| HEILPFLANZEN |
Aristolochia clematitis - Osterluzei |
Aristolochia clematitis (syn. Aristolochia infesta, A. sarracenia);

Osterluzei (syn. Aristolochia), |
| Diese Art ist ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet und findet sich heute durch Verwilderungen in ganz Mitteleuropa an wärmeren Standorten, zum Beispiel im Bereich von Weinbergen. In Bereich der Donauauen in Niederösterreich gilt sie als heimisch. Die gewöhnliche Osterluzei steht in mehreren Bundesländern in Deutschland auf der roten Liste gefährdeter Arten. |
| Mehrjährige Pflanze mit 60 cm hohen Stängeln, kriechenden Rhizomen und herzförmigen Blättern. Alle Pflanzenteile riechen unangenehm. Die gelben Blüten erinnern entfernt an einen menschlichen Fötus, daher der wissenschaftliche Name (griechisch: aristos lochia, „sehr gute Geburt”) - ein typisches Beispiel für die Signaturenlehre. |
| DROGEN (verwendete Pflanzenteile) |
| Aristolochiae herba (syn. Herba Clematitis); Osterluzeikraut, das getrocknete Kraut. |
| WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE |
Aetherisches Öl (0,02-0,2 %, mit α-Pinen und α-Terpineol als Hauptkomponenten), Aristolochiasäuren mit Aristolochiasäure I (0,2 %, einer 3,4-Methylendioxy-8- methoxy-10-nitrophenanthren-carbonsäure und Aristolochiasäure II (0,1 %) im Trockengewicht als Hauptkomponenten, ferner phenolische Stoffe, unter anderem Chlorogensäure, p-Cumarsäure und Sinapinsäure.

|
 |
Aristolochiasäuren bilden nach Stoffwechselaktivierung DNA-Addukte, die zu Tumoren und Nierenschäden führen können. Trotzdem besitzen die Verbindungen offenbar wundheilende und immunstimulierende Eigenschaften.

Neben den karzinogenen Eigenschaften ist Aristolochiasäure stark nephrotoxisch (nierenschädigend). In Deutschland sind, aufgrund eines Stufenplanverfahrens (vom 03.06.1981), alle "Aristolochiasäure-haltigen Human- und Tierarzneimittel, einschliesslich phytotherapeutischer und homöopathischer Arzneimittel, die unter Verwendung Aristolochiasäure-haltiger Pflanzen hergestellt werden", verboten. Auf Basis des damaligen Kenntnisstandes durften jedoch "homöopathische Arzneimittel, die unter Verwendung von Extrakten oder Urtinkturen aus Pflanzen der Gattung Aristolochia hergestellt werden" ab der Potenzstufe D11, auch weiterhin im Verkehr bleiben. |
 |
| in der Volksheilkunde seit Jahrhunderten als Wundheilmittel, praktisch Vorläufer der späteren pflanzlichen Immunstimulantien. Traditionell zur Weheneinleitung genutzt, früher auch zur Einleitung von Monatsblutungen und Abtreibungen. Inzwischen ist die Anwendung der Droge auf die Homöopathie beschränkt. |
Aristolochia clematidis HAB1, die frischen oberirdischen Teile.
Anwendungsgebiet: Menstruationsbeschwerden und Erkrankungen des venösen Systems. |
Die Raupen einiger Faltergattungen aus der Familie der Ritterfalter
(Papilionidae) haben sich auf Pflanzenarten aus den oben genannten
Gattungen spezialisiert. Sie sind immun gegen die enthaltenen Giftstoffe und
schützen sich auf diese Weise vor potentiellen Fressfeinden |
 |
Aristolochia gehört zu den uralten Heilpflanzen. Im Altägyptischen bedeutet der Name "schlangenwidrig". Die einzelnen Aristolochia-Arten dienten bei allen berühmtem Ärzten des griechischen und römischen Altertums als Mittel gegen Schlangenbiss. Völlig unabhängig wurde die "Aristolochia" auch von den nordamerikanischen Indianern mit der gleichen Indikation genutzt. Die spätere Indikation war besonders die als Wundheilmittel sowie bei Menstruationsbeschwerden. In katholischen Gegenden ist die Osterluzei Bestandteil des sog. Wurzwisches, eines aus verschiedenen Arzneipflanzen bestehenden Strausses, der an Mariä Himmelfahrt in der Kirche geweiht wird. Der Ursprung des Gattungsnamens "Aristolochia" geht auf die griechischen Worte aristos (sehr gut, der Beste) und lóckeia (Niederkunft, Geburt) zurück und weist damit auf die Geburtsfördernde Nutzung der Pflanze hin, während der Artname clematitis vom griechischen klema (Ranke) abgeleitet ist und die Ähnlichkeit mit der Gattung Clematis zum Ausdruck bringen soll. Der deutsche Name Osterluzei wird mit Ostern in Verbindung gebracht. |
 |
| Letzte Änderung: 26.10.2010 / © W. Arnold |
|
|
 |
 |
Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004. |
 |
A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2. |
 |
Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg. |
 |
M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002. |
 |
H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9. |
 |
Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008. |
 |
Wikipedia; Freie Enzyklopädie. |
 |
L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988. |
 |
| |
Ordnung
Familie
Unterfamilie
Gattung
Art |
Piperales
Aristolochiaceae
Aristolochioideae
Aristolochia
Gewöhnliche Osterluzei
|
| |
Wiss. Bez. |
Aristolochia clematitis |
 |
 |
In Deutschland ist die medizinische Anwendung von Aristolochia-Arten wegen ihrer Giftigkeit seit 1981 verboten. So konnten z. B. mehrere Fälle von Nierenversagen (interstitielle Fibrose) in Belgien auf die Verwendung der chinesischen A. fangchi zurückgeführt werden. |
 |
 |
Die Osterluzei ist regional Bestandteil eines Pflanzengebindes bei der Kräuterweihe, die in manchen katholischen Gegenden an Mariä Himmelfahrt in der Kirche gefeiert wird. |
|