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Weltweit gibt es über 300 verschiedene
Thymian-Arten, sie gehören zur großen Familie der Lippenblütler:
Thymus vulgaris ist ein Halbstrauch mit dünnen, unterseits
filzigen und nur knapp einen Zentimetern langen Blättchen, die am
Rand eingerollt sind. Anders als viele seiner meist
kriechend-wüchsigen Verwandten bildet er aufrechte, etwa 3o bis 5o
Zentimeter lange Zweige aus. Der Echte Thymian hat in Scheinquirlen
angeordnete, zartlila, rosa oder weißliche Blüten. Seine natürliche
Verbreitung reicht über den gesamten Mittelmeerraum und die
wintermilden Lagen Mitteleuropas bis zum Kaukasus. Kommerziell wird
er vor allem in Südeuropa, Nord- und Ostafrika, Indien und
Nordamerika angebaut.
In Deutschland kommt Thymus vulgaris wild
wachsend nicht vor, gelegentlich mag er aus Gärten aussamen, hat
dann aber wegen seiner Frostempfindlichkeit nur begrenzte
Überlebenschancen. Dafür gibt es bei uns vier andere Thymian-Arten:
Bundesweit verbreitet ist der Feld-Thymian (Thymus pulegioides),
dazu kommen der im wesentlichen auf Süddeutschland beschränkte Frühe
Thymian (Thymus praecox), der Alpen-Thymian (Thymus
alpinus) und der inselartig im Süden und an der Küste
verbreitete Sand-Thymian (Thymus serpyllum).
Thymian gehört zu den alten Heilpflanzen und
wurde früher bei
Verdauungsproblemen, bei Insektenstichen sowie Kopf- und
Gliederschmerzen eingesetzt: Heute nutzt man Thymianpräparate wegen
ihrer krampflösenden Eigenschaften vor allem als Hustenmittel. Das
Kraut wird daneben als durchblutungsförderndes, antibakterielles und
geruchstötendes Gurgelmittel bei Entzündungen des Mund- und
Rachenraums verwendet. Außerdem wirkt es als Badezusatz und in
Cremes hautreinigend. In einer Kombination aus Genuss- und
Arzneimittel finden sich Thymianextrakte in vielen Kräuter- und
Bitterlikören. Für Menschen mit Leberschäden oder
Schilddrüsenproblemen kann die innere Anwendung von Thymian
problematisch sein.
Thymus ist als Pflanzennamen schon aus dem
Altertum bekannt: Sowohl Vergil wie auch Plinius der Ältere loben in
ihren um Christi Geburt erschienenen Werken den Thymianblütenhonig.
Das griechische Thymos ist vom Verb thyein abgeleitet,
das räuchern oder Rauchopfer darbringen bedeutet. Angespielt wird
damit auf die stark duftenden Thymianöle, möglicherweise wurde der
Thymian auch direkt als Räucherpflanze genutzt. Thymian soll auch
zur Insektenabwehr eingesetzt worden sein, Etrusker und Ägypter
balsamierten mit dem keimtötenden Thymian Leichen ein. Daneben galt
Thymian als starkes Aphrodisiakum, dem sich sowohl die Römer des
Altertums bedienten (in Form von Thymianbädern), wie auch später die
Menschen der Renaissance.
Auch als Gewürz vor allem in der mediterranen
Küche darf Thymian bei Braten aller Art, Fisch, Bohnengerichten und
Eintöpfen nicht fehlen: Er ist sowohl im klassischen 'Bouquet garni'
wie auch in der Mischung 'Kräuter der Provence' und in Leber- und
Blutwurstgewürzen enthalten. Thymian fördert die Verdauung und hilft
vor allem bei der Bewältigung fettreicher Speisen. Die Aromen sind
sehr beständig, die Zweige können deshalb mitgekocht und gegart
werden.
Entscheidend für alle Thymian-Verwendungen sind
die in den Blättern und Blüten enthaltenen ätherischen Öle: Der
Ölgehalt und auch die Zusammensetzung ist sortenabhängig und
schwankt je nach Jahreszeit. Hauptbestandteile sind die beiden
Phenole Thymol und Carvacrol. Bei im Winter geerntetem Thymian
dominiert das Thymol, er hat ein feines Aroma. Sommerthymian ist
dafür insgesamt ölreicher mit relativ höheren Carvacrol-Anteilen:
das macht ihn ergiebig, aber auch gröber.
Im Garten liebt der Echte Thymian ebenso wie
seine Verwandten trockene und sonnenbeschienene Standorte: Der Boden
sollte durchlässig und möglichst kalkreich sein. Man kann den
Thymian im März in Schalen voraussähen oder ab Mitte April direkt
ins Freiland. Im Winter benötigt der Echte Thymian Frostschutz durch
Reisigabdeckung. Im Frühjahr sollte man den Halbstrauch bis ins alte
Holz zurückschneiden, alle drei bis vier Jahre empfiehlt sich zur
Verjüngung eine Teilung. Gut passt Thymian in den Steingarten, man
kann ihn aber auch in eine Kräuterspirale integrieren oder als
Beeteinfassung verwenden. Es gibt zahlreiche Duftvarianten, darunter
auch einen Zitronenthymian. |