| HEILPFLANZEN |
Centaurium minus - Echtes Tausendgüldenkraut |
Centaurium minus (syn. Centaurium centaurium, C. erythraea , C. umbellatum, Erythraea centaurium);

Echtes Tausendgüldenkraut (syn. Bitterkraut, Erdgallenkraut, Gottesgnadenkraut, Fieberkraut, Hundertguldenkraut, Laurin, Magenkraut, Roter Aurin, Sanktorikraut). |
| Das streng geschützte Echte Tausendgüldenkraut ist in fast ganz Europa mit Ausnahme des nordwestlichen Skandinaviens verbreitet. Es kommt zerstreut auf sonnigen, halbtrockenen bis frischen Wiesen und Waldlichtungen bis in Höhenlagen von gut 1200 m vor. |
Diese ein- bis zweijährige krautige Pflanze erreicht eine Wuchshöhe von bis zu 50 cm. Die Grundblätter bilden eine Rosette und die ganzrandigen Laubblätter am hohlen Stängel sind kreuzgegenständig. Die fünfzähligen, zwittrigen Blüten weisen einen Durchmesser von 9 bis 15 mm auf. Die Hauptblütezeit reicht von Juni bis September, die Blüten öffnen sich nur bei Sonnenschein.
Centaurium erythraea wird heute in nicht weniger als 12 Unterarten gegliedert. |
| DROGEN (verwendete Pflanzenteile) |
Centaurii herba (syn. Herba Centaurii, Herba Chironiae, Herba Erythraeae centaurii, Herba Felis terrae, Summitates Centaurii); Tausendgüldenkraut (syn. Bitterkraut, Erdgallenkraut, Fieberkraut, Roter Aurin, Tausendguldenkraut), die getrockneten, oberirdischen Teile blühender Pflanzen.
Die Droge wird aus Ungarn, Rumänien, Jugoslawien und Marokko importiert.
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| WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE |
Bitterstoffe (Iridoide/Secoiridoide; siehe auch gentiana lutea

Die Droge enthält als Hauptiridoid das Secoiridoidglucosid Swertiamarin (75% der gesamten Iridoidmenge), neben geringeren Mengen an Gentiopikrin und Swerosid; daneben konnten auch das Secoiridoid Gentioflavosid und das Iridoid Dihydrocornin aufgefunden werden. Der Bitterwert der Droge wird vor allem bestimmt durch die zwar nur in kleinen Mengen vorhandenen, aber intensiv bitterschmeckenden Swerosidester Centapikrin und Desacetylcentapikrin, die fast ausschliesslich im Fruchtknoten lokalisiert sind.

Secoiridoidalkaloide: Gentianin (0,3% isoliert) und Gentianidin.

Triterpene:

0,7% Oleanolsäure, β-Sitosterol, Oleanolsäurelacton, Maslinsäure, Erythrodiol, β-Amyrin, α-Amyrin, Erythrodiol-3-palmitat, Stigmasterol, Campesterol, Brassicasterol und δ-7-Stigmasterol.

Ferner sind inder Droge vorhanden: Xanthone, Flavonoide, Triterpene und Phenolcarbonsäurederivate, unter anderem Protocatechu-, Syringa-, Kaffeesäure und Ferulasäure. |
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| Diese Bitterstoffe wirken appetitanregend, indem sie sowohl direkt als auch reflektorisch zur einer verstärkten Sekretion von Speichel und Verdauungssäften führen. Die Erregung geht von den Geschmacksknospen des Zungengrundes aus und reizt den Nervus vagus, wodurch die Drüsenzellen der Magenschleimhaut zur verstärkten Produktion von Salzsäure und Pepsinogen veranlasst werden. Das Proenzym Pepsinogen ist die (inaktive) Vorstufe des eiweissspaltenden Pepsins. Erreichen die Bitterstoffe den Magen, wird in einer zweiten Phase das Hormon Gastrin freigesetzt, das ebenfalls sekretionssteigernd wirkt und die Magenmotorik sowie die Produktion von Gallen- und Pankreassaft anregt. Gleichzeitig wird durch die vermehrte Bildung von Salzsäure ein Säuregrad erreicht, der ein Aktivitätsoptimum für die Verdauungsenzyme ist. Insgesamt wird somit durch die Bitterstoffe der Appetit angeregt, die Entleerung des Magens nach der Speiseaufnahme beschleunigt und die Resorption von Nahrungsstoffen gefördert. Da die Wirkung von den Geschmacksnerven ausgeht, sollen Bitterstoffdrogen als Tee oder Tinktur eingenommen werden; Arzneiformen wie Kapseln oder Dragees würden die Wahrnehmung des bitteren Geschmacks verhindern. |
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Appetitlosigkeit, dyspeptische Beschwerden, Bestandteil von Magentees zur Anregung der Magensaftproduktion. In der Volksheilkunde auch bei Leber- und Galleleiden sowie früher bei Fieber. Zur Teezubereitung verwendet man 1-2g (= 1 Teelöffel) fein zerschnittene Droge.

Gegenanzeige: Magen- und Darmgeschwüre. |
Centaurium erythraea HAB; die ganze, frische Pflanze.
Anwendungsgebiet: Magenbeschwerden. |
| Die antiken Ärzte, vor allem. Hippokrates, kannten die Pflanze und unterschieden ein grosses und ein kleines Centaurium (kentaurion to mikron), wobei letzteres unserem Centaurium minus entsprechen sollte. Nach Plinius hat das Centaurion den Namen von dem Centauren Chiron erhalten, der damit die Wunden, die ihm ein auf den Fuss getroffener Pfeil zugefügt hatte, geheilt haben soll. Die Droge hat ihre Bedeutung, besonders als Magenmittel, nie verloren. Ihre Wertschätzung kommt auch im deutschen Namen Tausendgüldenkraut, der aus "tausend Gulden wert" abgeleitet ist, zum Ausdruck. Bock drückt z.B. in seinem Kräuterbuch die Wertschätzung für die Droge wie folgt aus " ist köstlich im Leib und auch eusserlich zu brauchen". In einigen europäischen Regionen, z.B. in der Ukraine, wird ein Branntweinaufguss aus Tausendgüldenkraut und Johanniskraut hochgeschätzt. |
| Letzte Änderung: 06.08.2010 / © W. Arnold |
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Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004. |
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A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2. |
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Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg. |
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M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002. |
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H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9. |
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Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008. |
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Wikipedia; Freie Enzyklopädie. |
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L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988. |
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Ordnung
Familie
Gattung
Art |
Gentianales
Gentianaceae
Centaurium
Echtes Tausendgüldenkraut
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Wiss. Bez. |
Centaurium erythraea |
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Gegenanzeigen, sowie Neben- und Wechselwirkungen sind nicht bekannt, allerdings sollten die Droge und Auszüge daraus bei bestehenden Magen-/Darmgeschwüren wegen der sekretionssteigernden Wirkung nicht angewendet werden. |
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Das Tausendgüldenkraut spielt auch in vielen Geschichten und Legenden eine wichtige Rolle. Dort soll es Gesundheit und grossen Reichtum bringen. |
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Die Droge wurde früher zum Färben der Haare verwendet. |
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