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Als vor 10 000 Jahren die
Eisdecken schmolzen und sich der Meeresspiegel hob, verschwanden riesige Gebiete unter dem
Wasser. Der damalige Mensch sah sich mit der ersten grossen Umweltkatastrophe
konfrontiert. Um zu überleben, war er gezwungen, seinen bisherigen Lebensstil zu ändern.
Der Jäger und Sammler wurde zum ansässigen Hirten und Bauern. Das sicherte ihm zwar
seine Existenz, aber gleichzeitig brachte die neue Lebensweise Gefahren von
Infektionskrankheiten mit sich. Rinder, Pferde, Geflügel, Schweine und andere Haustiere
beherbergten zahlreiche Krankheitserreger, die durch die Nähe zum Menschen auf ihn
übertragen wurden. Durch Tierkot verunreinigtes Wasser wurde zur Infektionsquelle für
Cholera und Typhus. Die Sesshaftigkeit lockte Insekten an, die sich an der Übertragung
von Krankheiten beteiligten. Die Reaktionen auf diese Bedrohungen waren vermutlich die
Anfänge von gezielten Heilmethoden, die aus Ritualen und der Anwendung von Heilkräutern
bestanden. Die ersten Aufzeichnungen über angewandte Therapien und medizinische Praktiken
stammen
aus der frühen Bronzezeit, um 4000 v. Chr. Damals entstanden an den Flussufern der
grossen Ströme Tigris, Euphrat und Nil die ersten Hochkulturen. Am Ufer des Euphrat
gründeten die Sumerer ihr Reich. Flussaufwärts entstanden Babylonien und am Ufer des
Tigris Assyrien mit seinem Zentrum Ninive. Die Königreiche hinterliessen in Form von
Keilschrifttafeln Zeugnisse medizinischen Wissens. Der babylonische König Mardukapalidina
(772-710 v. Chr.) liess in seinem Garten Gewürze und Kräuter für medizinische
Zwecke züchten. Insbesondere
Knoblauch, Zwiebel,
Fenchel,
Kümmel, Myrrhe und
Mohn. |