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Heilpflanzen, in der Antike in vielen
Fällen bedeutende Arzneimittel, haben auch in der modernen Medizin ihren Platz. Ob
Kürbiskernauszüge bei Prostatabeschwerden oder Sonnenhutextrakt bei Grippe, die Zahl der
Naturheilmittel nimmt ständig zu. Besonders das Johanniskraut (Hypericum perforatum),
eine gold-gelb blühende Pflanze, erlebt zur Zeit ein Comeback. Traditionell wird sie bei
der Behandlung von Hautverletzungen und Verbrennungen verwendet. In jüngster Zeit stellte
sich heraus, dass Johanniskrautauszüge auch gegen Depressionen wirkungsvoll sind.

Mediziner an der Hautklinik der Universität Freiburg versuchen nun
nachzuweisen, dass sich mit Johanniskraut-Extrakt und seinem Wirkstoff Hyperforin auch
Bakterieninfektionen bekämpfen lassen. Für ihren Test wählten sie Staphylokokken - das
sind auch in Krankenhäusern verbreitete, gegen eine Vielzahl von Antibiotika resistente
Erreger. Diese Bakterien sind zum Beispiel gefürchtet, weil sie schwere Haut- und
Allgemeininfektionen auslösen und Patienten mit geschwächten Abwehrkräften, etwa
ältere Menschen oder Zuckerkranke, gefährden.

Die Wirksamkeit von Hyperforin bewiesen die Freiburger Forscher,
indem sie den Stoff einem bakteriellen Nährmedium zumischten. Mehrere Testreihen zeigten,
dass auf den derart behandelten Nährböden keine der gefürchteten Staphylokokken mehr
wuchsen - selbst solche nicht, die gegen Penicillin resistent sind. Auch andere
bakterielle Krankheitserreger wurden vom Johanniskrautwirkstoff bezwungen, allerdings
nicht pathogene Hefepilze.

Auch wenn es bislang keine Versuche an Patienten
gab - Jan Simon und Christoph Schempp, Mitglieder des Freiburger Teams, sind sicher, dass
der Johanniskraut-Extrakt auch bei Menschen das gewünschte Ergebnis hat.
"Entscheidender ist allerdings die Frage der Verträglichkeit", so Schempp,
"und da gibt es erst einzelne Hinweise."
Bislang ist weder untersucht, wie der Extrakt vom
Körper aufgenommen wird, noch ob er auch in grösseren Mengen ohne Nebenwirkungen bleibt.
Noch mindestens fünf Jahre, so schätzen die Mediziner, wird es dauern, bis der
Johanniskraut-Extrakt als Medikament auf dem Markt ist. |