| HEILPFLANZEN |
Ammi visnaga - Bischofskraut |
Ammi visnaga (syn. Daucus visnaga, Apium visnaga, Visnaga daucoides, Sium visnaga, Selinum visnaga, Visnaga vera, Ammi dilatum);

Bischofskraut (syn. Zahnstocherkraut, Khellakraut, Zahnstocherammei). |
| Mittelmeergebiet, von den Kanaren und Marokko bis nach Ägypten und Iran; eingebürgert in Süd- und Nordamerika; kommerzieller Anbau vorwiegend in Ägypten, Marokko und Tunesien. |
| Einjährige, aufrechte Pflanze mit mehrfach gefiederten Blättern und winzigen weissen Blüten in grossen zusammengesetzten Dolden. Die kleinen Früchte schmecken äusserst bitter. |
| DROGEN (verwendete Pflanzenteile) |
Ammeos visnagae fructus (syn. Fructus Ammi visnagae);
Ammi-visnaga-Früchte (syn. Khellafrüchte, Ammeifrüchte), die getrockneten Früchte. |
| WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE |
 Furanochromone (1-1,6 %), unter anderem Khellin und Khellol; Pyranocumarine (0,2-0,5 %) unter anderem Visnadin, Samidin und Dihydrosamidin sowie Flavonoide und geringe Mengen äther. Öl.
|
| Visnadin ist ein starkes gefässerweiterndes Mittel, das über eine Blockade der Calciumkanäle wirkt. Visnagin und Khellin (sowie synthetische Derivate) besitzen krampflösende Eigenschaften. Für Khellin ist nach Einnahme höherer Dosen eine Erhöhung der Leberenzyme bekannt. |
Auszüge der Droge wirken spasmolytisch, insbesondere im Bereich der Bronchialmuskulatur, der Koronargefässe und im Urogenitaltrakt. Von den Pyranocumarinen wirkt besonders das Visnadin dilatorisch auf die Koronargefässe ohne das periphere System zu beeinflussen. Es zeigt ausserdem einen positiv inotropen Effekt.

Auszüge der Droge kommen vereinzelt in Kombinationspräparaten zur Behandlung leichter Stenocardien und von Asthma bronchiale zur Anwendung. Visnadin wird mitunter in Reinsubstanz gegen Angina pectoris bei Koronarinsuffizienz sowie zur Vorbeugung, Behandlung und Nachbehandlung des Herzinfarkts eingesetzt. |
Ammi visnaga HAB1, die reifen, getrockneten Früchte.

Anwendungsgebiete: Koliken und Krämpfe der glatten Muskulatur, Durchblutungsstörungen des Herzmuskels, Netzhautreizung bei grünem Star. |
| Die Droge fand bereits im alten Ägypten als krampflösendes Mittel Anwendung. Das in der Mitte des 20. Jh. als Mittel gegen Angina pectoris eingesetzte Khellin hat inzwischen wegen beobachteter Nebenwirkungen, wie Übelkeit, Appetitlosigkeit und Diarrhoe, keine therapeutische Bedeutung mehr. Der Name Ammi stammt aus dem Griechischen (ammos = Sand) und wurde offenbar von Dioskurides wegen des Standortes der Pflanze gewählt. Von den doppelt spitzen Doldenstrahlen leitet sich die deutsche Bezeichnung Zahnstocherkraut ab. |
| Letzte Änderung: 22.08.2010 / © W. Arnold |
|
|
 |
 |
Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004. |
 |
Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg. |
 |
M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002. |
 |
Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008. |
 |
Wikipedia; Freie Enzyklopädie. |
 |
L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988. |
 |
| |
Ordnung
Familie
Unterfamilie
Gattung
Art |
Apiales
Apiaceae
Apioideae
Ammi
Bischofskraut
|
| |
Wiss. Bez. |
Ammi visnaga |
 |
 |
Aus Ammi majus-Früchten gewinnt man phototoxische Furanocumarine, die zur Photochemotherapie (PUVA) von Schuppenflechte und Pigmentanomalien (Vitiligo) eingesetzt werden. Khellin diente als strukturelles Vorbild für die Entwicklung des Antiallergikums Cromoglicinsäure, gegen Heuschnupfen. |
 |
 |
Visnagaextrakte gelten zur Behandlung von leichter Angina pectoris als nicht mehr sicher. Neuere Hinweise auf negative Nebenwirkungen (wie pseudoallergische Reaktionen, Schlaflosigkeit und reversible Leberbeschwerden) führten dazu, dass in Deutschland die Kommission E ihre positive Monographie zurückzog. |
 |
Während der Anwendung Sonnenbäder und Solarien meiden! Die Bischofskrautfrüchte enthalten phototoxische Furanocumarine, die die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen. |
|