HEILPFLANZEN
Zistrose – Cistus sp.


Die Zistrosen gehören zu der Gruppe der Rosiden, Ordnung Malvenartige, Familie Zistrosengewächse (Cistaceae) und sind mit etwa 20 Arten im Mittelmeerraum und auf den Kanarischen Inseln vertreten.

Als Heilpflanze finden folgende Arten Verwendung:

  • Kretische Zistrose - Cistus creticus
  • Lack-Zistros - Cistus ladanifer
  • Graubehaarte Zistrose - Cistus incanus
Zistrose
 
Das aus Zistrosen gewonnene Harz wurde bereits in der Zeit vor Christus verwendet. In der Bibel finden sich Hinweise in der Genesis 37,25 und 43,11. In den Geschichten um Josef wird eine Karawane erwähnt, die mit Tragakant, Mastix und Ladanum beladen war. Auch werden Geschenke erwähnt, die sich aus Mastix, Honig, Tragakant und Ladanum sowie Pistazien und Mandeln zusammensetzten.

Ladanum ist etymologisch vom syrisch-phönizischen Wort „Ladan“ abgeleitet, was so viel wie „klebriges Kraut“ bedeutet und bezeichnet das aus Zistrosen gewonnen Harz.

Tragakant ist die Bezeichnung des Exsudats aus Stämmen und Zweigen des Tragants (Astragalus), welches als gummiartiges Verdickungsmittel für Lebensmittel bis in die Neuzeit als E 413 Traganth Verwendung findet.

Pedanios Dioskurides, ein berühmter Pharmakolge, der unter dem Kaiser Claudius als Militärarzt lebte, beschrieb im 1. Jahrhundert nach Christus in seiner „Materia Medica“ 813 pflanzliche Arzneimittel, darunter auch das Ladanum.

Zistrosen sind ein Charaktergewächs der Macchia und insbesondere der Garigue. Die Garigue ist als Degenerationsform der Macchie durch Beweidung und Brände zu verstehen. Beides überstehen die Wurzelstöcke der Zistrosen.

Plinius der Ältere beschrieb ebenfalls im 1. Jahrhundert nach Christus die Gewinnung des Harzes mi Hilfe von Ziegen. Diese wurden durch die dichten Zistrosengebüsche getrieben. Das klebrige Harz der Zistrosen blieb an den Ziegenhaaren hängen, welche dann abgeschnitten und ausgekocht wurden. Im erkalteten Überstand konnte das wertvolle Harz abgeschöpft werden.

Ladanum, auch Labdanum benannt, wurde als Schönheitsmittel, aber auch als Räucherwerk zur Desinfektion verwendet. Es wurde aus verschiedenen Arten der Zistrose, wohl vor allem aus der Kretischen Zistrose hergestellt. Heute wird Ladanum meist aus der Lack-Zistrose, welche im westlichen Mittelmeergebiet kultiviert wird, gewonnen.

Aber auch getrocknete Pflanzenteile aus Cistus incanus werden als gesundheitsfördernde Teezubereitungen oder gar in Form von Kapseln verwendet.

Diese Heilpflanze ist gekennzeichnet durch einen hohen Gehalt von Polyphenolen und der damit verbundenen antioxidativen Wirkung.

Cistus incanus wird als antibakteriell, entzündungshemmend, fungizid und antiviral beschrieben und findet Verwendung bei Hautkrankheiten, Akne, Atemwegsinfekten, zur Unterstützung der allgemeinen Immunabwehr, bei Erkrankungen des Urogenitaltraktes bis hin zu Herpes simplex Infektionen.

Der vielfältige Einsatz hat die Pflanze zu einem Polychrest (aus dem Griechischen poly „viel“ chrestos „nützlich“) hochstilisiert, was unweigerlich auch die Kritiker und Skeptiker auf den Plan gerufen hat. Wie bei allen Heilpflanzen ist die übersteigerte Erwartung als universelles Wunderheilmittel nicht angebracht und so können Erwartungen bei Verwendung von Cistus incanus gegen Vogelgrippe, Borreliose, Gürtelrose oder gar HIV nicht erfüllt werden.

Der Einsatz von Heilkräutern ist aber als Unterstützung des Immunsystems durchaus zielführend und so sehe ich Zistrosentee bei der Behandlung diverser Leiden als eine gute Ergänzung zu anderen gesundheitsfördernden Maßnahmen.

Autor: Dr. Johannes Dauth
 
Links: Die Zistrose – eine alte Heilpflanze (PDF)