticale, Weizen, seltener auf Gerste oder Hafer und anderen Gräsern. |
| DROGEN (verwendete Pflanzenteile) |
| Secale cornutum; Mutterkorn, das auf der Roggenpflanze gewachsene, bei leichter Wärme getrocknete Sklerotium des Pilzes. |
| WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE |
Ergolin-Alkaloide (Indolalkaloide der Clavin-Serie/Clavinalkaloide: Agroclavin, Elymoclavin, Festuclavin; Indolalkaloide der Ergolen-Serie/Lysergsäurederivate: Ergometrine, Ergotamine, Ergotoxine, Ergocristin, Ergocornin, Ergocryptin), Ergochrome (Xanthonderivate), Anthrachinone (Clavorubin, Endocrocin), Amine, fettes Öl.
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Nur die Indolalkaloide der Ergolen-Serie, insbes. Ergometrin und seine halbsynthetischen Derivate, sind von therapeutischem Interesse. Aufgrund der gemeinsamen Strukturmerkmale mit Neurotransmittern (Noradrenalin, Dopamin, Serotonin) treten die Mutterkornalkaloide mit adrenergen, serotonergen und dopaminergen Rezeptoren in Wechselwirkung und beeinflussen das ZNS (Sedierung) bzw. wirken gefässkonstriktorisch. Ergometrin führt zu rhythmischen Kontraktionen des graviden Uterus, in höherer Dosierung zur Dauerkontraktion.

Anwendungen als Droge oder Zubereitung aus der Droge sind heute obsolet, da keine exakte Standardisierung der Inhaltsstoffe möglich ist. Grosse Bedeutung hat die Droge dagegen als Rohstoff für die industrielle Gewinnung der Mutterkornalkaloide. Volksheilkundlich früher in der Geburtshilfe zur Einleitung der Geburt eingesetzt (Name: Mutterkorn!) bzw. bei Migräne und neurovegetativen Störungen verwendet. |
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Secale cornutum HAB1, das auf Roggen gewachsene, bei nicht mehr als 40 °C getrocknete Sklerotium.

Anwendungsgebiet: Gebärmutterkrämpfe, Muskelkrämpfe, Lähmungen, Krampfleiden, Durchblutungsstörungen, Blutungsneigung. |
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| Das früher oft im Brotgetreide enthaltene und aus Unkenntnis nicht ausgelesene Mutterkorn hat im Mittelalter wiederholt schreckliche Epidemien unter der armen Bevölkerung Europas ausgelöst, während die antiken Völker, die sich hauptsächlich von Weizen ernährten, verschont blieben. Die erste Beschreibung einer Mutterkornepidemie (Ergotismus) finden sich in den Annalen des Klosters Xanten aus dem Jahre 857. Bis ins 20. Jh. hinein traten in Europa immer wieder durch Mutterkorn ausgelöste Massenerkrankungen (dt. Kribbelkrankheit) auf. Diese Massenvergiftungen waren durch das Abfallen der Gliedmassen (Gangräne) infolge der Gefässkonstriktion in der Peripherie gekennzeichnet und als "Antoniusfeuer" gefürchtet. Die mittelalterlichen Städte waren durch zahlreiche Krüppel bevölkert, die ihre Gliedmassen durch Mutterkornvergiftungen verloren hatten. Für medizinische Zwecke scheinen die Chinesen die Droge bereits im Altertum verwendet zu haben, 1582 gab Lonicerus in seinem Kräuterbuch eine derartige Verwendung an. Im 17. Jh. wurde die Droge in Deutschland in die gynäkologische Praxis eingeführt, v.a. zur Blutstillung nach der Geburt. Die Natur des Mutterkorns als Sklerotium eines schmarotzenden Pilzes wurde erst 1853 durch Tulasne aufgeklärt. Bis dahin glaubte man, dass Mutterkorn eine missgebildete Frucht des Roggens wäre. |
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| Letzte Änderung: 04.12..2010 / © W. Arnold |
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Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004. |
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A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2. |
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Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg. |
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M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002. |
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H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9. |
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Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008. |
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Wikipedia; Freie Enzyklopädie. |
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L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988. |
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Ordnung
Familie
Gattung |
Hypocreales
Clavicipitaceae
Claviceps
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Wiss. Bez. |
Claviceps purpurea |
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Mutterkorn selbst wird aufgrund seiner Giftigkeit nicht als Phytopharmakon angewendet (Ausnahme: homöopathische Mittel). Pharmazeutisch werden die isolierten Mutterkornalkaloide und die daraus gewonnenen Derivate hauptsächlich als Migränemittel und Dopaminagonisten als Reinstoffe in Fertigarzneimitteln verwendet. |
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Die Droge gilt als hochgiftig! |
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