HEILPFLANZEN
Chelidonium majus - Schöllkraut
Chelidonium majus (syn. Chelidonium grandiflorum, C. haematodes, C. japonicum, C. laciniatum, C. luteum, C. maius, C. murale, C. ruderale, C. umbelliferum);

Grosses Schöllkraut (syn. Blutkraut, Gelbes Millkraut, Gemeines Schöllkraut, Gewöhnliches Schöllkraut, Goldwurz, Goldkraut, Schällkraut, Schellkraut, Schillkraut, Schindkraut, Schöllkraut, Schwalbenwurz, Schwinnwart, Tüfelsmilch, Warzenkraut, Wulstkraut)
Chelidonium majus - Schöllkraut
Chelidonium majus - Schöllkraut
Chelidonium majus - Schöllkraut
Chelidonium majus - Schöllkraut
VORKOMMEN
Ursprünglich kam es in den gemässigten und warm-temperierten Gebieten Europas und Asiens sowie im Mittelmeerraum inkl. Nordafrika vor. Nach Nordamerika wurde es von Siedlern mitgenommen, die es als Heilmittel bei Hautkrankheiten verwendeten. Für viele Gärtner ist das Schöllkraut ein lästiges Unkraut. Es ist durchaus eine schöne Gar­ten­pflanze - in meinem Garten lasse ich das Schöllkraut gewähren.
MERKMALE
Mehrjährige Pflanze mit gefiederten Blättern und orangegelben Blüten. Aus verletzten Pflanzenteilen tritt ein orangegelber Milchsaft aus, dieser ist für Schöllkraut typisch. Es wächst in der Nähe von menschlichen Wohnstätten, etwa auf Schuttplätzen, an Weges­rändern und sogar in Mauerspalten, bis ins Gebirge. Diese Pflanzenart blüht von Mai bis Oktober.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
1. Chelidonii herba (syn. Herba Chelidonii, Herba Chelidonii majoris), die zur Blütezeit gesammelten, getrockneten oberirdischen Teile.

2. Chelidonii radix (syn. Chelidonii rhizoma, Radix Chelidonii, Rhizoma Chelidonii); Schöllkrautwurzel, die getrocknete, im Spätsommer und Herbst gesammelte Wurzel.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Coptisin, Chelidonin1. Chelidonii herba - Alkaloide (0,5-1,5 %), die bevorzugt dem Benzo­phenanthridin-, Proto­ber­berin- und Protopin-Typ angehören. Hauptalkaloid ist Coptisin, gefolgt von Chelidonin, Chelerythrin, Protopin, Sanguinarin, Stylopin und Berberin. Die Alkaloide liegen im gelbgefärbten Milchsaft der Pflanze als Salze, zum Teil der Chelidonsäure, vor. Für die Gelbfärbung sind einige Alkaloidsalze, unter anderem die des Sanguinarins, verantwortlich.

2. Chelidonii radix - Alkaloide (1-3 %) ähnlicher Zusammensetzung wie die Krautdroge, allerdings mit Chelidonin als Hauptalkaloid und Magnoflorin, einem Aporphinalkaloid, als zusätzlichem Alkaloid.
PHARMAKOLOGIE
Berberin und Sanguinarin sind starke DNA-interkalierende Substanzen und wirken deshalb antimikrobiell und antiviral. Die meisten Alkaloide können mit Neurorezeptoren und anderen Proteinen in Wechselwirkung treten; dies erklärt ihre krampflösenden, schmerzstillenden und entzündungshemmenden Eigenschaften. Die Droge stimuliert anscheinend direkt die Gallenbildung und nicht nur den Gallenfluss. Tierversuche ergaben Hinweise auf eine choleretische Aktivität. Ausreichend gesichert ist die papa­verinartige, leicht spasmolytische Wirkung am oberen Verdauungstrakt.
ANWENDUNG
1. Chelidonii herba - sehr komplex; unter anderem wirken Chelidonin und Protopin spasmolytisch, Berberin cholokinetisch, Chelerythrin zentrallähmend und schleim­hautreizend und Sanguinarin als ein Cholinesterasehemmstoff. Bestandteil von Leber- und Galletees sowie in Extrakten von diesbezüglichen Phytotherapeutika. Volkstümlich dient der frische Milchsaft zur Behandlung von Warzen, Hornhaut und Hühneraugen.

2. Chelidonii radix - Volkstümlich wie Chelidonii herba.
HOMÖOPATHIE
1. Chelidonium majus HAB1, der frische Wurzelstock mit anhängenden Wurzeln. Anwendungsgebiet: Entzündungen, Steinbildungen und chronische Störungen des Leber-Galle-Systems; Entzündungen der Atemorgane und des Rippenfells; Rheumatismus.

2. Chelidonium majus e floribus, äthanol. Digestio HAB1, Vergärung der Wurzel nach Kalt-Warm-Rhythmus.
SONSTIGES
Der Name Chelidonium kommt vom griechischen chelidon (Schwalbe). Vermutlich soll der Name zum Ausdruck bringen, dass die Pflanze zur Zeit des Eintreffens der Schwal­ben zu blühen beginnt und bei ihrem Wegzug verblüht. Der deutsche Name Schöllkraut ist vermutlich dem griechisch-lateinischen chelidonium entlehnt. Dem Schöllkraut wurden bereits im Altertum bedeutende Heilkräfte zugeschrieben. Dazu schreibt unter anderen Dioskurides " Die Wurzel mit Anis und Weisswein getrunken heilt die Gelbsucht und mit Wein als Umschlag den Bläschausschlag". Die berühmte Drogenschule von Salerno schreibt " Schellkraut ist den Augen gesundt, das wird uns von den Schwalben kundt".
Letzte Änderung: 22.07.2010 / © W. Arnold

 

 
Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004.
A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2.
Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.
M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002.
H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9.
Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988.


Wikipedia
Weltbild.de: Schöllkraut (PDF, 647 KB)


Chelidonium majus - Schöllkraut
Chelidonium majus - Schöllkraut
Chelidonium majus - Schöllkraut
Chelidonium majus - Schöllkraut
Chelidonium majus - Schöllkraut


  Ordnung
Familie
Unterfamilie
Gattung
Art
Ranunculales
Papaveraceae
Papaveroideae
Chelidonium
Schöllkraut
  Wiss. Bez. Chelidonium majus


Überdosierung kann zu Magen­krämpfen, Koliken und Benom­menheit führen. Eine Anwendung in Form von Tee ist bedenklich, da die Alkaloid­dosis in einem Aufguss schwer einzustellen ist; ausserdem wurde eine potenzielle Lebertoxizität postuliert.
Die Teebereitung von Schöllkraut ist nicht gebräuchlich, die Anwendung standardisierter Präpa­rate ist vor­zu­ziehen. Das Schöllkraut ist nur in wenigen Tee­präparaten enthalten.


In der chinesischen Kräutermedizin ist das Schöllkraut ebenfalls hoch angesehen.
Die Signaturenlehre assoziierte die gelben Blüten und den gelben Milch­saft früher mit Gelbsucht.