GEO  Nr. 04/April 2000

HEILPFLANZEN: Ein Kraut gegen Mikroben

Freiburger Mediziner fanden Hinweise, dass sich mit Johanniskraut-Extrakt Bakterien bekämpfen lassen, bei denen herkömmliche Antibiotika versagen.
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Heilpflanzen, in der Antike in vielen Fällen bedeutende Arzneimittel, haben auch in der modernen Medizin ihren Platz. Ob Kürbiskernauszüge bei Prostatabeschwerden oder Sonnenhutextrakt bei Grippe, die Zahl der Naturheilmittel nimmt ständig zu. Besonders das Johanniskraut (Hypericum perforatum), eine gold-gelb blühende Pflanze, erlebt zur Zeit ein Comeback. Traditionell wird sie bei der Behandlung von Hautverletzungen und Verbrennungen verwendet. In jüngster Zeit stellte sich heraus, dass Johanniskrautauszüge auch gegen Depressionen wirkungsvoll sind.
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johanniskraut_4.jpg (11613 Byte)Mediziner an der Hautklinik der Universität Freiburg versuchen nun nachzuweisen, dass sich mit Johanniskraut-Extrakt und seinem Wirkstoff Hyperforin auch Bakterieninfektionen bekämpfen lassen. Für ihren Test wählten sie Staphylokokken - das sind auch in Krankenhäusern verbreitete, gegen eine Vielzahl von Antibiotika resistente Erreger. Diese Bakterien sind zum Beispiel gefürchtet, weil sie schwere Haut- und Allgemeininfektionen auslösen und Patienten mit geschwächten Abwehrkräften, etwa ältere Menschen oder Zuckerkranke, gefährden.
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Die Wirksamkeit von Hyperforin bewiesen die Freiburger Forscher, indem sie den Stoff einem bakteriellen Nährmedium zumischten. Mehrere Testreihen zeigten, dass auf den derart behandelten Nährböden keine der gefürchteten Staphylokokken mehr wuchsen - selbst solche nicht, die gegen Penicillin resistent sind. Auch andere bakterielle Krankheitserreger wurden vom Johanniskrautwirkstoff bezwungen, allerdings nicht pathogene Hefepilze.
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Auch wenn es bislang keine Versuche an Patienten gab - Jan Simon und Christoph Schempp, Mitglieder des Freiburger Teams, sind sicher, dass der Johanniskraut-Extrakt auch bei Menschen das gewünschte Ergebnis hat. "Entscheidender ist allerdings die Frage der Verträglichkeit", so Schempp, "und da gibt es erst einzelne Hinweise."
 
Bislang ist weder untersucht, wie der Extrakt vom Körper aufgenommen wird, noch ob er auch in grösseren Mengen ohne Nebenwirkungen bleibt. Noch mindestens fünf Jahre, so schätzen die Mediziner, wird es dauern, bis der Johanniskraut-Extrakt als Medikament auf dem Markt ist.

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