HEILPFLANZEN
Atropa belladonna - Tollkirsche
Atropa belladonna (syn. Atropa lethalis, A. lutescens, A. pallida, Belladonna baccifera, Belladonna trichotoma);

Tollkirsche (syn. Judenkernlein, Judenkirsche, Rasewurz, Schlafkirsche, Schwarzber, Teufelsauge, Teufelsberi, Teufelskirsche, Tintenbeer, Todeskraut, Tollbeere, Tollkraut, Waldnachtschatten, Wolfsbeere, Wolfskirsche).
Atropa belladonna - Tollkirsche
Atropa belladonna - Tollkirsche
Atropa belladonna - Tollkirsche
VORKOMMEN
Eurasien, kultiviert auf dem Balkan, Indien, Pakistan, USA, Brasilien. Als Zierpflanze (kindersicher) kultiviert in meinem Garten.
MERKMALE
Bei der Schwarzen Tollkirsche handelt es sich um eine ausdauernde, krautige Pflanze, die gewöhnlich Wuchshöhen zwischen 50 cm und 1,50 m erreicht. Die sommergrünen, ganzrandigen und ungeteilten Laubblätter können eine Länge von bis zu 15 cm und eine Breite bis etwa 8 cm entwickeln. Sie sind oval geformt und laufen lanzettlich zugespitzt aus. Ebenso wie der Stängel zeigen auch die Blätter eine flaumige Behaar­ung. Die kugeligen Beeren zeigen eine schwarze, lackartig glänzende Oberfläche.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
1. Belladonnae folium - (syn. Belladonnae herba, Folia Belladonnae, Herba Belladonnae); Belladonnablätter (syn. Tollkirschenblätter, Tollkrautblätter, Waldnachtschattenblätter, Wolfsbeerenblätter, Wolfskirschenblätter, Tollkirschenkraut, Tollkraut).

2. Belladonnae radix (syn. Radix Belladonnae); Belladonnawurzel.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Atropin, Scopolamin1. Belladonnae folium - Tropanalkaloide: Atropin (Racemat aus S-(-)- und R-(+)-Tropasäureester des Tropins) und (-)-Hyoscyamin als Hauptalkaloide, daneben geringe Mengen an Apoatropin, Belladonnin und (-)-Scopolamin; Flavonoide, Cumarine, Gerbstoffe.

2. Belladonnae radix - Tropanalkaloide (0,3-1,2 %), unter anderem Hyoscyamin, Apoatropin, Tropin, Cuskhydrin, Scopolamin.
PHARMAKOLOGIE
Hyoscyamin hemmt den Muscarinrezeptor und damit das parasympathische System. Die Alkaloide wirken in niedriger Konzentration erschlaffend und beruhigend, hohe Konzen­tra­tionen führen jedoch zu Schmerzstillung, Halluzinationen, Schlaflosigkeit und Tod. In therapeutischer Dosis erhöht Atropin die Herzschlagfrequenz und entspannt die glatte Muskulatur. Daher nimmt die Speichel- und Schweissbildung ab, Magendarm- und Gal­lenwegskrämpfe werden gelindert.
ANWENDUNG
1. Belladonnae folium - Durch die parasympathikolytische Wirkung der Tropanalkaloide werden die Drogen zur Spasmolyse im Gastrointestinaltrakt, der Gallenwege, der Harn­blase und der Bronchiolen eingesetzt. Ausserdem führt Atropin zur Mydriasis und Akko­modationslähmung, es hemmt die Sekretion exokriner Drüsen (Speichel-, Magensaft-, Pankreassaft- und Schweisssekretion) und führt zur Unterdrückung von Übelkeit und Erbrechen. In Dosen ab 3 mg (-)-Hyoscyamin kommt es zur Stimulation des ZNS, ab 10 mg zu zentralen Lähmungen.

2. Belladonnae radix - Siehe Belladonnae folium. Darüber hinaus diente die Droge zur sogenannten Bulgarischen Kur, benannt nach dem bulgarischen Wunderheiler Ivan Raeff aus Schipka, die zur Therapie der chronischer Encephalitis genutzt wurde. Diese Anwendung ist heute obsolet.
HOMÖOPATHIE
Atropa belladonna (syn. Belladonna) HAB1, am Ende der Blütezeit gesammelte, ganze, frische Pflanze ohne verholzte Stengelteile.

Anwendungsgebiet: Entzündungen der Mandeln, der Atemorgane, des Magen-Darm-Kanals, der Harn- und Geschlechtsorgane, der Hirnhäute, der Haut und der Gelenke.
SONSTIGES
Die Gattung ist nach Atropos, der griechischen Parze benannt, die den Lebensfaden durchschnitt. Im 16. Jh. wurde die Tollkirsche als Kosmetikum zur Erzeugung grosser Pupillen eingesetzt, daher rührt der Name "bella-donna". Die Tollkirsche spielte im Mittelalter als Bestandteil von Hexentränken und -salben eine grosse Rolle, die mit der ZNS-Wirksamkeit der Tropanalkaloide in Verbindung steht (Halluzinogene biogenen Ursprungs). Die Tollkirsche wurde auch als Mordgift benutzt, so z.B. im Krieg der Schotten gegen die skandinavische Armee unter dem Norwegerkönig Sven Knut (etwa 1035). Damals vergifteten die Schotten die Nahrungsmittel der Skandinavier mit Tollkirsche und vernichteten damit die norwegischen Truppen.
Letzte Änderung: 15.06.2010 / © W. Arnold
 
Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004.
A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2.
Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.
M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002.
H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9.
Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988.


Wikipedia


Atropa belladonna - Tollkirsche
Atropa belladonna - Tollkirsche
Atropa belladonna - Tollkirsche
Atropa belladonna - Tollkirsche


  Ordnung
Familie
Gattung
Art
Solanales
Solanaceae
Atropa
Schwarze Tollkirsche
  Wiss. Bez. Atropa belladonna


Neben der schwarzfrüchtigen Toll­kirsche gibt es auch eine seltene gelbfrüchtige Varietät (Atropa bella­donna var. lutea), die blassgelbe Blüten hat


Atropin und andere Tropanalkaloide sind sehr giftig; Behandlung nur unter ärztlicher Aufsicht.


Traditionelle Medizin
Kommission E: positive Bewertung