Chinesische Heilkräuter: Von Arsenerz bis Fledermaussekret

Der chinesische Kräuterfundus ist gross: bis zu 5767 Drogen werden verwendet. Einige sehen westliche Ärzte als kritisch in ihren Nebenwirkungen. Andere haben sich als hochwirksam erwiesen: zum Beispiel Ephedrin, das als Bronchialmittel genutzt wird.

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Die 1596 gedruckte Arzneien-Enzyklopädie "Ben Cao Gang Mu" des berühmten Arztes Li Shizhen enthält 1892 Eintragungen - 1173 botanische, 444 zoologische und 275 mineralische. In modernen Werken finden sich über 5000 Substanzen und deren Wirkungsweise auf Disharmonien im Körper. Die Analyse von TCM-Rezepturen, die meist viele Komponenten aufweisen, bereitet vor allem auch wegen der Synergie-Effekte und Wechselwirkungen zwischen einzelnen Substanzen grosse Schwierigkeiten. Vor der Einnahme hochkonzentrierter Kräutertinkturen wird im Westen sogar gewarnt. Leber- und Nierenschäden, auch Nierenzellkarzinome seien nicht auszuschliessen. Das ändert freilich nichts daran, dass zahllose Hersteller in China Multisubstanz-Fertigpräparate anmischen und weltweit vermarkten.

Immerhin haben Screening-Programme zur Analyse von Inhaltsstoffen einige interessante Substanzen ermittelt. Allen voran "mahuang", die Wurzeldroge aus Ephedra-Arten, die mit Nadelgewächsen verwandt sind. Ihnen entstammt das Ephedrin, mit dem sich Asthma erfolgreich behandeln lässt. Allgemein anerkannt ist die aufbauende Wirkung von Ginseng - seit 2000 Jahren als "Qi-Stärkungsmittel" im Einsatz, wenn auch Studien an der Universität von Hongkong empfehlen, die Wurzel bei hohem Blutdruck nicht zu verwenden. Eine ähnliche Karriere könnte der Heilpflanze Artemisia annua (Einjähriger Beifuss) blühen, einer Verwandten des Estragon, die in China seit Jahrtausenden gegen akute Fieberschübe und Malaria eingesetzt wird. Analysen haben einen Wirkstoff namens Artemisinin zutage gefördert, dessen Effizienz die aller bekannten Malaria-Mittel zu übertreffen scheint.

Letzte Änderung: 12.09.2017 / © W. Arnold