HEILPFLANZEN
Artemisia annua - Einjähriger Beifuss
Artemisia annua (syn. Artemisia chamomilla)
Artemisia annua - Einjähriger Beifuss
Artemisia annua - Einjähriger Beifuss
Artemisia annua - Einjähriger Beifuss
Artemisia annua - Einjähriger Beifuss
VORKOMMEN
Europa und Asien (gemässigte Klimaregionen); verbreitetes Unkraut, in Nordamerika eingebürgert. Kommerzieller Anbau in Ostchina, auf dem Balkan, mittlerweile auch in Indien und Afrika. Ist anspruchslos und gedeiht gut im Garten.
MERKMALE
Einjährige, aufrechte, bis 2 m hohe Pflanze mit frischgrünen, stark zerteilten Blättern und winzigen cremefarbenen Blütenköpfen. Dier blühende Pflanze verbreitet einen sehr angenehmen Geruch.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Artemisia-annua-Kraut (syn. Herba Artemisiae Annuae), die getrockneten, oberirdischen Teile.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Artemisinin, Artemisiaketon

Ätherisches Öl:
Hauptkomponente des ätherischen Öls ist in der Regel das Artemisiaketon, daneben kommen α- und β-Pinen, Camphen, Myrcen und Sabinen vor. Auch flüchtige Sesqui­ter­pene wurden nachgewiesen, unter anderem β-Caryophyllen, Germacren D, β-Cadinen und Nootkaton.

Bitterstoffe:
Das Sesquiterpenlacton Artemisinin (Qinghaosu) kommt nur in den grünen Teilen der Pflanze vor. Die Konzentration ist kurz vor der Blüte am höchsten und beträgt bis 0,1 % berechnet auf das Trockengewicht. Daneben kommen andere Sesquiterpenderivate wie z. B. die Arteannuinsäure, oder das Arteannuin B vor, bei denen es sich evtl. um Vorstufen in der Biogenese des Artemisinins handelt.

Sonstige Verbindungen:
Ferner wurden methoxylierte Flavonoide wie z. B. das Artemetin, Chrysosplenetin oder Eupatorin beschrieben.
PHARMAKOLOGIE
Artemisinin (und synthetische oder teilsynthetische Derivate) besitzen signifikante Anti­malaria- und antibiotische Wirkung. In zahlreichen klinischen Studien scheint sich zu bestätigen, dass verschiedene Artemisininderivate als wirksame und sichere Therapie von unkomplizierter Malaria geeignet sind. Artemether wird von der WHO zur Therapie resistenter und zerebraler Malariaformen empfohlen.

Untersuchungen zeigen, daß Artemisinin bei Zugabe zu Plasmodium-falciparum-Kulturen seine Löslichkeit und chromatographischen Eigenschaften ändert. Artemisinin reagiert mit Hemin unter Bildung von Addukten; in Anwesenheit von Erythrozytenmembranen führt diese Reaktion zur Oxidation von Proteinthiolen. Da Malariaparasiten reich an Hemin sind, führt Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen die selektive Toxi­zität von Artemisinin auf die Parasiten hierauf zurück.
ANWENDUNG
Artemisia annua gilt in der TCM als „kühlendes” Mittel; man nutzt es bei einer Vielzahl von Beschwerden, als Tonikum bei Verdauungsstörungen und seit der Antike als Fieber­mittel.
In neueren Studien wurde gezeigt, dass Artemisia annua als vorbeugendes, wie auch als therapeutisches Mittel bei Malaria hochwirksam ist - sogar gegen multiresistente Plas­modium-Stämme -, daher dient es als Rohstoffquelle für moderne und kostengünstige Malariamedikamente.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Traditionell Aufgüsse und Tinkturen der Droge; heutzutage sind für die Malariatherapie standardisierte Extrakte in Tabletten- und Zäpfchenform verfügbar. Die Genesung kann schon nach einer Einzeldosis innerhalb von 24 Stunden erfolgen.
SONSTIGES
Artemisia-annua-Kraut wird in der chinesischen Volksmedizin bereits seit 168 v. Chr. ver­wendet. Die Anwendung als Anti-Malaria-Mittel wurde erstmals 340 n. Chr. beschrieben. Die Droge wird ferner in der Volksmedizin verwendet, um Fieber, Gelbsucht, Krätze, Hautjucken und Geschwüre zu behandeln. Diese Anwendungsgebiete sind derzeit nicht belegt.
Letzte Änderung: 10.05.2010 / © W. Arnold

 

 
Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004.
A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2.
Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.
M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002.
H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9.
Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988.


Wikipedia
Anamed ‐ Artemisia annua und die Malariaproblematik heute (PDF, 57 KB)
Deutsches Medikamenten-Hilfswerk (PDF, 97 KB)


Artemisia annua - Einjähriger Beifuss
Artemisia annua - Einjähriger Beifuss
Artemisia annua - Einjähriger Beifuss


  Ordnung
Familie
Unterfamilie
Gattung
Art
Asterales
Asteraceae
Asteroideae
Artemisia
Einjähriger Beifuß
  Wiss. Bez. Artemisia annua


Wie alle ätherischen Öle von Heil­pflanzen sollte das ätherische Öl nicht während der Schwan­ger­schaft eingenommen werden, da sie in höherer Konzentration abtreibend wirken können.


Die teilsynthetische, auf Artemisinin basierende Verbindung, Artemether, ist in Afrika zugelassen worden.