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«Der Test stellt ein gutes Modell für das noch
weitgehend unverstandene Krankheitsbild der Migräne dar», urteilt
Fiebich, der mit der Untersuchung von Wirkstoffen gegen Kopfschmerz
bereits Erfahrung hat: 2000 konnte sein Team im Auftrag von Boehringer
Ingelheim zeigen, dass die Wirkung von Paracetamol durch Koffein
verstärkt wird, weil beide Wirkstoffe die Synthese des Gewebshormons
Prostaglandin (PGE2) hemmen, Paracetamol zudem die Aktivität des
Schlüsselenzyms der Prostaglandin-Synthese, Cyclooxygenase, inhibiert,
und Koffein darüber hinaus auch noch
die Synthese dieses Enzyms bremst.
Beide Wirkstoffe verstärkten zudem den Hemmeffekt von Acetylsalicylsäure
auf die Produktion von PGE,. Vor zwei Jahren machten die Freiburger
Forscher publik, dass Vitamin C (Ascorbinsäure) die Synthese von PGE7
hemmt und den entsprechenden Hemmeffekt von Acetylsalicylsäure
verstärkt.

Bei VivaCell Biotechnology werden auch toxikologische Untersuchungen und
Untersuchungen zu Wechselwirkungen der pflanzlichen Inhaltsstoffe mit
anderen Wirkstoffen gemacht. «Anwender pflanzlicher Präparate haben
einen Anspruch darauf, dass Phytopharmaka pharmakologisch genau so
gründlich untersucht wurden, wie andere Arzneimittel auch», fordert
Fiebich mit einem Hinweis auf den Skandal um hoch dosierte
Johanniskrautextrakte, unter deren Einnahme es zu unvorhergesehenen
pharmakokinetischen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten gekommen
war.

Fiebichs Kollege Michael Heinrich, ebenfalls in Freiburg ausgebildet und
heute Professor an der University of London, leitet das EU-geförderte
Cannabis-Projekt. Als Pharmakognostiker bringt er das Know-how der
diversen Mitglieder des Konsortiums unter einen Hut, darunter das des «Nuclear-Factor-kappaB»
-Fachmanns Lienhard Schmitz, Privatdozent an der Universität Bern. Der
Ausschüttung von Chemo- und Zytokinen bei entzündlichen Prozessen liegt
eine Aktivierung der entsprechenden Gene zugrunde, wobei dem
induzierbaren Transkriptionsfaktor Nuclear Factor-kappaB (NF-KB) eine
Hauptrolle zukommt. In Schmitz' Arbeitskreis wird unter anderem nach
Wirksubstanzen gesucht, die in den NF-KB-Signalweg eingreifen. Das
Berner Team steuert dem EU-Projekt entsprechende Bioassays bei. Und auch
Eduardo Mufioz, Pharmakologe und Professor an der spanischen Universität
Cordoba, ist ein erfahrener Naturwirkstoff-Sucher. Er ist zudem
Mitgründer der 2002 ins Leben gerufenen VivaCell-Tochter Viva-Cell
Biotechnology Espana S. L., die die im Zusammenhang mit dem
EU-Cannabis-Projekt notwendigen Tiermodelle der rheumatischen Erkrankung
übernimmt. |