| HEILPFLANZEN |
Capsella bursa-pastoris - Hirtentäschel |
Capsella bursa-pastoris (syn. Bursa pastoris, Capsella polymorpha, Iberis bursa-pastoris, Lepidium bursa-pastoris, Nasturtium bursa-pastoris, Rodschiedia bursa-pastoris, Thlaspi bursa-pastoris, Thlaspi polymorphum);

Hirtentäschel (syn. Bauernsenf, Echtes Hirtentäschelkraut, Gänsekresse, Täschelkraut, Taschenknieper), |
| Europa; mittlerweile als Unkraut weltweit verbreitet. Das Drogenmaterial wird am Wildstandort in Osteuropa und Asien geerntet. |
| Ein- bis zweijährige Pflanze mit länglichen, tief gelappten Blättern in grundständiger Rosette und kleinen weissen Blüten auf einem etwa 40 cm hohen Blütenstängel. Die typischen, verkehrt herzförmigen Schötchenfrüchte ähneln den früher von Hirten benutzten Taschen, daher der Trivialname. |
| DROGEN (verwendete Pflanzenteile) |
| Bursae pastoris herba (syn. Herba Bursae pastoris, Herba Sanguinaria); Hirtentäschelkraut (syn. Beutelschneiderkraut, Blutkraut, Herzelkraut, Säckelkraut, Täschelkraut), die getrockneten, zur Blütezeit gesammelten oberirdischen Pflanzenteile. |
| WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE |
Sinapin, der Cholinester der Sinapinsäure, das als charakteristischer Samen-Inhaltsstoff der Familie gilt, konnte auch in mehreren Capsella-Arten nachgewiesen werden. Im frischen Kraut konnten Sinigrin, 9-Methylsulfinylnonyl- und 10 Methylsulfinyldecylglucosinolat identifiziert werden. Die Droge weist einen hohen Gehalt an Aminosäuren und Proteinen (32 % in der Trockensubstanz) auf, 22 Aminosäuren wurden chromatographisch identifiziert, die Hauptkomponenten sind Prolin, Valin, Omithin, und α- und γ -Aminobuttersäure. Ein physiologisch aktives Polypeptid konnte nicht näher definiert werden. Das Vorkommen von Cholin (bis 1 %), Acetylcholin (ohne Mengenangabe), Tyramin und Spuren von Histamin wird sowohl bestritten wie bestätigt.

Flavonoide: 16 Flavon- und Flavonolglykoside der Aglyka Kämpferol, Luteolin, Diosmetin und Quercetin wurden identifiziert bzw. isoliert, unter anderem Rutin (0,006 %), Luteolin-7-rutinosid (0,002 %) und Diosmin.

Organische Säuren: Hoher Anteil an phenolischen und aliphatischen organischen Säuren (z. B. Chlorogen-, Syringa-, Vanillinsäure, Fumarsäure uund weitere).

Vitamin C, β-Sitosterol und Triterpene nicht bekannter Struktur wurden nachgewiesen.
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| Obwohl entzündungshemmende, harntreibende, blutdrucksenkende und weitere Effekte (gegen Magengeschwüre) in Tierversuchen gezeigt werden konnten, sind die traditionellen Indikationen von Hirtentäschel noch nicht befriedigend erklärt. Ein Peptid mit Oxytocin-ähnlicher Wirkung ist vermutlich für die Blutstillung im Uterusbereich verantwortlich. Die Extrakte zeigen bei Injektion Muscarin-ähnliche Effekte (dosisabhängige Blutdrucksenkung und -erhöhung), positiv inotrope und chronotrope Wirkung am Herzen sowie erhöhte Uteruskontraktion. |
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| In der europäischen Volksmedizin nur noch selten innerlich oder äusserlich als blutstillendes Mittel und bei Dysmenorrhoen; früher galt die Droge als Mutterkornersatz bei Gebärmutterblutungen, diese Anwendung ist aber allein schon wegen der unzuverlässigen Wirkung obsolet. Die Indianer Nordamerikas trinken ein aus der pulverisierten Droge hergestelltes Infus gegen Kopfschmerzen. In den bolivianischen Anden werden Frischpflanzenabkochungen zur Anregung während der Geburt getrunken, auf den Kanarischen Inseln und in Spanien diese neben den üblichen Anwendungen auch bei Blasenentzündungen. In der traditionellen chinesischen Medizin nutzt man die Droge bei unspezifischen Augenerkrankungen und Ruhr. Die Anwendungsgebiete sind gegenwärtig nicht belegt.
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1. Capsella bursa-pastoris HAB1 (syn. Thlaspi bursa pastoris), die frischen oberirdischen Teile blühender Pflanzen.
Anwendungsgebiet: Steinleiden, Gebärmutterblutungen, Schleimhautblutungen.

2. Capsella bursa-pastoris, äthanol. Infusum HAB1 (syn. Capsella, äthanol. Infusum), die zur Blütezeit gesammelten, getrockneten oberirdischen Teile. |
| Der deutsche Name Hirtentäschel ist die Übersetzung des lateinischen Namens, nämlich capsella von capsula (Kapsel) und pastor (Hirt), womit auf die Form der Früchte, der Schötchen, hingewiesen wird. Verwendet wurden von den alten griechischen und römischen Ärzten offenbar bevorzugt die Samen. Die Indikation war vielseitig, unter anderem bei Ischias, auch als Abortivum. Hippokrates z.B. führt Bursa pastoris als Uterusmittel an, im Mittelalter wird die Droge bes. als Hämostyptikum geschätzt. |
| Letzte Änderung: 26.12..2010 / © W. Arnold |
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Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004. |
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A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2. |
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Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg. |
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M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002. |
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H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9. |
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Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008. |
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Wikipedia; Freie Enzyklopädie. |
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L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988. |
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Ordnung
Familie
Gattung |
Brassicales
Brassicaceae
Capsella
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Wiss. Bez. |
Capsella bursa-pastoris |
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Hirtentäschel wird seit dem Altertum medizinisch genutzt - die Samen wurden bei archäologischen Ausgrabungen gefunden. |
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Die innerliche Anwendung bei Menstruationsstörungen gilt heute wegen der unzuverlässigen Wirkung als obsolet. |
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