HEILPFLANZEN
Chamaemelum nobile - Römische Kamille
Chamaemelum nobile (syn. Anthemis chamomilla-romana, A. nobilis, A. odorata, Chamaemelum odoratum, Chamomilla nobilis, Leucanthemum odoratum, Lyonnetia abrotanifolia, Matricaria nobilis, Ormenis aurea, O. nobilis);

Römische Kamille (syn. Römische Hundskamille, Edel-Kamille, Gartenkamille, Doppelte Kamille, Grosse Kamille, Dickköpfe, Welsche Kamille, Dicke Granille, Gaadekamille, Krampf-Kamille),
Chamaemelum nobile - Römische Kamille
Chamaemelum nobile - Römische Kamille
Chamaemelum nobile - Römische Kamille
VORKOMMEN
Die Art kommt in Westeuropa vor, nördlich bis Nord-Irland. In Südeuropa und im mit­t­le­ren Südeuropa ist sie teilweise eingebürgert, ebenso in Nordwest-Afrika. In Mitteleuropa sind ihre östlichsten Vorkommen in Belgien, ansonsten kommt sie nur selten verwildert vor. Anbau in Europa, den USA und Argentinien.
MERKMALE
Die Römische Kamille ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die intensiv aromatisch riecht. Sie erreicht Wuchshöhen von 15 bis 30 cm, ist zerstreut behaart und hat verzweig­te Blütensprosse und kurze sterile Sprosse. Chamaemelum nobile ist eine mehrjährige, niederliegende Pflanze mit stark gefiederten Blättern und relativ grossen, bei Garten­sor­ten häufig gefüllten Blütenköpfchen. Der Köpfchenboden ist nicht hohl wie bei der Echten Kamille (Matricaria recutica).
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
1. Chamomillae romanae flos - (syn. Anthemidis flores, Anthemidis flos, Flores Chamomil­lae hortensis, -nobilis Flores Chamomillae nobilis, -odorati, Flores Chamomillae odorati Chamomillae romanae flores, Flores Anthemidis, Flores Chamomillae romanae, Flos Anthe­midis); Römische Kamillen, die getrockneten Blütenköpfchen der kultivierten, gefülltblütigen Varietät.

2. Chamomillae romanae aetheroleum - (syn. Aetheroleum Chamomillae romanae, Oleum Anthemidis, Oleum Chamomillae romanae); Römisches Kamillenöl, das aus den frischen oder getrockneten, gefüllten oder ungefüllten Blütenköpfchen und den getrockneten oberirdischen Pflanzenteilen gewonnene ätherische Öl.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Apigenin-7-GlucosidÄtherisches Öl (0.6 - 2.4%), das ausser den übli­chen Azulenverbindungen (siehe Matricaria recutica) Ester der Angelica-, Tiglin-, Methacryl- und Isobuttersäure mit C3- bis C6-Alkoholen enthält. Ferner liegen vor: Sesquiterpene vom Germacranolidtyp (vorwiegend Nobilin) sowie Triterpene und mehrere Flavonglykoside (Api­genin-, Luteolin- und Opatuletin-7-glykosid), Ester der Kaffee- und Ferulasäure sowie Polyacetylene. Ausserdem sind in geringer Menge Terpenkohlenwasserstoffe, unter anderem α- und β-Pinen, α- und β-Caryophyllen vor­handen.
ANWENDUNG
Vorwiegend bei stressbedingten Verdauungsstörungen mit Blähungen, bei Übelkeit (auch Schwangerschaftsübelkeit), Erbrechen und schmerzhafter Monatsblutung; ferner bei Entzündungen der Mundschleimhaut. Äusserlich als Aufguss zur Wundbehandlung bei entzündlichen Prozessen sowie für Spülungen bei Schleimhhautentzündungen im Mundbereich, ferner zum Aufhellen nachgedunkelter Haare. Atherisches Öl auch als Zusatz von Likören und Kosmetika.
PHARMAKOLOGIE
NobilinIn verschiedenen Tierversuchen konnten antiallergische, entzündungshemmende, antidiuretische, beruhigende (den flüchtigen Verbindungen zugeschrieben) und sogar gewisse Antitumoreffekte (durch Sesquiterpene - Nobilin und andere) demonstriert werden. Das ätherische Öl besitzt antimikro­bielle Eigenschaften.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Zur Teezubereitung kommen als Einzelgabe 1 Esslöffel (etwa 2-3 g) fein zerschnittene Droge zum Einsatz.
HOMÖOPATHIE
Chamaemelum nobile HAB1, die frischen oberirdischen Teile blühender Pflanzen. Anwendungsgebiet.: Magen-Darm-Beschwerden, nervöse Störungen.
SONSTIGES
Römische Kamille ist seit dem 16. Jh. als Arzneipflanze bekannt. Arzneilich angewendet wurde sie zuerst in England, wo sie, bes. in der Nähe von London, als gemeines Unkraut verbreitet war. Der Name "nobile" (lat., edel) sollte die therapeutische Überlegenheit gegenüber der Gemeinen Kamille andeuten. Chamaemelum ist dagegen der alte Name für Chamomilla, wie er schon von Dioskurides (1. Jh. n.Chr.) gebraucht wurde.
Letzte Änderung: 14.05.2011 / © W. Arnold
 
Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004.
A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2.
Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.
M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002.
H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9.
Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988.

Wikipedia

Chamaemelum nobile - Römische Kamille
Chamaemelum nobile - Römische Kamille
Chamaemelum nobile - Römische Kamille

  Ordnung
Familie
Gattung
Asterales
Asteraceae
Chamaemelum
  Wiss. Bez. Chamaemelum nobile

Die Römische Kamille ist vor allem in Frankreich und England gebräuchlich und wird dort wie die Echte Kamille verwendet.

Extrakte aus der Römischen Kamille sind in einigen Haarshampoos enthalten und sollen die Haarfarbe nachgedunkelter Haare aufhellen

Der Gehalt an Germacranoliden mit exocyclischer Methylengruppe macht die römische Kamille zu einem potentiellen Kontaktallergen.

Traditionelle Medizin