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Unter Arzneipflanzen werden hier jene Heilpflanzen
(oder Heilkräuter) verstanden, die der einzelne nicht mehr direkt
verwenden kann, wie z.B. die Giftpflanzen. Arzneipflanzen liefern
vielmehr dem Apotheker und der chemisch-pharmazeutischen Industrie
Wirkstoffe für manche ihre Produkte. Beispiele sind:
- Der Schlafmohn (Papaver somniferum) liefert das in der Medizin
unersetzliche Morphin, Codein und etwa 60 weitere Wirkstoffe (in
diesem Falle Alkaloide). Die Pflanze als Ganzes, der eingedickte
Milchsaft (=Opium) oder die Opiumtinktur werden heute in der Medizin
kaum mehr angewendet.

- Der wollige Fingerhut (Digitalis lanata) liefert viele wertvolle
Herzglykoside (Cardenolide). Der therapeutische Einsatz der Droge
ist wegen der Beeinflussung der Wirkung der Cardenolidglykoside
durch Begleitsubstanzen und wegen der ungenügenden
Reproduzierbarkeit bei der Herstellung der Zubereitungen heute
weitgehend obsolet. Es werden die isolierten bzw. partialsynthetisch
abgewandelten Cardenolidglykoside bevorzugt eingesetzt. Die Droge
dient daher fast ausschliesslich der industriellen Gewinnung der
Cardenolidglykoside. Der wollige Fingerhut ist heute einer der
wichtigsten Arzeipflanzen.

- Die Tollkirsche (Atropa belladonna) liefert die Tropanalkaloide
Atropin, Hyoscyamin und Scopolamin. Die isolierten Alkaoide werden
heute als Tranquilizer, krampflösende Mittel und in Augentropfen
verwendet.
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Viele in Pflanzen vorkommende Substanzen stellt der
Chemike künstlich her. Erst zehn Prozent aller Pflanzen, die auf
der Erde vorkommen sind bis jetzt auf medizinisch wirksame Substanzen
exakt untersucht; ein Mangel, der sicher auf die chemische Dominanz
zurück zuführen ist. Vielleicht gäbe es schon längst Mittel gegen bis
jetzt unheilbare Krankheiten, wenn sich die Forscher mehr auf Pflanzen
als auf Retorten konzentrieren würden.
Werner Arnold |